Wie dynamisch die Preise in der Schweiz wirklich sind

Häufig wechselnde Preise bei Onlineshops sind ein Ärgernis. Doch nicht überall fallen die Schwankungen gleich stark aus.

Die Preise in einem Onlineshop können stündlich variieren: In der Schweiz ist das Phänomen aber wenig verbreitet.

Die Preise in einem Onlineshop können stündlich variieren: In der Schweiz ist das Phänomen aber wenig verbreitet. Bild: Thomas White/Reuters

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Es ist ein Ärgernis für viele Kunden. Bei Fluggesellschaften bewegen sich die Preise stark. Steigt die Nachfrage, werden die Tickets teurer, nur um dann wieder günstiger zu werden, wenn die Airline merkt, dass sie kurz vor Abflug noch freie Plätze hat. Dynamic Pricing heisst das Phänomen. Es ist auch im Onlinehandel verbreitet. Grosse Anbieter wie Amazon passen den Preis beinahe stündlich an.

Doch der Preis hängt nicht nur von der Nachfrage ab. Auch andere Faktoren können eine Rolle spielen. Produkte sind teurer für einen Kunden, der mit einem Apple-Smartphone shoppt, und günstiger für einen Konsumenten, der mit einem Android-Handy zum Shop surft. Auch das Wetter oder die Uhrzeit können einen Einfluss auf den Preis eines Produkts haben.

Der Verdacht liegt also eigentlich nahe, dass dies bei Schweizer Händlern auch so ist. Doch scheint das Phänomen hierzulande kaum verbreitet zu sein. Diesen Schluss lässt eine Untersuchung der Stiftung für Konsumentenschutz zu. Sie hat im Juni bei vier Händlern die Preise von zehn Produkten über 15 Tage hinweg erfasst.

Nicht alle Händler passen die Preise an

Das Ergebnis ist aufschlussreich. Digitec und Microspot wechseln die Preise bei einigen Produkten häufig, sagt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Das Phänomen liess sich etwa beim Videospiel Fifa 17 oder bei einem Drucker von HP beobachten.

Besonders stark schwankte etwa der Preis des Fitness-Trackers Fitbit. Er kostete bei Digitec meistens 119 Franken. Doch zwischenzeitlich schnellte der Preis auf 180 Franken hoch. Das ist aber eine Ausnahme. Die Schwankungen bleiben meist in einer relativ engen Preisspanne. Vergleichsweise wenig Preisänderungen gab es bei Media-Markt und Brack.

Laut Microspot und Digitec sind die Preisunterschiede eine Folge davon, dass sie das Produkt von einem teureren Lieferanten beziehen müssen, wenn es bei einem günstigeren Anbieter nicht mehr verfügbar ist. Von Brack heisst es, man verstehe sich nicht als Discounter, daher sei es nicht notwendig, die Preise beständig der Konkurrenz anzupassen.

Der Konkurrenzdruck ist gross

Thomas Lang, Inhaber des E-Commerce-Beratungsunternehmens Carpathia, erklärt sich die robusten Preise dadurch, dass die Preise gerade für Elektronik in der Schweiz im internationalen Vergleich sehr konkurrenzfähig sind. Das bedeute, dass für die Händler oft kaum noch Spielraum bestehe, den man an die Kunden weitergeben könne.

Ganz undynamisch seien die Preise aber auch in der Schweiz nicht. «Die Preise bei den Bestsellern sind meistens weniger starken Schwankungen unterworfen, da dort ein grosser Konkurrenzkampf herrscht», so Lang. Bei Produkten, die eher seltener verkauft würden, und beim Zubehör seien öfter dynamische Preise zu beobachten. Hier sind oft auch die Margen höher.

Hitzewelle lässt Preise für Ventilatoren steigen

Die Preisschwankungen basierten oft auf mehreren Faktoren, erklärt Lang. So würden die Preise der Konkurrenz oft automatisch überwacht. Zudem spiele das Lieferantenverhalten eine grosse Rolle, da diese manchmal ein Produkt knapphalten. Teilweise würden Kunden bei einzelnen Shops andere Preise angezeigt, wenn sie via Google auf der Webseite landen oder wenn sie diese direkt aufrufen. Auch könne das Wetter eine Rolle spielen. Eine Hitzewelle könne etwa für Preissteigerungen bei den Ventilatoren sorgen, so Lang.

Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz empfiehlt den Kunden, die Plattformen zu vergleichen. Bei den dynamischen Händlern solle man rascher zugreifen, wenn man den Preis als fair erachtet, bei den weniger flexiblen Händlern könne man in der Regel mit der Bestellung länger zuwarten. Ausländische Anbieter hat die SKS nicht untersucht. Dies, da beispielsweise Amazon viele Produkte nicht in die Schweiz liefert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.07.2017, 14:51 Uhr

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