Wirtschaft

«Wie eine Terroristin»

10'000 Dollar einer Schweizerin wurden in den USA eingefroren – nur weil sie damit in China Parkett kaufen wollte, das den Namen Burma Walnut trägt.

Der Begriff Burma ist im internationalen Zahlungsverkehr heikel. Das musste auch die Winterthurer Unternehmerin Monika Schulthess (Name geändert) in den letzten Wochen erfahren. Sie verlor deswegen beinahe einen Container voller Walnussparkett. Nicht etwa, weil sie Geld nach Burma überweisen wollte, wie im Fall der 500 Dollar, welche die Raiffeisen beinahe ins Verderben stürzte. Vielmehr, weil sie Holz mit der Bezeichnung «Burma Walnut» in China bestellt hatte. Es handelt sich dabei um eine allgemein gebräuchliche Bezeichnung.

Gefunden hatte die Unternehmerin das «gute Angebot», wie sie sagt, im Internet. Zwar trägt das Parkett die Bezeichnung Burma, doch stammt das Holz aus südchinesischen Wäldern, was sie mit Ursprungszertifikat belegt. Mit dem Händler in Hongkong war sie schnell einig: Rund 33'000 Dollar sollte der Container mit hochwertigem Parkett kosten. Ein Drittel bezahlte sie sofort, das zweite sollte bei der Verschiffung folgen, das dritte bei Ankunft der Ware in Winterthur.

Blockade in den USA

Die erste Überweisung Mitte Mai ging noch glatt durch. Der Händler schickte das Holz auf die Reise um den Globus, wartete aber vergebens auf die Ankunft der zweiten Rate, die Schulthess am 25. Juni ausgelöst hatte. «Nach einigen Tagen wurde er nervös und drohte, die Ware zurückzunehmen», erzählt die Frau. Die Erkundigungen bei ihrer Bank, der Zürcher Kantonalbank, ergaben vorerst nichts Konkretes. Erst am 14. Juli erhielt die ZKB von der Swift, der internationalen Drehscheibe für Zahlungsverkehr, Bescheid: Die Zahlung sei blockiert, weil Verdacht auf Verletzung des Embargos gegenüber Burma bestehe. Die Überweisung sei möglicherweise ein Fall für das US-Finanzdepartement, genauer, für das Office of Foreign Assets Control (OFAC), das zuständig ist für Wirtschafts- und Handelssanktionen gegenüber ausgewählten Ländern, wie beispielsweise Burma.

Schulthess hatte Angst, sowohl das Geld als auch das Holz nie mehr zu sehen. Auf Anregung ihres Bankberaters löste sie eine zweite Zahlung aus – in Hongkong-Dollar, ohne Bezeichnung des Holztyps. 24 Stunden später war das Geld beim Händler und wenige Tage darauf das Holz bei ihr. Auch die dritte Zahlung verlief reibungslos. Am 23. Juli endlich, erhielt sie die während eines Monats blockierten 10'000 Dollar zurück – abzüglich Bankspesen und mit Währungsverlust von 23.40 Franken.

Empörung über die USA

Es ist nicht dieser kleine Verlust, und es sind auch nicht die Umtriebe, die Schulthess zu schaffen machen. Sie versteht nicht, warum die USA überhaupt Zugriff auf ihr Geld hatten, das ja von der Schweiz nach Hongkong überwiesen wurde. Und sie ist empört, wie die Amerikaner mit ihr und ihrem Geld umgingen. «Ich fühlte mich wie eine Terroristin behandelt.» In die USA werde sie in nächster Zeit nicht mehr reisen – aus Protest und auch weil sie befürchtet, in irgendeinem zentralen Register verzeichnet zu sein.

Diese Angst ist unbegründet. Denn laut Auskunft der ZKB wurde ihr Geld nicht von einer US-Behörde eingefroren, sondern von der US-Korrespondenzbank Citibank. Diese habe im Rahmen einer Routineüberprüfung Verdacht auf einen möglichen Verstoss gegen Embargorichtlinien festgestellt, weil das Wort Burma im Betreff vermerkt war.

«Nur selten Sperrungen»

Alle internationalen Zahlungen müssten automatisch den sogenannten Sanktionsfilter passieren, sagt ZKB-Sprecher Mario Wider. Der Filter umfasse sowohl Uno-Sanktionen als auch spezifische Ländersanktionen. Im Falle Schulthess kamen die US-Sanktionen zum Tragen, obwohl die Überweisung die USA nicht betraf. Die Zahlung wurde jedoch über die USA abgewickelt. Laut ZKB gehören solche Abklärungen zum täglichen Geschäft der Banken, «selten aber sind solche Fälle mit Sperren verbunden». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2009, 19:13 Uhr

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2 Kommentare

Hans Saurenmann

28.08.2009, 09:31 Uhr
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Ja, Ja, Frau Schulthess, das ist die Kehrseite der Medallie, wieso haben Sie nicht die "ach so geschmaehte UBS" verwendet!!! oder CS. Internationale Geschaefte macht Frau oder Mann mit Internationalen Banken und nicht lokalen wie die ZKB oder die Reiffeisen Koenige, geschweige eine Privat Bank. Antworten


peter ess

28.08.2009, 08:47 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die 'elektronische' Ueberwachung gruesst .... und ... ist leider nicht ersetzbar. Den 'Tolggen' auszuradieren ist schwierig. Sie koennen sich vorstellen, wie die elektronisiche Ueberwachung geradewegs aufschreit, wenn in der Tuerkei mit der Amex ein Teppich gekauft wird v Haendler 'Iran Merchandise'. Antworten



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