Wirtschaft
Wie Florida um seine Steueroase kämpft
Aktualisiert am 19.04.2011 49 Kommentare
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Die Nichtregierungsorganisation «Tax Justice Network» («Netzwerk für Steuergerechtigkeit») kam in einer Studie zum Schluss, dass es weltweit rund 70 Steueroasen gibt. Dabei machen die USA, die gerne die Schweiz anprangern, keine gute Figur. In der unrühmlichen Rangliste liegen die USA auf Rang 2, also vor der Schweiz. Mit Delaware, Wyoming, Nevada und Florida gibt es in den USA Finanzplätze, die in ausgeprägtem Masse Steuerhinterzieher und Schwarzgeldbesitzer anlocken. Und an dieser Tatsache dürfte sich nicht so schnell etwas ändern.
Während die US-Behörden Schweizer Banken und Banker ins Visier nehmen, verteidigen die amerikanischen Offshore-Finanzplätze ihre Positionen. Ein aktuelles Beispiel kommt aus dem Bundesstaat Florida. Gemäss einem Bericht des Schweizer Nachrichtenportals Finews will die Banker-Vereinigung von Florida unbedingt verhindern, dass die Zinserträge von ausländischen Bankkunden versteuert werden. In einem Brief an die Behörden machten sie klar, dass die Steuerpläne der amerikanischen Finanzindustrie massiv schaden würden.
Im letzten Jahrzehnt war dasselbe Ansinnen am Widerstand der Bankenlobby gescheitert. «Dies dürfte wohl auch diesmal der Fall sein», meint Finenews. «Während die US-Behörden Jagd auf Schweizer Banker und Kundendaten machen, geht es dem Bankgeheimnis in Amerika besser denn je.»
Kampf gegen Offenlegung von Kundendaten
Schon vor ein paar Wochen hatte sich Florida vehement gegen neue Vorschriften aus Washington gewehrt. So forderte das Repräsentantenhaus von Florida die US-Regierung auf, einen Gesetzesvorschlag zurückzuziehen, wonach alle amerikanischen Banken und Finanzinstitute neu auch die Daten ihrer ausländischen Bankkunden gegenüber der Steuerbehörde (IRS) offenlegen müssten. Gemäss einem Bericht von «NZZ online» solle auch ein Informationsaustausch zwischen Ländern möglich sein. «Nicht-Amerikaner müssten künftig fürchten, dass ihre Daten den eigenen Steuerbehörden gemeldet würden», heisst es im NZZ-Bericht.
Die Banken in Florida und insbesondere in Miami befürchten einen massiven Abfluss von Kundengeldern. Bei den Depots von ausländischen Kunden geht es um 70 bis 100 Milliarden Dollar. Ein namhafter Teil der Kundengelder stammt aus Lateinamerika. Die Lateinamerikaner schätzen offensichtlich die Diskretion der Banken von Miami, wo man überdies Spanisch sprechen und sich ganz gut vergnügen kann. Die Bankenlobby warnt Washington davor, die lateinamerikanischen Kunden zu vertreiben. Schliesslich trage der Finanzplatz Miami massgeblich zum wirtschaftlichen Wachstum bei.
Erstellt: 19.04.2011, 11:34 Uhr
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