Wirtschaft

Womit Skype sein Geld verdient

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 14.08.2010 7 Kommentare

Der Internet-Telefondienst will an die Börse – und muss die Öffentlichkeit über sein Geschäft informieren. Auch darüber, dass Murdoch ihm den Namen streitig macht.

Das Steckenpferd von Skype: gratis telefonieren via Internet. Doch nicht alle Dienste sind kostenlos.

Das Steckenpferd von Skype: gratis telefonieren via Internet. Doch nicht alle Dienste sind kostenlos.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Bekannt gemacht hat Skype vor allem eins: Dass man gratis von Computer zu Computer telefonieren kann – mit der Freundin in Übersee, dem Bruder in Australien.

Die Gratis-Telefonie hat Skype gross gemacht. 560 Millionen Menschen haben sich bis heute dafür registriert. 124 Millionen nutzen den Dienst regelmässig, zusammen haben sie von Januar bis Juni 168'000 Jahre vertelefoniert, insgesamt 12 Stunden pro Person oder 2 Stunden pro Monat. Bei 40 Prozent der Zeit war nicht nur die Stimme des Gegenübers zu hören, sondern gleichzeitig sein Bild zu sehen. Das alles, ohne dass die Nutzer dafür bezahlt oder das Unternehmen einen Rappen daran verdient hätte. Anders als der Internetriese Google, der seine Dienste ebenfalls gratis anbietet, verdient Skype nicht indirekt mit Werbung an der eigenen Beliebtheit.

Schwarze Zahlen

Trotzdem schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen. Im ersten Halbjahr 2010 betrug der Umsatz 406,2 Millionen Dollar, ein Viertel mehr als noch vor einem Jahr. Der Reingewinn betrug 13 Millionen, nach einem Verlust im Vorjahr. Skype hatte in den letzten Jahren immer einen Verlust geschrieben. Die grosse Ausnahme war das Jahr 2008.

Nicht alles ist gratis bei Skype. Und Anrufe sind auch nicht mehr auf einen Computer beschränkt. Mittlerweile gibt es Telefone, die sich automatisch übers Internet bei Skype einwählen. Der Unterschied zum Festnetztelefon verschwimmt. Auch dank diesen zahlungspflichtigen Diensten:

  • Mit Skype-out können Nutzer auch Anrufe ins herkömmliche Telefonnetz tätigen. Also Handy- oder Festnetznummern auf der ganzen Welt anrufen. Das kostet ab 2 Eurocent pro Minute ins Festnetz und 34,3 Eurocent pro Minute auf Schweizer Handys.
  • Mit Skype-in können die Nutzer dafür sorgen, dass das auch umgekehrt klappt: Sie erhalten für ihren Skype-Zugang eine normale Telefonnummer, auf der sie vom Fest- oder Mobilfunknetz aus angerufen werden können. Das kostet 50 Euro pro Jahr.

Man kann via Skype einen Anrufbeantworter abonnieren, SMS verschicken, Anrufe umleiten, Konferenzschaltungen organisieren oder sich von einem normalen Telefon auf das Skype-System mit Skype-Preisen umleiten lassen.

Namensstreit seit fünf Jahren

Bislang nutzen allerdings nur 8,1 Millionen Skype-Kunden einen solchen kostenpflichtigen Dienst. Sie telefonieren freilich länger als Nutzer des Gratisangebots. Im Schnitt telefonierte ein zahlender Skype-Kunde im ersten Halbjahr 13 Stunden und 10 Minuten und zahlte dafür im Schnitt 48 Dollar.

Diese Zahlen hat Skype veröffentlicht, weil das Unternehmen einen Börsengang plant. Aus dem Bericht, der potenziellen Aktionären die Chancen und Risiken einer Investition aufzeigen soll, geht auch hervor, dass Skype seit fünf Jahren mit Medienmogul Rupert Murdoch um den Namen streitet. Dessen Fernsehsender Sky reklamiert die erste Silbe von Skype für sich und will die Eintragung der Marke verhindern. Die Begründung: Die Ähnlichkeit würde die Konsumenten verwirren. Das belege eine Umfrage.

Murdoch in der Schweiz gescheitert

In der Schweiz und der Türkei ist Murdoch damit abgeblitzt. In der EU hat er einen Sieg errungen. In erster Instanz wurde Skype die Eintragung der Marke untersagt. Den Entscheid will Skype allerdings anfechten.

Wenn Skype die Marke nicht eintragen lassen kann, bedeutet das allerdings nicht, dass das Unternehmen zwingend den Namen wechseln muss. Aber es wird schwieriger, gegen Firmen vorzugehen, die den Namen Skype missbrauchen. Allenfalls muss Skype Murdochs TV-Sender Sky auch Lizenzgebühren zahlen – für die Nutzung der Silbe Sky. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2010, 06:23 Uhr

7

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

7 Kommentare

Kim Dällenbach

14.08.2010, 08:32 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wieder einmal ein Beispiel für bei den Haaren herbeigezogenen Ungerechtigkeiten, die im Ende nur die Börse des Klägers füllen soll. Typisch Amerikanisch und einfach nur lächerlich, diese ganze Verklagungsgeschichten immer. Sky und Skype sind nun wirklich zweierlei. Als nächstes verklagt wohl noch wer das Weisse Haus, weil es mit Dr. House verwechselt werden könnte o_O PS: Skype rules! Antworten


Irina Palm

14.08.2010, 07:54 Uhr
Melden

Skype ist für mich am billigsten, wenn ich in meiner Auslandsdestination bin, können mich meine Kunden mit Skype-In auch zum Normaltarif anrufen, ohne Auslandsvorwahl. Dasselbe gilt auch für ausgehende Anrufe. Für mich am günstigsten. So und jetzt wirds Zeit um Skype Aktien zu kaufen! Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.