Wie man Währungen manipuliert

Devisenkurse gezielt zu beeinflussen ist angesichts der Grösse dieses Marktes nicht einfach. Ist aber eine Richtgrösse wie der Libor im Spiel, wird es möglich. Die Betrogenen sind die Grosskunden der Banken.

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Währungskurse zu manipulieren, ist gewöhnlich schwer. Dafür ist der Markt viel zu gross. Laut der neusten Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beläuft sich der Tagesumsatz im Währungsmarkt auf 5'345 Milliarden Dollar. Lässt man Währungsinstrumente wie Swaps oder Optionen unberücksichtigt, beläuft sich der Umsatz noch immer 2'000 Milliarden täglich.

Die Manipulationen, um die es bei der eingeleiteten Untersuchung durch die Finma geht, betreffen einen Richtwert für Währungskurse, wie der Libor einen für die Zinssätze in verschiedenen Währungen und Laufzeiten darstellt. In diesem Fall haben schon verschiedene Grossbanken - unter anderem auch die UBS – bereits für Manipulationen durch ihre Händler insgesamt 1,5 Milliarden an Strafgeldern bezahlt. Im Fall des Libors ist es den Händlern gelungen, die Daten vorab zu manipulieren, aus denen schliesslich dieser Richtwert ermittelt wird und aus diesem Vorwissen Profit zu schlagen.

Grundlage für die Bewertung vieler Finanzanlagen

Der Richtwert, um den es sich beim Devisenhandel dreht, heisst WM/Reuters. Er wird von World Markets – einer Tochtergesellschaft von State Street - und dem Datenanbieter Reuters gemeinsam ermittelt und für die meisten Währungen stündlich veröffentlicht. Die so ermittelten Kurse sind Grundlage für die laufende Bewertung einer grossen Zahl von Finanzanlagen, besonders aber für Indexfonds, die Aktienanlagen mehrerer Länder enthalten.

Manager solcher Fonds und Unternehmen geben bei den Banken je nach ihrem Bedarf Kaufs- oder Verkaufsaufträge zu WM-Reuters-Richtkursen einer bestimmten Stunde ein. Die grösste Bedeutung hat allerdings der Richtkurs um 16 Uhr, hier werden die grössten Volumen gehandelt, was den Banken eine geringere Möglichkeit geben sollte, gegen ihre Kunden zu handeln.

Doch genau das scheinen diese getan zu haben. Wenn der Händler einer Bank zum Beispiel um 15.30 Uhr einen Auftrag zum Verkauf von 1 Milliarde Euro gegen Franken zum WM-Reuters-Richtkurs von 16 Uhr erhält, kann er vorab mit grossen Summen selbst Franken gegen Euro verkaufen. Dadurch sinkt aber der Wert des Euro. So drückt der Händler den WM-Reuters-Richtkurs, der aus dem Durchschnitt der gehandelten Währungskurse im Vorfeld von dessen Veröffentlichung errechnet wird.

Teuer verkaufen, billig zurückkaufen

Zu diesem Zeitpunkt führt dann unser Händler den Verkaufsauftrag des Kunden aus und kauft ihm die Milliarde Euro zu einem tieferen Europreis ab, als zu jenem Kurs, zu dem er selbst Euros im Vorfeld verkauft hat. Die Differenz streicht er als Gewinn ein. Der lackierte ist der Kunde, der ohne das Manöver des Händlers die Euro zu einem höheren Preis hätte verkaufen können.

Die Währungsänderungen finden im Hundertstelbereich statt, sie fallen daher nicht besonders auf und sie korrigieren sich auch rasch wieder. Gewinne werden hier vor allem mit sehr hohen Einsätzen erziehlt. Angenommen unser Händler im Beispiel von vorhin hätte mit seinem Milliardeneinsatz eine Differenz von bloss 0,01 Prozent zwischen dem Verkauf der Euro gegen Franken und ihrem Rückkauf eingestrichen, sind das noch immer 100'000 Franken Gewinn.

Diese Art der Marktmanipulation geht aber nicht nur auf Kosten der Kunden, sondern sie gefährdet auch die Bank des Händlers. Er muss immer befürchten, dass in diesem Markt mit seinen riesigen gehandelten Summen ein Händler Käufe oder Verkäufe tätigt, die seine Spekulation gefährlich werden lassen. In unserem Beispiel könnte der Preis des Euro durch Käufe von anderen auch steigen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.10.2013, 19:35 Uhr)

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