Wie die Vermögensverwalter vom Steuerstreit profitieren

Boris Collardi sieht eine Konsolidierungswelle auf den Schweizer Finanzplatz zurollen. Den Anfang hat die Bank Bär mit der Übernahme der israelischen Leumi gleich selbst gemacht.

Für Auslandsbanken steigen die Kosten, ohne dass Klarheit über die Zukunft besteht: Bär-Chef Boris Collardi. Foto: Keystone

Für Auslandsbanken steigen die Kosten, ohne dass Klarheit über die Zukunft besteht: Bär-Chef Boris Collardi. Foto: Keystone

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10 Millionen Franken wird Julius Bär an die israelische Bank Leumi überweisen. Dafür wird deren Kundengeschäft in der Schweiz und Luxemburg an die Bank Bär transferiert – es geht um maximal 7,2 Milliarden Franken. Leumi zahlt im Gegenzug die US-Busse, die ihre Schweizer Tochterbank erhalten soll; von einer Viertelmilliarde Franken ist da die Rede.

Für die Bank Bär ist das Geschäft fast zu schön, um wahr zu sein. Dem Haus fliessen günstig Gelder zu, ohne dass es die Altlasten des Geschäfts tragen muss. Während man auf die Einigung mit den USA wartet, handelt man sich keine weiteren Risiken ein.

Dass eine Bank wie Leumi auf diesen Deal einsteigt und zum Rückzug aus der Schweiz bläst, erklärt Boris Collardi folgendermassen: «Aus der Sicht von Auslandsbanken steigen die Kosten, ohne dass Klarheit über die Zukunft besteht.» Strategisch lohne sich das Private Banking in der Schweiz für manche dieser Banken deshalb nicht mehr.

Dabei lässt es der Bär-Chef aber nicht bleiben. Collardi prognostiziert für die kommenden 12 bis 18 Monate eine regelrechte Konsolidierungswelle: Noch im Zuge der Aufarbeitung des US-Steuerstreits soll es zu einer Serie von Übernahmen, Fusionen und Auflösungen kommen. Bei den Auslandsbanken ortet Collardi auch deshalb Bewegung, weil «der Rückzug von einer Konzernzentrale in New York oder London aus einfacher beschlossen ist, als wenn die Bank ihren Hauptsitz in der Schweiz hat».

«Institute suchen den Exit»

Laut Philipp Arnet von E & Y liegt Collardi mit dieser Vermutung nicht ganz falsch. «Mehrere Institute suchen den Exit», sagt er. «Es sind einige Deals in der Pipeline.» Dem Finanzexperten zufolge haben die Bussen aus den USA bei Auslandsbanken eine Neubeurteilung ausgelöst. «Manches Mutterhaus sagt sich, dass die Private-Banking-Tochter in der Schweiz insgesamt sehr viel Aufwand bedeutet hat.» Zudem bestehe gerade bei europäischen Banken wegen der Stresstests der EZB Kapitalbedarf.

Arnet hält drastische Veränderungen für möglich. «Wenn pro Jahr fünf bis zehn Marktteilnehmer die Segel streichen, ist nach fünf Jahren beinahe ein Drittel der Privatbanken von der Bild­fläche verschwunden.»

Dass ausländische Vermögensverwalter der Schweiz den Rücken kehren, ist nicht ganz neu. Schon 2009 wurde die Schweiz-Tochter der ING an Julius Bär verkauft. 2011 verleibte sich UBP das hiesige Geschäft von ABN Amro ein. UBP übernahm im Mai 2013 auch die internationale Vermögensverwaltung der britischen Lloyds. Die Zahl der Auslandsbanken ist seit der Finanzkrise von rund 150 auf 120 geschrumpft, Neuzulassungen gabe es in dieser Zeit nicht.

Nun zeigt sich, nach welchem Muster künftige Deals ablaufen dürften. Ähnlich wie Julius Bär bedingte sich auch die brasilianische BTG Pactual vergangene Woche beim Kauf der BSI von der Verkäuferin Generali aus, dass die anfallende Busse übernommen wird. BSI nimmt in der Kategorie 2 am US-Programm teil.

In derselben Kategorie ist Coutts, die Privatbankentochter der Royal Bank of Scotland, mit Filialen in Genf und Zürich. Ihr werden Verkaufsgelüste nachgesagt, als mögliche Käuferin gilt Safra-Sarasin. In der Kategorie 1 sind Hapoalim und Mizrahi, zwei israelische Institute. Im Visier der USA zu stehen, galt bisher als Barriere. Der Verkauf von Leumi bricht mit dieser Regel.

Wie E-&-Y-Experte Philipp Arnet sagt, seien Verkäufe auch bei Banken der ­Kategorie 3 ein Thema. Statt der drohenden Busse würde dort mit der fallenden Profitabilität gerungen. Philipp Rickert von KPMG hält die Lage bei kleineren Instituten für kritisch. «Skaleneffekte werden im Private Banking immer wichtiger», sagt er. Ein zweistelliger Milliardenbetrag an verwalteten Vermögen sei das Minimum, es sei denn, eine Bank ­arbeite sehr effizient und fokussiert.

Beide Unternehmensberater berichten von einem Markt für Banken, der in den letzten Jahren auf den Kopf gestellt wurde. «Die Preise sind gefallen», sagt KPMG-Mann Rickert, «aus einem Verkäufermarkt ist ein Käufermarkt geworden.» Zu den Profiteuren der Entwicklung würden die grossen, international tätigen Institute aus der Schweiz gehören. «Für sie sind Zukäufe attraktiv.» Auch Philipp Arnet von E & Y bezeichnet die Entwicklung als «Chance für Schweizerische Privatbanken».

In Lauerstellung verharrt Boris Collardi. «Wir sind für weitere Akquisitionen bereit, falls ein gutes Projekt an uns herangetragen wird», sagt er. «Derzeit halten wir aber nicht aktiv Ausschau.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.07.2014, 06:55 Uhr)

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Ein besser als erwartet ausgefallenes Halbjahresergebnis hat den Aktien von Julius Bär Auftrieb gegeben. Die Papiere legten im gestrigen Handel um 8,3 Prozent zu.

Die Bank Bär steigerte die verwalteten Vermögen seit Ende 2013 um 8 Prozent auf 274 Milliarden Franken. Der Gewinn kletterte um 10 Prozent auf 288 Millionen Franken. Analysten hatten durchschnittlich mit einem Gewinn von 265 Millionen Franken und verwalteten Vermögen von 265 Milliarden Franken gerechnet. In Analystenkommentaren fanden die erzielten Fortschritte im Kostenmanagement positive Erwähnung.

Im Steuerstreit mit den USA sieht sich Julius Bär auf der Zielgeraden. Die Gespräche mit den US-Behörden liefen weiter, sagte Konzernchef Boris Collardi gestern. Er gehe davon aus, dass Bär eine faire Lösung finden werde. «Es handelt sich um einige Monate und nicht um Jahre wie in der Vergangenheit.» Die Integration der zugekauften Merrill-Lynch-Einheiten befinde sich in der Schlussphase. (SDA/ssc)

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