Wie Kleinsparer zu Spekulanten werden

Wer rechtzeitig Euro gekauft hat, räumt jetzt kräftig ab. Zigtausende Sparer und Kleinanleger profitieren davon, dass der Euro zum Franken wieder steigt. Die Postfinance ist der grösste Profiteur.

In den vergangenen Monaten gab es einen Ansturm auf Eurokonten, weil die Kleinsparer auf einen stärkeren Euro spekulieren: Kunden verlassen ein Beratungszentrum der Postfinance in Bern.

In den vergangenen Monaten gab es einen Ansturm auf Eurokonten, weil die Kleinsparer auf einen stärkeren Euro spekulieren: Kunden verlassen ein Beratungszentrum der Postfinance in Bern. Bild: Keystone

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Die Laufkundschaft rennt der Postfinance die Türen ein. Allein im Monat August hat das Finanzinstitut mit insgesamt 4,2 Millionen Kundenkonten einen drastischen Anstieg speziell bei Eurokonten verzeichnet: Plus 7000 Eurokonten allein in diesem Monat. Insgesamt mehr als 100 Millionen Euro haben in- und ausländische Kunden in diesem kurzen Zeitraum auf Eurokonten bei der Postbank einbezahlt, wie der «Sonntagsblick» gemeldet hatte.

«Ein Kommen und Gehen»

In der Tat würden die Kleinkunden auf die Entwicklung des Euro spekulieren, bestätigt Postfinance-Sprecher Marc Andrey den Zuwachs. Dass dieses Phänomen nicht ewig anhält, sei auch klar: «Bei den Eurokonten ist das ein Kommen und Gehen.» Zusatzangebote, um die Kunden im Euro stärker zu binden, soll es nicht geben. «Das ist nicht unser wichtigstes Produkt, wir werden keine zusätzlichen Zinsen bieten, um das Angebot noch attraktiver zu machen.»

Auch die UBS (UBSN 16.18 -0.43%) hat zwischen März und Juli einen leichten Zuwachs bei Eurokonten festgestellt, so UBS-Sprecher Samuel Brandner. Konkrete Zahlen werden nicht genannt. Zu einem Strategiewechsel in der Beratung werde das jedenfalls nicht führen, heisst es in Bankenkreisen. Bei der Credit Suisse (CSGN 25.7 -0.62%) stelle man indes keine erhöhte Nachfrage nach Euro-Privatkonten fest, so Credit Suisse-Sprecher Thomas Baer. Nur in grenznahen Gebieten könne die Nachfrage nach Euro-Bargeld derzeit leicht erhöht sein, heisst es vage.

Plus 300 Millionen Euro

Vom Ansturm auf die Euro-Konten profitiert vor allem die Postfinance. Der Euro-Bestand auf dessen Konten ist innert eines halben Jahres um 300 Millionen Euro (zirka 350 Millionen Franken) gestiegen. Auf insgesamt 200'000 Eurokonten hat der Kleinsparer im Schnitt 1500 Euro (1790 Franken laut Tageskurs) auf den Konten deponiert.

Für die Kleinanleger ist die Rechnung bis jetzt aufgegangen: Wer zum optimalen Zeitpunkt eingestiegen ist, konnte bis heute ein Plus von fast 15 Prozent erzielen. Über die herkömmliche Verzinsung ist ein Plus von 15 Prozent jedenfalls nicht zu verdienen: Auf einem Zahlungskonto gibt es in der Regel nicht mehr als 0,2 bis 0,5 Prozent, auf einem Sparkonto dagegen immerhin bis zu 1,25 Prozent.

Einfache Konto-Eröffnung

Hinzu kommt, dass die Kontoeröffnung bei dem Postinstitut ungleich einfacher von statten geht als bei anderen grossen Geldhäusern in der Schweiz. Während die Zürcher Kantonalbank auch mal nach einem Wohnsitznachweis in der Schweiz verlangt und bei der UBS ein Pass sowie für EU-Bürger zusätzlich ein unterzeichnetes Zinsbesteuerungsformular erforderlich ist, reichen bei der Postfinance die Minimalanforderungen laut Geldwäschegesetz. Ein Domizil in der Schweiz oder im angrenzenden Ausland genügt bereits, um dort ein Konto zu eröffnen.

Das ist für Schweizer gleichermassen verlockend wie für Deutsche und Österreicher, die Franken gegen Euro tauschen wollen und umgekehrt, um ein wenig Spekulantenluft zu schnuppern. Wobei die Postfinance darauf besteht, keineswegs «Schmalspurkonten» anzubieten. Auch wenn klassische Vermögensanlage oder Offshore-Geschäfte für Privatkunden weiterhin den lizenzierten Banken vorbehalten bleiben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 29.08.2011, 14:28 Uhr)

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