Wirtschaft

Wie die Fifa die Namen bezahlter Funktionäre geheim halten will

Von Jean François Tanda. Aktualisiert am 01.12.2010 13 Kommentare

Die Fifa will nicht, dass bekannt wird, wer Schmiergeld zurückbezahlt hat – denn es drohe «eine negative Berichterstattung in der Presse und eine unverhältnismässige Prangerwirkung».

Behauptet Nulltoleranz, will aber dennoch keine Namen bekannt geben: Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Behauptet Nulltoleranz, will aber dennoch keine Namen bekannt geben: Fifa-Präsident Sepp Blatter.
Bild: Keystone

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Mithilfe von Anwälten, die den besten in der Schweiz zugeordnet werden, versucht der Weltfussballverband Fifa zu verhindern, dass die Namen zweier Männer öffentlich werden. Es handelt sich um Fifa-Männer – keine Schweizer Bürger –, die sich im Frühjahr 2010 an einer Wiedergutmachungszahlung von 5,5 Millionen Franken beteiligt haben, damit eine Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft Zug gegen sie und die Fifa eingestellt werde.

Die entsprechende Einstellungsverfügung vom 11. Mai 2010 dürfte laut Rechtsprechung des Bundesgerichts veröffentlicht werden. Doch die Anwälte der Fifa und der beiden ausländischen Personen wehren sich dagegen: Es sei zu befürchten, so ein Argument, dass die Offenlegung «zu einer negativen Berichterstattung in der Presse führen würde und eine unverhältnismässige Prangerwirkung zur Folge hätte».

Rechtshilfegesuch wurde positiv beantwortet

Weiter heisst es, das Ansehen der Betroffenen «in der Öffentlichkeit bliebe in einer nicht wiedergutzumachenden Weise beschädigt». Es sei zu bedenken, dass die «untersuchten Vorgänge und Zahlungen – selbst wenn sie aus heutiger Sicht bedenklich erscheinen – zur damaligen Zeit allgemein akzeptierte und abgesegnete Praxis waren».

Ursprung der Strafermittlungen der Staatsanwaltschaft Zug mit der Verfahrensnummer 2A 2005 31601 war die Rückzahlung «eines Vertreters der Fifa» von «Vergünstigungen bzw. Schmiergeldern» in Höhe von 2,5 Millionen Franken in die Konkursmasse der früheren Fifa-Vermarktungspartnerin ISMM/ISL.

Dies steht in einem Gerichtsentscheid aus Vaduz FL aus dem Jahre 2006, mit dem ein Rechtshilfegesuch aus Zug positiv beantwortet wurde.

«Es gab viele Leistungsempfänger»

Die ISMM/ISL hatte bis 1999 jahrelang «Provisionen» in Millionenhöhe an Fifa-Exponenten bezahlt, um sich die milliardenschweren Vermarktungs- und TV-Rechte an Fussballweltmeisterschaften zu sichern. Das Geld floss über Tarnfirmen in Liechtenstein, so auch an die zwei Männer, die sich – nebst der Fifa – an der Wiedergutmachungszahlung von 5,5 Millionen Franken beteiligt haben.

Einer der beiden Männer sei «nicht mehr als Funktionär bei der Fifa tätig», argumentieren die Anwälte weiter, um die Veröffentlichung der Einstellungsverfügung zu verhindern: «Ausserdem gab es viele Leistungsempfänger innerhalb und ausserhalb der Fifa, gegen die überhaupt keine Untersuchung eingeleitet wurde.»

Das IOK handelt, die Fifa nicht

Angeblich fürchten die beiden Fifa-Leute auch um ihre Sicherheit: Angaben zu Privatadresse und Vermögensverhältnissen seien im Domizilstaat nicht zugänglich, steht in den Verfahrensakten, «da solche Angaben Entführungen, Einbruch oder Raubüberfälle begünstigen». Bisher haben es die Fifa-Anwälte mit Eingaben und Fristerstreckungsgesuchen geschafft, die Einstellungsverfügung geheim zu halten.

Derweil bestreitet Fifa-Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun, dass er Schmiergelder von der ISL bekommen habe. Die 100'000 französischen Franc in bar, die er am 15. Februar 1995 entgegengenommen habe, seien eine «Schenkung der ISL an die afrikanische Fussballkonföderation (CAF)» gewesen, die er präsidiert, teilte die CAF mit. Ein Fifa-Insider sagt, Hayatou sei «unabhängig wohlhabend und nie in Schmiergeldzahlungen» involviert gewesen.

Fälle sollen in die Ethikkommission

Nach den Enthüllungen über Schmiergeldzahlungen an Sportfunktionäre reagiert das Internationale Olympische Komitee (IOK). Es kündigt an, die Fälle von Hayatou, Fifa-Ehrenpräsident João Havelange aus Brasilien und Lamine Diack aus Senegal in die Ethikkommission zu bringen. Die beiden Fifa-Männer und der Präsident des Leichtathletikweltverbands sind alle IOK-Mitglieder. «Das IOK verfolgt eine Nulltoleranzpolitik gegen Korruption», sagt eine Sprecherin. Die Fifa tut nichts und sagt, die Vorfälle «liegen viele Jahre zurück». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2010, 23:41 Uhr

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13 Kommentare

Walter Gull

01.12.2010, 08:27 Uhr
Melden

Nun ist es doch angezeigt, dass die zuständigen staatlichen Stellen der FIFA mindestens ihre steuerliche Privilegierung absprechen. Antworten


Fred Büchi

01.12.2010, 09:01 Uhr
Melden

Ausgerechnet die Fifa redet von Reputation, es darf gelacht werden. Die Herren leiden an galoppierendem Realitätsverlust. Es ist Zeit, dass Frauen Verantwortung übernehmen, wozu diese Leute offensichtlich nicht fähig sind. Antworten



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