Wirtschaft
Wie Porsche ins Elend fuhr
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 13.11.2009
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Eigentlich dürfte ein Unternehmen wie Porsche ( 47.79 1.39%) keinen Verlust schreiben. Die Marke, über Jahrzehnte gewachsen, vereint genau die richtige Mischung aus Solidität und Sexappeal in sich, man kennt und schätzt sie in der halben Welt. Zuverlässig schrieb Porsche als Konzern die letzten Jahre denn auch Gewinne – 8,6 Milliarden Euro vor Steuern im Rekordjahr 2008. Eine Ausgangslage, so könnte man denken, in der einem Unternehmen kaum etwas geschehen kann. Und doch: Porsche meldet heute Donnerstag einen Konzernverlust von 4,4 Milliarden Euro. Warum?
Der Verlust, so liest es sich aus den Zahlen, ist nicht im Tagesgeschäft entstanden, in den Fertigungshallen und Ladenflächen der altehrwürdigen Porsche AG. Zwar ist der Absatz im vergangenen Geschäftsjahr um 24 Prozent auf 75'200 Fahrzeuge eingebrochen. Doch der Konzern Porsche selber lässt verlauten, er werde in seinem Kerngeschäft, also bei der Porsche AG, auch dieses Jahr eine «zweistellige» Umsatzrendite schreiben. Nimmt man den letztjährigen Umsatz von 6,2 Milliarden zum Massstab, käme dies einem operativen Gewinn von mindestens 620 Millonen Euro (zehn Prozent) gleich. Die genaue Bilanz will das Unternehmen bei einer Pressekonferenz am 25. November verkünden.
Erst schwollen die Bücher an, jetzt sind sie geschrumpft
Die roten Zahlen werden anderswo verursacht, nämlich: in der Buchhaltung. Seit Jahren hamsterte Porsche Optionen, die dem Unternehmen den Kauf von günstigen VW-Aktien sichern sollten. Weil die Aktien von Volkswagen zeitweise drastisch stiegen, gewannen auch die Optionen stetig an Wert – und Porsche konnte sich diese als Gewinne in die Bücher schreiben. So gelang Porsche auch das Kunststück, 2008 den genannten Konzernüberschuss von 8,6 Milliarden Euro zu verkünden, obwohl die Porsche AG in dem betreffenden Geschäftsjahr nur für 6,2 Milliarden Euro überhaupt Autos verkaufte. Nur 1,2 Milliarden Euro des Gesamtgewinnes erwirtschaftete Porsche letztes Jahr mit seinem Kerngeschäft – 7 Milliarden gehen auf reine Buchgewinne zurück.
Die Übernahme von Volkswagen ist inzwischen gescheitert. Porsche, das zu viel Liquidität in den Optionen gebunden hatte, muss 49 Prozent der Porsche AG unter das Dach von Volkswagen geben. Und es musste seine nun für sich nutzlosen Optionen verbilligen, um sie an das Emirat Qatar verkaufen zu können. Entsprechend sind die zuvor gross angeschwollenen Anlagen in den Büchern verschwunden, und der Aufwand für die Abschreibungen liess den Rekordgewinn zu einem Milliardenverlust schrumpfen. Es sind die Übernahmepläne, die dem Konzern das Loch in der Bilanz bescheren: Porsche hat zu hoch gepokert.
Untersuchungen gegen Wiedeking
Den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter haben die misslungenen Spekulationen bereits im Sommer ihr jeweiliges Amt gekostet. Ausserdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die beiden Manager: Sie prüft, ob Wiedeking und Härter den Kurs der VW-Aktien widerrechtlich beeinflusst haben.
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte nach starken Kurssprüngen der Aktie eine Anzeige eingereicht. Die «Süddeutsche Zeitung» schrieb im August, die Staatsanwälte würden untersuchen ob «es im Zuge des Machtkampfes zwischen Porsche und Volkswagen (...) zur unbefugten Weitergabe von Insiderinformationen gekommen ist».
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.11.2009, 10:27 Uhr




