Wirtschaft
Wie die UBS Millionen verschenkte
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 09.04.2010 35 Kommentare
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Es war im Sommer 2005. Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) war auf dem Höhepunkt ihres Ansehens, als das Unternehmen mit einer überraschenden Nachricht kam: John Costas, langjähriger CEO der Investmentbank, tritt zurück und gründet zusammen mit Michael Hutchins einen quasi selbstständigen Hedgefonds namens Dillon Read Capital Management (DRCM), im Nebenamt wurde er Präsident der UBS-Investmentbank.
Peter Wuffli, CEO der UBS, fand euphorische Worte: «Die Erfolgsbilanz von John Costas an der Spitze unserer Investmentbank spricht für sich. Dass er sich entschieden hat, eine neue Einheit innerhalb der UBS aufzubauen, eröffnet uns allen spannende Perspektiven.»
Das Projekt verzögerte sich aber von Anfang an. Offensichtlich war es doch schwieriger als gedacht, einen Hedgefonds zu gründen. Es ging um viel Geld: Neben den 3,5 Milliarden Franken Startkapital hatte Costas Zugang zu billigem Geld der UBS von bis zu 100 Milliarden, davon wurden etwa 20 Milliarden in amerikanische Hypothekenpapiere investiert. Neue Büroräumlichkeiten wurden angemietet, und nach weiteren Vorbereitungen wurde im November der Outside Investors Fund (OIF) gegründet. Was anschliessend kam, ist mysteriös. Doch erst einmal wurden Erfolgsmeldungen kommuniziert, dies noch im März 2007.
50 Prozent Verlust?
Hinter den Kulissen war aber bereits dann die Nervosität sehr gross. Im März 2007, so Zeugenaussagen, die sich in der Dokumentation einer amerikanischen Sammelklage finden, begann das DRCM-Management rund um Hutchins ein Experiment: Man versuchte, ein Paket von CDOs (Schrotthypotheken) im Wert von 100 Millionen am Markt zu platzieren. Das Ergebnis war ernüchternd: Man bekam gerade mal 50 Prozent des Marktwerts zurück.
Danach ging es plötzlich sehr schnell. Am 3. Mai 2007 kommunizierte die Bank, man habe beschlossen, DRCM zu schliessen und wieder in die Bank zu integrieren. Gleichzeitig wurde ein Quartalsverlust von 124 Millionen für den Teil von DRCM kommuniziert, den die UBS selber besass. Ganz anders verhielt es sich beim OIF. Dort, so sagte John Fraser, Chef des UBS-Asset-Managements, in einem von Bloomberg aufgezeichneten Interview, sei bis Ende März ein Gewinn von 11 Prozent angefallen – wohlverstanden nach Abzug der Gebühren. Dies in einer Zeitspanne von 5 Monaten. Macht, aufs Jahr hinaus gesehen, 26 Prozent Gewinn. Gleichzeitig betont die UBS, die Akquisition von Drittinvestoren sei nicht erfolgreich verlaufen.
Verantwortliche auf Analystenkonferenz «gegrillt»
Mit denen, die man überzeugt hatte, war man sehr kulant. «Um die Investoren rasch auszahlen zu können, haben wir einen Kapitaleinschuss vorgeschlagen», sagte Fraser weiter. Am 8. Mai könnten die Investoren mit ihrem Geld rechnen. Bei der nachfolgenden Analystenkonferenz wurden die Verantwortlichen «gegrillt». Niemand konnte verstehen, dass dermassen unterschiedliche Performances möglich waren. Auf die Frage, warum man denn nicht einfach den OIF liquidiere und mit dem Erlös die Investoren bediene, sagte Fraser, man sei sehr auf das Wohl der Investoren bedacht. Welche Anlagen denn so gut rentiert hätten, wurde Fraser gefragt. Er wollte es aus Rücksicht auf die übrigen Positionen der UBS, die offenbar doch ähnlich waren, nicht sagen.
Auf die Frage des TA, wie man den Wert der OIF-Aktiven bestimmt habe, sagt UBS-Sprecherin Tatiana Togni: «Die Rücknahmen wurden durch den NAV bestimmt. Dieser wurde durch eine unabhängige Firma berechnet und von einer externen Revisionsstelle geprüft.» Wie der Bericht der Finma über das UBS-Subprime-Abenteuer zeigt, waren diese Berechnungen sehr unzuverlässig, und die Bank bot damals keine Gewähr für ihr Risikomanagement.
Verluste wuchsen
Auf die Frage des TA, ob es möglich sei, dass unter den Investoren Mitglieder des Verwaltungsrats oder der Geschäftsleitung waren, namentlich Ernesto Bertarelli, sagt Togni: «Wir veröffentlichen keine Namen von Investoren, die in Produkte investieren. Selbstverständlich ist es, wie bei jedem anderen Produkt auch, möglich, dass UBS-Mitarbeiter sich entschlossen hatten, darin zu investieren.»
Die Verluste für die Bank wurden immer grösser. Im Sommer 2007 kommunizierte die UBS einen Verlust von 384 Millionen Franken für DRCM, wobei der «grössere Teil» in sogenannt aufgeschobenen Zahlungen an Mitarbeiter bestand. Eine weitere sagenhafte Story im Umfeld von DRCM sind die Löhne. Mit 120 Leuten fingen Costas und seine Stars 2005 an, angefragt wurden die angeblich besten «Talente» der UBS in Amerika, wie Costas sagte. Rekrutiert wurde vor allem im sogenannten Fixed-income-Bereich der UBS. Wer nicht angefragt wurde, fühlte sich als Niete.
Das Gespött der Wallstreet
Mit der Gründung des OIF wurde die Administration aufgeblasen, und es kamen noch mehr Mitarbeiter dazu. 180 waren es 2006, bereits 250 vor der Schliessung im Mai 2007. Im Schnitt verdiente jeder 1 Million Dollar. Am Schluss war die UBS zum Gespött der Wallstreet-Händler geworden, weil die Herren mit ihren Abfindungen prahlten. Namentlich Costas und seine beiden Partner kassierten beim Abgang im Schnitt gegen 25 Millionen Franken. Die Herren sind übrigens wieder im Geschäft. John P. Costas gründete zusammen mit Michael Hutchins vor Jahresfrist die PrinceRidge Group, die mit Hypotheken und Firmenkrediten handelt. Geld genug haben sie offensichtlich noch immer. Wenn sie die Decharge für das Jahr 2007 erhalten, dann wird ihnen dies kaum mehr zu nehmen sein.
Die UBS kam das Experiment DRCM jedoch sehr teuer zu stehen. Laut Shareholder Report der UBS war DRCM bis Ende 2007 für 3,2 Milliarden oder 16 Prozent der damals bekannten Gesamtverluste aus dem Subprime-Geschäft der Bank verantwortlich. Da damals erst knapp die Hälfte der Verluste im Subprime-Markt bekannt waren, dürften es am Schluss 7 Milliarden Franken gewesen sein. Unbeantwortet ist bis heute: Wer ist dafür verantwortlich?
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.04.2010, 06:57 Uhr
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