Wirtschaft

Winterthur lockt die Banken an

Zwei Banken und ein internationales Maschinenbaukonsortium wollen sich demnächst in Winterthur ansiedeln, die Verhandlungen dazu laufen. Der «kleine Bruder von Zürich» holt auf.

Die Wirtschaftsregion Winterthur boomt: Luftaufnahme des Bahnofs von Winterthur.

Die Wirtschaftsregion Winterthur boomt: Luftaufnahme des Bahnofs von Winterthur.
Bild: Keystone

Club of Rome

Der Club of Rome wollte 2008 von Hamburg nach Zürich ziehen. Der Think Tank wollte sich vertieft mit Wirtschafts- und Finanzfragen beschäftigen. Dazu wählte man den Banken- und Finanzplatz Nummer eins aus. Doch ein Referendum und zu hohe Büromieten haben den Zuzug verhindert. Die Stadt Winterthur und die Stiftung der Immobilienfirma Heuberger haben den Think Tank schliesslich gesponsert.

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Die Stadt Winterthur befindet sich in Verhandlungen mit einem internationalen Maschinenbaukonsortium, wie Tagesanzeiger.ch/Newsnet erfuhr. Und im Bankensektor wird derzeit mit einer ausländischen und einer inländischen Bank über Niederlassungen in Winterthur verhandelt. Die Schweizer Privatbank Wegelin hat erst vor wenigen Tagen kundgetan, über eine eigene Niederlassung mit der Regionalbank Linth in der Region zusammenzuspannen. «Je mehr internationale Firmen sich ansiedeln, desto mehr Banken ziehen nach», folgert des Sprecher des in Winterthur ansässigen Club of Rome, Alexander Stefes (siehe Infobox). Man könne bereits von einem Trend sprechen. «Winterthur wächst bevölkerungsmässig und auch wirtschaftlich.»

Banken siedeln sich an

Mit der steigenden Bevölkerungszahl steigt auch die Zahl der Privatbanken. Im Zuge der Umstrukturierungen in der Bankenwelt müssen die Privatbanken auch in den umliegenden Grossstadtregionen vertreten sein, sagen Marktbeobachter. «Dort gibt es einige vermögende Leute, um die die Privatbanken buhlen», sagt Heinrich Schifferle, Geschäftsführer der Winterthurer Immobilienfirma Siska Heuberger. Der Vorteil für die Banken, wenn die Bevölkerung so stark wächst: «Die Banken müssen sich nicht einmal besonders anstrengen, um Marktanteile hinzuzugewinnen», sagt Michael Domeisen von der Standortförderung Winterthur.

Wegelin begründet den Schritt nach Winterthur mit den folgenden Worten: «Bei der Eröffnung einer Niederlassung steht für uns ein wirtschaftlich attraktiver Standort mit einem eigenständigen Beziehungsnetz im Vordergrund.» Dass Winterthur im Vergleich zu Zürich nicht unbedingt als internationaler Finanzplatz bekannt ist, stört Filialleiter Daniel Zürcher nicht: «Bei der Standortwahl ist zweitrangig, ob die Region zu den etablierten Finanzplätzen zählt.»

Mieten günstiger als in Zürich

Büroflächen in Zürich sind im Schnitt um 30 Prozent teurer als in Winterthur, bestätigt Domeisen. Das führt zu steigenden Banken- und Betriebsansiedlungen in der Agglomeration. «Zürich ist an der Grenze seiner wirtschaftlichen Ausdehnungskapazität angelangt», sagt Schifferle.

Die aufkeimende Kantonsstadt Winterthur wird offenbar ein immer beliebteres Ziel für Firmen rund um den Zürcher Finanzplatz. Von 2009 auf 2010 ist die Zahl der Betriebe um zirka zehn Prozent auf 3500 gestiegen. Ein Trend, der laut Winterthurer Stadtverwaltung seit mehreren Jahren anhält. Auch die Einwohnerzahl ist stark gestiegen. Im Jahr 2011 sind 1800 Personen zugezogen. Mit Stand Ende 2011 wohnen rund 105'000 Steuerzahler in Winterthur. Das spült beachtliche Summen in die Gemeindekassen. Das Steueraufkommen 2011 liegt bei rund 340 Millionen Franken, davon zahlen Firmen mehr als 70 Millionen. Das Gros zahlt die örtliche Bevölkerung: Fast 80 Prozent zahlen rund 270 Millionen Franken.

Dorado für Firmengründer

Die Stadtverwaltung jubelt über den Firmenzuzug. «Die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts hat dazu beigetragen», sagt Stadträtin Verena Gick. Zahlreiche gut ausgebildete Leute stünden den Unternehmen zur Verfügung, die sich in Winterthur ansiedeln wollen. Winterthur sei ein geeigneter Ort für Firmengründer. Auch bestehende Firmen, vor allem im Technologiebereich, profitierten von der Nähe zur Universität. «Die Zürcher Fachhochschule ZHAW, die zum grössten Teil in Winterthur domiziliert, ist mit mehreren Tausend Studenten ein wichtiger Faktor für die positive Entwicklung.»

«Winterthur hat einen sehr interessanten Wandel vollzogen, und zwar vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort», sagt Club-of-Rome-Sprecher Stefes. Die Stadt ist laut Stefes überschaubar, bietet viel Lebensqualität und ist bodenständig mit der Region verwurzelt. «Unter den angesiedelten Firmen gibt es vermehrt Synergieeffekte. Zürich hingegen ist viel anonymer.»

