Wirtschaft
Wird Google bald eine Prognosemaschine?
Kaum ein Prognostiker hat die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise vorausgesehen. Wirtschaftsprognosen sind selbst in ruhigeren Zeiten ein haariges Unterfangen. Zum einen ist die Volkswirtschaft sehr komplex – vieles hängt mit vielem durch teilweise unsichtbare Kanäle zusammen. Zum anderen kennen die Wirtschaftsprognostiker im Gegensatz zu den Wetterfröschen nicht einmal die Gegenwart. Erste Schätzungen der Schweizer Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt) von 2007 zum Beispiel publizierten die Statistiker erst im August 2008 – und die Schätzung wurde im Juni 2009 noch revidiert.
Nützliche Hinweise in Echtzeit
Die Prognostiker können also jede Hilfe brauchen. Hilfe offeriert die Internet-Suchmaschine Google. Sie hat einen weltweiten Marktanteil von geschätzten 80 Prozent. Deren Statistiken über die Suchbegriffe könnten quasi in Echtzeit nützliche Hinweise über wirtschaftliche Schwankungen geben. Zwei Ökonomen des Instituts für Arbeitsmarktforschung in Bonn haben dies nun am Beispiel der Arbeitslosigkeit in Deutschland getestet. Als Basis verwendeten sie die Statistiken über Suchbegriffe wie «Arbeitsamt», «Arbeitsagentur», «Personalberater» sowie die Namen beliebter Internet-Plattformen für Stellensuchende – und dies über die Vierjahresperiode von 2005 bis 2009. «Eine interessante Idee»
Der Befund ist ermutigend: Die Forscher orteten eine «starke Korrelation» zwischen den Suchstatistiken von Google während des jeweils untersuchten Monats und den erst zu Monatsende publizierten offiziellen Arbeitslosendaten. Das Fazit: «Es gibt ein grosses Potenzial für die (Prognose-)Methode, die noch weiter untersucht werden muss.» Potenzial für Konjunkturprognosen ortet auch Google selbst. Laut dem in diesem Frühjahr publizierten Forschungsbericht von Google-Chefökonom Hal Varian und einem seiner Kollegen ist für die USA ein deutlicher statistischer Zusammenhang zwischen der Google-Suchwortstatistik und erst später publizierten volkswirtschaftlichen Daten wie Detailhandelsumsätze, Autoverkäufe, Hausverkäufe und Reisevolumen festzustellen.
Prognosen auch bei Grippeepidemien
«Eine interessante Idee», sagt Yngve Abrahamsen von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF), einem der bekanntesten Schweizer Prognoseinstitute. Zurzeit fliessen laut Abrahamsen noch keine Erkenntnisse aus der Google-Suchwortstatistik in die Schweizer Konjunkturprognosen der KOF ein. Falls die Suchwortstatistiken tatsächlich zuverlässige Rückschlüsse auf die geografische Herkunft der Anfragenden erlaubten, so Abrahamsen weiter, könnten solche Statistiken nützlich sein – vor allem für kurzfristige Konjunkturprognosen. Eine weitere amerikanische Untersuchung ortete auch Zusammenhänge ausserhalb des Wirtschaftsgeschehens: Die Google-Suchwortstatistiken erlauben laut dieser Studie in Echtzeit Hinweise auf die Entwicklung von Grippeepidemien – ein bis zwei Wochen schneller, als die herkömmlichen Informationskanäle liefern können. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.06.2009, 22:53 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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