­­­Wie die Kuoni-Stiftung sich in die Zukunft rettet

Das Angebot der Beteiligungsfirma EQT für den Reisekonzern enthält sogar Zahlungen, die dafür sorgen, dass die Stiftung weiter gemeinnützig wirken kann.

Die Stiftung hinter Kuoni behält einen Platz an der Sonne. Foto: Giovanni Montella Jia

Die Stiftung hinter Kuoni behält einen Platz an der Sonne. Foto: Giovanni Montella Jia

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Mit einer Woche Verspätung liegen nun die weiteren Details zum Verkauf des Kuoni-Konzerns an die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT auf dem Tisch. Der Angebotsprospekt, der festhält, unter welchen Voraussetzungen die Übernahme erfolgen soll und die Kuoni-Aktionäre ihre Beteiligungspapiere verkaufen können, ist gestern veröffentlicht worden. Das 39-seitige Dokument gibt dabei auch erstmals genauer Einblick, zu welchen Bedingungen die bisherige Ankeraktionärin von Kuoni, die Kuoni-Hugentobler-Stiftung, in den Deal einwilligte.

Die Stiftung kontrolliert beim Reisekonzern bis jetzt mit 6,25 Prozent des Kapitals ein Viertel der Stimmen. Denselben Stimmenanteil von 25 Prozent wird die Stiftung auch am neuen Holding-Gebilde halten, in das Kuoni im Zug der Übernahme überführt wird. Welchen Anteil die Stiftung am Kapital haben wird, steht erst im weiteren Verlauf der Abwicklung des Deals fest – er soll sich aber nach Abschluss der Transaktion zwischen 9 und 13 Prozent bewegen. Bis jetzt kontrolliert die Stiftung mit 25 Prozent des Stimmenanteils den Konzern, weil für andere Aktionäre eine Stimmrechtsbeschränkung bis 3 Prozent besteht. Im Zuge des Deals mit EQT wird diese Vinkulierung aufgehoben, dafür kommt die Stiftung in den Genuss von Minderheitenrechten. Dazu gehören insbesondere Vetorechte. Etwa wenn ein Kauf oder Verkauf einer Beteiligung an anderen Gesellschaften ansteht und die Summe mindestens 100 Millionen Franken beträgt. Ebenso bei Investitionen in diesem Umfang oder wenn es um den Verkauf oder die Lizenzierung der Marke Kuoni geht, um Statutenänderungen oder die Verlegung des Firmensitzes. Zudem ist die Stiftung dagegen geschützt, dass sich ihr Kapital- oder Stimmenanteil wegen Verwässerung unter das Niveau von 6,25 Prozent bewegt.

Auf Karrer warten 1,2 Millionen

Die Kuoni-Investoren haben sich mit der Stiftung auch über Regeln geeinigt, ab wann weitere Firmenteile von Kuoni verkauft oder wieder an die Börse gebracht werden können. Die drei Geschäftsbereiche, aus denen der Kuoni-Konzern heute nach dem Verkauf des Reisebürogeschäfts noch besteht, sind das Geschäft mit Gruppenreisen, die Hotelbetten-Datenbank sowie die Visa-Dienstleistungen. Gegen die Bezahlung einer Prämie an die Stiftung wäre eine Abtrennung eines dieser Bereiche bereits nach fünf Jahren möglich. Ohne Prämie nach sieben Jahren. Wobei ein Börsengang beim Visa-Geschäft und die Vertriebslösung für Hotelunterkünfte «die präferierte Exit-Option» sei, wie es im Angebotsprospekt heisst.

Die Kuoni-Hugentobler-Stiftung muss davon ausgehen, dass sie von Kuoni nach der Mehrheitsübernahme durch EQT keine Dividende erwarten kann, was die Stiftung bei der Erfüllung ihres Stiftungszwecks in finanzielle Nöte bringen könnte. Denn sie ist gemäss Statuten dazu verpflichtet, «dass die Erträge der Stiftung, soweit sie nicht dem Fortbestand der Stiftung dienen, für gemeinnützige Zwecke zu verwenden sind». Die Regelung mit EQT sieht vor, dass die Stiftung dafür während der nächsten fünf Jahre 2 Millionen Franken jährlich erhält.

Verläuft der weitere Ablauf der Übernahme nach Plan, können die heutigen Kuoni-Aktionäre ihre Papiere zwischen dem 15. März und dem 13. April dem schwedischen Investor andienen. EQT bezahlt dafür 370 Franken pro Aktie, was einem Aufschlag von 34 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs der letzten Monate entspricht.

Von der Prämie, die EQT zahlt, profitieren auch die Mitglieder der Kuoni-Geschäftsleitung und die Verwaltungsräte über die von ihnen gehaltenen Aktien. Noch laufende Sperrfristen für Aktien, die sie im Rahmen von Vergütungsprogrammen erhalten haben, werden aufgehoben. Kuoni-Präsident Heinz Karrer, der zusammen mit dem übrigen Verwaltungsrat nach dem Verkauf zurücktreten wird, erhält auf diesem Weg 1,2 Millionen Franken.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 29.02.2016, 22:10 Uhr)

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