Zudem liegt Winterthur nur zwölf Bahnminuten von Zürich entfernt und nah zum Flughafen. Ausserdem können günstigere Wohnungsmieten für die Betriebsansiedlung entscheidend sein: «Weil rekrutierte Mitarbeiter die Mieten auch bezahlen können», sagt Heuberger-Chef Schifferle. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2012, 19:49 Uhr

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16 Kommentare

Thomas Sidler

23.01.2012, 11:58 Uhr
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Das ist ein alter Zopf. Ich kann mich erinnern dass sich schon vor bald 100 Jahren ein Bankrat der Zürcher Kantonalbank dazu veranlasst sah dem Niederlassungsleiter der ZKB Winterthur darauf aufmerksam zu machen dass der Hauptsitz denn in Zürich sei und nicht in Winterthur. Kein See, kein anständiger Hausberg, keine Uni keine U-Bahn....schon Traurig Provinz zu sein! Antworten


Markus Müller

21.01.2012, 17:46 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Alles Gold was glänzt? Es scheint so, dass der Stadtrat alles unternimmt, um neue Firmen anzusiedeln. Wäre schön, wenn die Stadt nur einen Teil dieses Effort für die Infrastruktur für unsere Kinder aufbringen würde. Winterthur platzt aus allen Nähten, was dazu führt, dass die Kinder in Provisorien (Pavillons) unterrichtet werden und temporären Turnhallen benutzen müssen. Keine Besserung in Sicht! Antworten


Anton Schneider

21.01.2012, 12:17 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Ja - und die Zürcher Stadtregierung unternimmt alles, um das Gedeihenjedes wertschöpfenden Unternehmens mit Auflagen, Einschränkungen, Verzögerungen, Nutzungseinschränkungen zu behindern. In Zürich bedienen sich immer mehr am Topf statt diesen zu füllen... Das ist zwar alles demokratisch legitimiert, aber wenn die Quellen einst versiegen... was nützt es der Mehrheit! Schade Zürich - Bravo Winti Antworten


Rene Wetter

22.01.2012, 23:40 Uhr
Melden

Ja A.Schneider, überall wos keine SVP in der Regierung hat ists schlecht. Vielleicht geht die nicht Steuern zahlende FIFA auch nach Winti


Peter Rettinghausen

21.01.2012, 11:05 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Ist Winterthur nicht eher die kleine Schwester? Antworten


Eugen Fischer

21.01.2012, 10:29 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Ich persönlich finde es gut, wenn Winterthur sich der Aufgaben bewusst wird, denn die Stadt Zürich entwickelt sich immer mehr zu einer Schlafstadt ohne entsprechende Aussichteen und Perspektiven. Die Staadt Zürich ist doch zu sehr regulativ verseucht und durch drungen. Antworten


Adam Schmid

21.01.2012, 09:23 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Winterhur bietet beispielsweise einen Steuerfuss von 122 %. Antworten


Lukas Aeschbacher

21.01.2012, 07:31 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Ist ja auch sinnvoll, wenn mehr Firmen in Winti (und auch im Limmattal) angesiedelt sind. Dadurch müssen weniger Menschen per S- und Autobahn auf diesen Hauptachsen pendeln. Antworten


Beat Heim

20.01.2012, 22:09 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Winterthur bietet den Unternehmungen wirklich ein attrakives Umfeld. Viele Kunden und Unternehmer meiden wenn immer möglich Zürich, da die Behörden sehr unternehmerkritisch eingestellt sind und selbst die Zu- und Abfahrt von Zürich mehr als behindert wird.
Schade aber ich ziehe Winterthur ebenfalls der Stadt Zürich vor.
Antworten


Niklaus Zumthür

20.01.2012, 21:33 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Von wegen 12 Bahnminuten. Eine Bahnfahrt von Zürich nach Winterthur oder umgekehrt dauert mindestens 19 Minuten. Und das war schon vor 40 Jahren so. Antworten


Matthias Schweitzer

23.01.2012, 22:07 Uhr
Melden

12-15 Bahnminuten sind es vom Flughafen nach Winterthur; nach Zürich hingegen wie Herr Zumthür schreibt mind. 19 Minuten, wobei es vor 40 Jahren wohl länger war, weil es noch keine Stadelhofen-Tunnelvariante gab. Winterthur ist aber sicher eine gute Variante zu teuren Lagen in Zürich.


Max Wartenberg

20.01.2012, 20:45 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Erstaunlich, dass Der Club of Rome noch lebt. Laut seinen Projektionen in den 60er Jahren sollte heute das Erdöl schon längst versiegt sein und andere Rohstoffe absolute Mangelware..... Think Tanks sind offensichtlich äusserst anpassungsfähig und werden sich somit auch an das Klima in Winterthur gewöhnen. Antworten


Markus Weller

20.01.2012, 20:32 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Wenn man sich diesen Bericht durchliest, wundert es nicht, dass die Schweiz im Ausland nur noch auf Banken reduziert wird. Antworten


Anthony Spälti

20.01.2012, 20:05 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Winterthur hat in der Tat sehr viel zu bieten - und es wäre schön, wenn endlich nach dem Zerfall der «Winterthur» wieder frischer Wind in die Stadt käme! Antworten


Marlise Dalzotto

23.01.2012, 11:13 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ihre Meinung teile ich voll und ganz, obwohl ich nicht mehr in Winterthur wohnhaft bin.


Simona Troxler

20.01.2012, 19:56 Uhr
Melden 11 Empfehlung

"Der Club of Rome wollte 2008 von Hamburg nach Zürich ziehen. Der Think Tank wollte sich vertieft mit Wirtschafts- und Finanzfragen beschäftigen. Dazu wählte man den Banken- und Finanzplatz Nummer eins aus." Zürich ist überhaupt nicht Finanzplatz Nummer 1. Rangfolge: New York, London, Singapur, ... Zürich war lange Zeit nach London Nummer 3, hat aber in der Vergangenheit einige Plätze verloren. Antworten



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