Wirtschaft
Wie die verschwiegene Familie Haefner die Krise nutzt
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 08.11.2009
Hat in der Schweiz ein Auto-Imperium aufgebaut: Walter Haefner. (Bild: Keystone)
Die Amag-Gruppe
Die 1945 von Walter Haefner gegründete Amag-Gruppe beschäftigt 4500 Mitarbeitende und erzielte 2008 rund 4,2 Milliarden Franken Umsatz. Amag verkauft, verleast und wartet in der Schweiz die Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche und VW Nutzfahrzeuge. Im letzten Jahr wurden über 70 000 Fahrzeuge verkauft. Amag wird in zweiter Generation von Martin Haefner präsidiert. Die Gruppe hat gut 23 Prozent Marktanteil und ist mit 78 Filialen, mit über 1000 Händlern sowie Servicepartnern der Branchenleader im Schweizer Autogeschäft. (afl)
Die verschwiegene Familie Haefner gewährt nicht gern Einblick in ihre Amag-Gruppe. Umso mehr liess diese Woche eine Meldung der «Handelszeitung» aufhorchen: Die Credit Suisse habe der Amag einen Kredit von zwei Milliarden Franken gewährt.
Wozu braucht eine Amag zwei Milliarden? Sofort machten in der Branche Gerüchte die Runde, die Familie könnte sich mit der kostspieligen Modernisierung ihres Gebäudeparks übernommen haben. Danach sieht es indes gar nicht aus. Nein, das Unternehmen sei für die Finanzierung mehrerer laufender Grossprojekte nicht auf Kredite angewiesen, betont Dino Graf, Sprecher der Amag-Gruppe, auf Anfrage.
Vorteil Familienunternehmen
Ein Familienunternehmen zu sein hat auch Vorteile, speziell in der grössten Krise seit Jahrzehnten, die den Autoabsatz in der Schweiz um zehn Prozent einbrechen liess. Während Manager börsenkotierter Firmen unter grossem Druck stehen, Projekte zu sistieren und Investitionen zusammenzustreichen, um die Aktionäre bei Laune zu halten, kann ein privat gehaltenes Unternehmen wie die Amag eher ungestört seine Pläne umsetzen. Umso mehr, als die Besitzerfamilie mehrere Milliarden Franken Vermögen hat. Familie Haefner plane sehr langfristig, darum seien auch in der jetzigen Rezession die nötigen Mittel vorhanden, sagt Graf: «Alle laufenden und anstehenden Investitionen in unsere Liegenschaften und Bauprojekte werden wie bisher ausschliesslich aus Eigenmitteln finanziert.»
Und das ist nicht wenig. Amag realisiert derzeit mehrere Grossbauten für zusammen rund 300 Millionen Franken. «Die Investitionen bewegen sich in dieser Grössenordnung», bestätigt Sprecher Graf. Der Grund für dieses kleine Konjunkturprogramm ist, dass etwa alle 20 Jahre der Gebäudepark erneuert und der optische Auftritt mitsamt Schauräumen modernisiert werden muss.
Amag baut in Dübendorf den grössten Garagenbetrieb der Schweiz, weil der alte Standort in Zürich-Schwamendingen zu beengt wurde. Der neue Gebäudekomplex mit Garage, verglasten Schauräumen sowie 580 Park- und Lagerplätzen ist ein Hektar gross. Er wird nach dem Umzug 200 Mitarbeiter haben, davon 30 Lehrlinge. Die Gesamtbausumme beträgt 110 Millionen Franken. Im Luzernischen entsteht auf einem noch grösseren Grundstück ein neues Regionalzentrum. In Schlieren, vor den Toren Zürichs, will die Amag eines der grössten Porsche-Zentren Europas errichten. Neue Verkaufsräume gibt es auch in Schaffhausen und Frauenfeld. Weil Audi boomt, entstehen nach Genf bis 2010 in Bern, Kreuzlingen und Zürich neue Showrooms für die Marke.
Banken geben gern Kredit
Wenn nicht für Bauten, wofür nimmt Amag Kredit auf? 2003 war die Autofirma mit einer Finanztochter von General Electric im Leasinggeschäft eine Partnerschaft eingegangen. Später hat Amag sich anders entschieden und «betreibt das Geschäft seit 2008 wieder eigenständig». Seither versorgt Amag sich mit Geld am Kapitalmarkt, sagt Sprecher Graf. Die Geschäfte laufen so gut, dass Amag «weiteres Geld auf dem Kapitalmarkt» sucht. Ob man wirklich zwei Milliarden aufnimmt? «Die genannte Summe ist reine Spekulation», sagt Graf.
Ein intimer Kenner des Schweizer Leasingmarktes sagt, «ein vierstelliger Millionenbetrag würde mich nicht erstaunen, wenn Amag für ihr Leasinggeschäft einen Kreditrahmen für eine mehrjährige Refinanzierung sucht». Just darauf deutet einiges hin. Die Gelegenheit, die weiterhin tiefen Zinsen für längere Zeit zu sichern, ist günstig. Zumal die Besitzerfamilie die Liegenschaften der Amag nicht mit Hypotheken belastet und die Firmengruppe kaum Schulden habe, heisst es in Bankkreisen. Solchen Unternehmen geben die Banken, die derzeit in Liquidität schwimmen, gern Kredit.
Ein «Krisengewinner»
Amag will offenbar auch absehbaren Engpässen bei der Refinanzierung vorbeugen, wenn der Aufschwung kommt. Selbst im Rezessionsjahr 2009 ist die Nachfrage nach den von ihr betriebenen Marken der VW-Gruppe gut, oder jedenfalls besser als bei vielen Konkurrenten. Audi legt dieses Jahr über drei Prozent zu, VW, Seat und Skoda haben nur kleinere, einstellige Einbrüche. Selbst bei Porsche mit einem Rückschlag beim Neuwagenverkauf von 28 Prozent im laufenden Jahr dürfte die Amag davon profitieren, dass die Sportwagenfirma in die VW-Gruppe integriert wird. Auch wenn Graf das Wort nicht gern in den Mund nimmt: «Ja, man kann sagen, dass wir ein Krisengewinner sind.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.11.2009, 12:32 Uhr
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