Wie die Frankenstärke das Land verändert
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 24.08.2011 49 Kommentare
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Wie ein Vergrösserungsspiegel führt die Frankenstärke dem Land seine Realität vor Augen: Die hohen Löhne werden noch höher, die Lebenshaltungskosten auch, die inländischen Einkaufspreise ebenfalls. Das wird die Unternehmenslandschaft langfristig verändern. Denn die Ursachen dieser Entwicklung ändern sich auf absehbare Zeit nicht.
Während der letzten drei Generationen hat sich die Schweiz zu einem Hochqualitätsstandort entwickelt. Überlebt haben abgesehen von lokal orientierten Dienstleistern hoch spezialisierte Unternehmen. Einige von ihnen sind klein und kreativ – etwa Hersteller von Präzisionsinstrumenten. Andere nutzen ihre Grösse, um sich Innovation leisten zu können – etwa Pharmafirmen. Wer von undifferenzierter Massenware lebt, etwa eine Textilfabrik, hat in der Schweiz seit Jahren kaum mehr eine Chance. Die Schweiz kann nicht billig sein, darum muss sie besonders gut sein.
Mit der Frankenstärke dürfte nun ein weiterer Umbruch anstehen: «Es droht nichts weniger als ein breiter Verlust der industriellen Substanz in der Schweiz», schreibt der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie heute Morgen in einer Mitteilung zu den neusten Branchenzahlen. Die hoch spezialisierten kleinen Firmen können es sich aufgrund ihrer Einzigartigkeit leisten, ihre Preise bis zu einem gewissen Grad zu erhöhen. Und die grossen können ihre Produktion dorthin verlagern, wo sie auch verkaufen, um so die Währungsschwankungen auszugleichen. Doch wer nicht hoch spezialisiert ist, ist gefährdet – vor allem die Unternehmen der Metall- und Papierindustrie. Sie werden teilweise aufgeben oder sich einem Riesen anschliessen müssen. «Bereinigung» nennen Ökonomen diesen Prozess.
«Mittelfristig mit der Parität rechnen»
Doch auch wer überlebt, wird sich weiter anstrengen müssen. «Die Unternehmen haben sich längst darauf eingestellt, dass sich die Situation nicht mehr fundamental bessern wird», sagt Thomas Zellweger, auf Familienunternehmen spezialisierter Betriebswirtschaftler der Universität St. Gallen. «Sie wissen, dass sie bezüglich des Euro mittelfristig mit der Parität rechnen müssen.» Kleine Schweizer Firmen werden noch innovativer arbeiten müssen. Und grosse werden weiter zu wachsen versuchen – der starke Franken ermöglicht ihnen Zukäufe. So wird sich die Schweizer Wirtschaft unter dem Druck des Frankens nachhaltig verändern: Sie wird noch spezialisierter, noch effizienter werden.
Die Geschichte hat gezeigt, dass sie dazu in der Lage ist, auch wenn die Umbruchzeit schmerzhaft ist. Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie vermehrt dort einkaufen, wo sie ihre Produkte auch absetzen. Sie handeln neue Verträge mit den Zulieferern aus, die dem neuen Wechselkurs entsprechende Bedingungen enthalten. Sowohl die Löhne als auch die Konsumentenpreise werden ausserdem unter dem Anpassungsdruck fallen und somit einen Teil des Schlags auffangen.
Gegen die SVP-Initiative
Auf politischer Ebene sind für die Unternehmen zwei Dinge wichtig. Einerseits sorgt die demonstrierte Wachsamkeit der Nationalbank für Vertrauen. «Es ist gut für die Unternehmen, wenn sie nun kurzfristig erst mal mit 1.10 Franken rechnen können», sagt Zellweger. Andererseits ist die Wirtschaft künftig noch stärker auf kreative und gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen – und somit auf die Personenfreizügigkeit. Sowohl Swissmem als auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse haben darum in den letzten Wochen ihre deutliche Nein-Parole zu der neuen SVP-Initiative gegen Masseneinwanderung veröffentlicht.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.08.2011, 14:28 Uhr
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49 Kommentare
Jetzt vor den Wahlen wird viel gedroht und viele Unwahrheiten erzählt. Richtig ist, die Industrie will nach Asien aus durchaus verständlichen Gründen (Löhne, Rohstoffe, Logistik, China, Indien ...). Die Rufe nach Steuergeschenken sind da der falsche Weg, weil die Industrie so oder so abwandern wird, zurückbleiben werden aber nur (noch mehr) Steuergeschenke für Vermögende. Antworten
Dann müsste logischerweise auch der Invalide und der Sozialfall ausgelagert werden. Wohin? Weiss keiner. Die Alten, die nicht reich genug sind für die teuere Schweiz? Da wurde nicht zu Ende gedacht. Und wenn soziale Unruhen alles ändern? Gehen dann alle? Ich sag es mal so: Lassen wir es auf uns zu kommen und holen etwas Geld bei den Reichen. dann sehen wir weiter. Antworten
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