Wirtschaft
Wie Turnschuhe dem Regenwald schaden
Was haben Turnschuhe von Adidas und Nike mit der Zerstörung des Amazonas-Regenwalds zu tun? Die Antwort darauf geben Umweltschützer in einer neuen Studie: Die Kuh, von der das Leder stammt, könnte auf einer Weide gegrast haben, die noch vor kurzem Urwald war.
In einer dreijährigen Untersuchung hat Greenpeace bis ins Detail aufgedeckt, auf welchen Wegen Rinder von illegalen Amazonas-Farmen in die westliche Welt und zu den Konsumenten gelangen. Die Umweltschutzorganisation konnte nachweisen, dass zahlreiche Markenhersteller über Umwege die schmutzigen Produkte beziehen. Detailhändler wie Migros und Coop verkaufen das Fleisch; Knorr, Kraft und Burger King verwenden es in ihren Produkten; Unilever, Colgate und Johnson & Johnson brauchen das Fett für Seife und Kosmetika; BMW, Honda und Toyota nutzen das Leder für Autositze, Ikea und Natuzzi für Sofas, Gucci und Prada für Accessoires. Schuhhersteller wie Nike, Adidas, Timberland, Clarks und Geox stellen damit Schuhe her.
Wichtigster Treiber der Abholzung
Das ist deshalb dramatisch, weil die Viehzucht heute als wichtigster Treiber für die Zerstörung des Regenwaldes gilt. Die Abholzung wiederum macht aus Brasilien den weltweit viertgrössten Produzenten von Treibhausgasen. Von den 200 Millionen Rindern grast gut ein Drittel in Amazonien, Tendenz steigend (siehe Grafik). Regierungsexperten gehen davon aus, dass 80 Prozent des illegal vernichteten Regenwaldes für die Viehzucht genutzt werden.
Nicht die ganze Viehzucht im Amazonasgebiet ist illegal. Die Bauern müssen aber per Gesetz 80 Prozent des Regenwaldes auf ihrem Grundstück erhalten. An diese Regel hält sich allerdings niemand - und sie wird auch kaum durchgesetzt. Dafür ist die zu kontrollierende Fläche einfach zu gewaltig: Amazonien ist anderthalbmal so gross wie Indien.
Die Produzenten wollen etwas tun
Nun reagieren die Schuhproduzenten auf die Greenpeace-Enthüllungen: Sie wollen etwas gegen die illegale Zerstörung des Regenwaldes tun. Adidas, Nike, Timberland und Clarks fordern von ihren Zulieferern ein Moratorium auf Leder von frisch gerodeten Gebieten. Im Moment lässt sich das allerdings nicht überprüfen. Darum geben die Hersteller den Zulieferern ein Jahr Zeit, ein System einzuführen, mit dem sich die Herkunft einzelner Tiere zurückverfolgen lässt. Bis es so weit ist, müssen die Zulieferer schriftlich garantieren, kein solches Leder zu verkaufen.
Ein ähnliches Abkommen hat 2006 die Soja-Industrie ausgehandelt, die vor der Viehzucht im Fokus stand. Das Soja-Moratorium war ursprünglich auf 3 Jahre begrenzt, war aber so erfolgreich, dass es letzte Woche um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Die Schuhhersteller werden jedoch kaum an diesen Erfolg anknüpfen können. Rindsleder ist gemessen am Umsatz das unwichtigere Produkt. 2008 exportierte Brasilien Rindfleisch im Wert von 5,1 Milliarden Dollar und Rindsleder für 1,9 Milliarden. Und selbst wenn sich die Nahrungsmittelfirmen dem Abkommen anschliessen würden, wäre der Erfolg nicht garantiert. Nur ein geringer Teil des Fleisches geht in die westliche Welt. Das meiste wird im Inland verbraucht, die wichtigsten Exportländer sind Russland, der Iran und China.
Coop und Migros reagieren ebenfalls
In der Schweiz wird ebenfalls Rindfleisch aus Brasilien verkauft. Allerdings deutlich weniger als noch vor einigen Jahren. Für Edelstücke wie Filet, Entrecôte und Huft war Brasilien jahrelang das wichtigste Herkunftsland - bis ein Embargo der EU den Import zeitweise verbot. 2008 stammten nur noch 10 Prozent der 20 000 Tonnen importierten Rindfleisches aus Brasilien. 2005 waren es noch 85 Prozent gewesen.
Sowohl Migros wie Coop beziehen über einen Importeur Fleisch von Lieferanten, die Greenpeace mit den illegalen Amazonasrindern in Verbindung gebracht hat, wie der «Kassensturz» berichtete. Coop hat nach der Enthüllung vollständig umgestellt - und verkauft kein Fleisch mehr von den von Greenpeace beschuldigten Lieferanten. Die Migros bezieht nach wie vor Fleisch von diesen Lieferanten. Migros-Sprecher Urs Peter Naef betont aber: «Sämtliches Fleisch stammt mit absoluter Sicherheit nicht aus Betrieben auf illegal gerodetem Regenwald.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.08.2009, 07:09 Uhr



