Wirtschaft
Wie der Bundesrat mit der Schweinegrippe umgeht
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 29.04.2009 8 Kommentare
Dienstag morgen, gegen halb neun Uhr. Der Chef des Bundesamtes für Gesundheit(BAG) Thomas Zeltner und sein Pandemie-Spezialist trinken im Restaurant Diagonal einen Kaffee. So schlimm kann es nicht sein mit dieser Grippe, wenn der oberste Seuchenbekämpfer trotz Pandemie-Ängsten seelenruhig seinen Kaffee schlürft, denkt man sich. Das Duo kommt von einer Sitzung im Departement des Innern. Wenigstens muss man das annehmen. Couchepins Büro liegt genau gegenüber. Der Chef des EDI ist heute aber nicht da. Er ist auf einer Auslandreise in Belgien – Schweinegrippe hin oder her. Er wird aber von seinen Leuten über die Entwicklung laufend informiert.
Man hört es immer wieder
Herr Zeltner, ist das die von ihnen erwartete Pandemie? Immerhin hat der BAG-Chef vor nicht so langer Zeit, als die Vogelgrippe die Welt in Angst und Schrecken versetzte, den Ausbruch einer Pandemie, als bloss «eine Frage der Zeit bezeichnet». «Wenn man einmal etwas sagt, dann hört man das immer wieder» gibt er zurück, zahlt, steht auf und rauscht mit seinem Mitarbeiter zurück ins Liebefeld-Quartier, wo das BAG seinen Hauptsitz hat. Vorbei auch am Parlamentsgebäude. Drinnen hat eben erst der zweite Tag der Sondersession begonnen. Das Parlament brütet nicht über die Schweinegrippe, sondern über die Vitalisierung von Flüssen und Bächen. Und in der Wandelhalle schleicht so früh am morgen noch fast niemand herum.
Andere interessiert der Tibet mehr
Überhaupt: Schweinegrippe, Vogelgrippe: Der Walliser SVP Nationalrat Oskar Freysinger zum Beispiel berührt das Schicksal Tibets weit mehr. Sein Parteikollege aus dem Thurgau, Alexander Baumann echauffiert sich über die Bundesanwaltschaft. Eine Ausnahme: Der Grüne Ueli Leuenberger sitzt vor dem Cafe Valotton und informiert sich über die Schweinegrippe: «Ohne auf Panik machen zu wollen, ich bin schon ein bisschen beunruhigt», sagt er. Zur gleichen Zeit, ein paar Häuserblocks weiter, gleichen Bundeskanzlei und Departement des Inneren (EDI) die Sprachregelung zur Schweinegrippe ab. Wer soll was kommunzieren? Vizekanzler André Simonazzi gibt sich locker und cool: «Der Ball liegt beim EDI», sagt er. «Der Bundesrat wird vom Departement laufend über die Entwicklung informiert.»
«Entscheiden, wenn es etwas zu entscheiden gibt»
Herr, Simmonazzi, haben wir in der Schweiz Alarmstufe 4? «In der Schweiz hat der Bundesrat noch nicht entschieden. Er wird entscheiden, wenn es etwas zu entscheiden gibt.» Aha. Noch ein paar Häuserblocks weiter – im EDI. Im Büro von Jean-Marc Crevoisier, dem Informationschef Couchepins, flattert eben das neueste Bulletin der Weltgesundheitsbehörde auf den Tisch. «Das tönt schon besser wesentlich besser als gestern», freut sich Crevoisier und liest die letzte Mitteilung der WHO laut vor. «Die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie ist gestiegen, aber eine Pandemie ist nicht unausweichlich.» Wieso tönt das besser?
Entspannung in Mexiko
«In Mexiko hat sich die Situation etwas entspannt. Gut möglich, dass die WHO statt wie erwartet auf Stufe 5 rauf, auf Stufe 3 zurückgeht.» Bisher gebe es keinen keinen einzigen Fall in der Schweiz, wo der Virus als Erreger nachgewiesen worden sei. «Wir sind vorbereitet und gerüstet.» Crevoisier macht einen Vergleich: In der Schweiz sterben jedes Jahr 1000 Menschen an einer hundsgewöhnlichen Grippe. Wegen diesen Toten breche aber niemand in Panik aus. Observieren und Informieren hat vorläufig Vorrang - und irgendwann kommt dann auch Couchepin wieder. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.04.2009, 17:02 Uhr
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8 Kommentare
Wenn der Bundesrat nur halb so erfolgreich ist, wie mit dem Bankgeheimnis, dann wäre das schon ein Erfolg. Es wird aber sehr schlimm: 2 (zwei) Quarantäne Betten in Zürich sind bereit, probehalber wird schon mal ein Virus verbreitet... und dann warten alle bis die nächste Stufe ausgerufen wird. Ja so gibt es viele Tote.. aber dann wird die Wohnungsnot etwas kleiner! Antworten
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