Wirtschaft

«Wir müssen das ein für alle Mal regeln»

Aktualisiert am 15.07.2012 95 Kommentare

Die Spekulationen, dass sich Nordrhein-Westfalen neue CDs mit Daten von Steuersündern beschafft haben könnte, schrecken Schweizer Politiker auf. Das Steuerabkommen mit Deutschland sei nun nötiger denn je.

Hat kein Verständnis für das Verhalten der deutschen Behörden: FDP-Präsident Philipp Müller an einem Parteitreffen in Bern. (April 2012)

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Chronologie: Steuerstreit mit Deutschland

Chronologie: Steuerstreit mit Deutschland
Ein Steuerabkommen soll den Streit um deutsches Schwarzgeld endlich beenden. Doch die politischen Ränkespiele gehen weiter.

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Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) habe für 3,5 Millionen Euro eine CD mit Daten von etwa 1000 vermögenden deutschen Kunden der Privatbank Coutts gekauft, berichteten verschiedene Medien. «Spiegel online» ging noch einen Schritt weiter und schrieb, in Deutschland werde derzeit geprüft, noch zwei weitere Datenpakete zu kaufen.

Von offizieller Seite wurden die Datenkäufe zwar nicht bestätigt. Doch in der Schweizer Wirtschaft macht sich dennoch Unbehagen breit. So verlangt die Bankiervereinigung, dass weitere Ankäufe von Steuerdaten-CDs sofort unterbunden werden, wie die «SonntagsZeitung» berichtet – «sie sind illegal», sagt Sprecher Thomas Sutter laut dem Bericht.

Abkommen in Deutschland unter Beschuss

In Deutschland gerät durch den Kauf der Steuerdaten das Steuerabkommen erneut unter Beschuss. «Das Abkommen verstösst gegen die Verfassung», sagte ein Rechtsanwalt einer Bonner Kanzlei der Zeitung «Welt am Sonntag» (Artikel online nicht verfügbar). Es fehle der Zwang mitzumachen. So könnten sich Steuerflüchtlinge dem Abkommen gänzlich entziehen, indem sie ihr Geld noch aus der Schweiz herausschaffen.

Zudem würden Fälle besonders schwerer Steuerhinterziehung privilegiert. «Für sie ist die anonyme Abgeltungsteuer günstiger als eine Selbstanzeige», sagte Randt. Der Experte bezeichnete diese Ungleichbehandlung als «Konstruktionsfehler» des Abkommens. Nachverhandlungen hält er aber nicht mehr für möglich. Dafür sei es zu spät.

Das umstrittene Abkommen sieht vor, dass in der Schweiz angelegtes Schwarzgeld legalisiert wird. Dafür ist eine pauschale Nachversteuerung vorgesehen. Die Steuerflüchtlinge bleiben anonym und können strafrechtlich nicht mehr belangt werden.

«Abkommen bringt die nötige Ruhe»

Eric Sarasin, Präsident der Handelskammer Deutschland Schweiz, hält den angeblichen Ankauf einer neuen Steuerdaten-CD für rein politisch motiviert. Damit verfolge der nordrhein-westfälische Finanzminister Walter-Borjans das Ziel, die Ratifizierung des Steuerabkommens in Deutschland zu torpedieren, sagte er der «SonntagsZeitung». «Dann wird man den automatischen Informationsaustausch durchdrücken wollen», glaubt Sarasin.

Auch unter Schweizer Politikern sorgt Walter-Borjans Vorgehen für Kopfschütteln. «Der neue Vorfall zeigt, dass wir mit dem Abgeltungsabkommen solche nicht deklarierten Vermögenswerte ein für alle Mal regeln müssen», sagt FDP-Präsident Philipp Müller gegenüber der «SonntagsZeitung». «Ich habe absolut kein Verständnis dafür, wenn sich ein Staat als Hehler betätigt. Das ist eines Rechtsstaates unwürdig», ergänzt CVP-Fraktionschef Urs Schwaller. Die Aussage, man kaufe solche Daten-CDs, animiere die Leute richtiggehend dazu, Datendiebstahl zu begehen. Dennoch ist Schwaller überzeugt, dass es das Steuerabkommen brauche. Ein solches Abkommen bringe die notwendige Ruhe, welche die Schweiz auch für die bilateralen Abkommen mit der EU und für das Flughafendossier benötige. (fko/mw/ergänzt mit Material der Nachrichtenagentur sda)

Erstellt: 15.07.2012, 07:58 Uhr

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95 Kommentare

Martin Lerch

15.07.2012, 02:34 Uhr
Melden 267 Empfehlung 0

Wir wollen nicht "Ruhe", sondern dass unsere Interessen geschützt werden. Wir brauchen eine Regierung, die im Ausland selbstbewusst auftritt und nicht immer und überall mit allen gut auskommen will. Wir brauchen im Inland Polizisten und Staatsanwaltschaften, die fähig sind, solche Fälle von Wirtschaftsspionage zu verfolgen, zu bestrafen und Exempel zu statuieren. Antworten


Bruno Froehlich

15.07.2012, 00:26 Uhr
Melden 188 Empfehlung 0

Wer die Sturmwarnung ueber Jahre nicht ernst nimmt, politisch die Verantwortlichen (im Schlamm watende Banker schuetzt) braucht sich nicht zu wundern und scheinheilig mit Entsetzen von Rechtsbruch reden. Die CH hat doch vorgemacht mit dem Datenverrat an die USA, eine Vorreiterrolle im, zugegeben, schmutzigen Spiel gespielt. Waere mit rechtzeitiger politischer Entschlossenheit zu verhindern gewesen Antworten



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