Wirtschaft
Zieht Fastweb die Swisscom in den Schlamassel?
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 24.02.2010 21 Kommentare
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Die Reaktion an der Börse
An der Börse hat die Swisscom-Aktie uneinheitlich auf die neuen Vorwürfe gegen Fastweb reagiert. Kurz nach Börseneröffnung ist ihr Kurs um mehr als 1,3 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von gestern getaucht. Darauf hat er sich wieder auf ein Minus von rund 0,5 Prozent erholt. Nach elf Uhr ist sie erneut auf ein Minus von mehr als 1,5 Prozent eingebrochen um sich bis 13 Uhr erneut auf ein Minus von 0,8 Prozent zu erholen. Die Schwankungen können so interpretiert werden, dass durch den Fastweb-Skandal keine dramatischen Auswirkungen für Swisscom erwartet werden, an den Märkten aber dennoch eine gewisse Nervosität dazu herrscht, welche Folgen die Geschichte für Swisscom am Ende haben wird.
In Italien wirft die Justiz der Swisscom-Tochter Fastweb schwere Vergehen vor: Geldwäscherei und Verbindungen zur Mafia. Das betrifft auch die Schweizer Muttergesellschaft Swisscom. (SCMN 352 0.09%) Über ein heute Morgen veröffentlichtes Communiqué sicherte sie den italienischen Behörden ihre volle Unterstützung bei der Klärung der Vorwürfe zu. Ausserdem liess sie verlauten, sie sei von den neusten Anschuldigungen überrascht worden.
Die Geschichte ist für das Swisscom-Management vor allem peinlich. Schon beim Kauf der italienischen Gesellschaft im Jahr 2007 waren Vorwürfe wegen einer Hinterziehung von Mehrwertsteuern durch Fastweb bekannt. Das entsprechende Risiko ist laut Swisscom damals in die Preisverhandlungen eingeflossen. Der Abschlag dafür kann allerdings kaum ins Gewicht gefallen sein, denn der Kauf gilt allgemein als überteuert: 6,9 Milliarden Franken hat Swisscom damals für einen Anteil von 82,4 Prozent an Fastweb hingeblättert. Das Unternehmen ist nach Telecom Italia der zweitgrösste Breitband-Telekomanbieter Italiens mit 1,6 Millionen Kunden und wichtigster Lieferant für staatliche Verwaltungsstellen.
Fastweb droht ein Aufseher
Die grösste Sorge ist jetzt, dass die italienischen Strafverfolgungsbehörden bei den Gerichten verlangt haben, Fastweb unter Aufsicht zu stellen. Denn die Gesellschaft hat für die Swisscom eine grosse Bedeutung: Fastweb ist heute der wichtigste Wachstumstreiber der Schweizer Muttergesellschaft. Während im vergangenen Jahr die Umsätze aller anderen Geschäftsbereiche von Swisscom zurückgegangen sind, hat Fastweb 8,5 Prozent mehr generiert. Der Umsatzanteil der italienischen Tochter von 2,8 Milliarden Franken im letzten Jahr entspricht einem Viertel der Gesamtgesellschaft und einem Drittel von jenem, den die Gesellschaft im Schweizer Telekomgeschäft verdient hat.
Etwas schlechter kommt die italienische Tochter bei der Profitabilität weg. Die Marge, die im Telekom-Sektor üblicherweise am so genannten EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Goodwill-Amortisationen) gemessen wird, beläuft sich nach Einschätzung der Swisscom im laufenden Jahr bei Fastweb auf knapp 30 Prozent, jene des Schweizer Geschäfts auf mehr als 40 Prozent.
Swisscom gibt sich gelassen
Die Folgen für Swisscom wegen der neuen Vorwürfe gegen Fastweb werden unterschiedlich beurteilt. Swisscom versucht in ihrer Mitteilung zu beruhigen: Selbst wenn Fastweb unter behördliche Aufsicht gestellt würde, würde das «nach heutiger Einschätzung» die Weiterführung der Geschäftstätigkeit der Gesellschaft nicht beeinträchtigen.
Das grösste Risiko besteht laut Analysten in einer deutlichen Korrektur des sogenannten «Goodwill» in der Bilanz von Swisscom. Der «Goodwill» entspricht dem Unterschied zwischen dem Kaufpreis eines erworbenen Unternehmens und dessen tatsächlichem Eigenkapital. Er darf als Vermögen bilanziert werden, wenn Annahmen über die künftigen Gewinnaussichten des gekauften Unternehmens den Mehrwert rechtfertigen. Im Moment ist der «Goodwill» von Fastweb in der Swisscom-Bilanz mit einem Betrag von 2,6 Milliarden Franken ausgewiesen und beruht auf der Annahme eines weiteren jährlichen Umsatzwachstums von 6,5 Prozent über die nächsten fünf Jahre.
«Goodwill»-Abschreiber als grösste Gefahr
Sollten die Wirren um Fastweb ihrem Geschäft nachhaltigen Schaden zufügen, lässt sich dieser Optimismus nicht mehr rechtfertigen. Trotzdem bleibt Panagiotis Spiliopoulos, Chefanalyst und Telekomspezialist bei Vontobel, gelassen: «Angesichts der grossen Bedeutung von Fastweb in Italien werden die Behörden das Unternehmen nicht stilllegen», sagt er. Die Drohung mit der Zwangsverwaltung hält er für eine Einschüchterungskampagne, wie man sie sich von den Italienern schon bei den potenziellen Steuerbetrügern gewohnt ist.
Selbst im unwahrscheinlichen schlimmsten Fall, bei einem deutlichen Abschreiber auf dem «Goodwill», sieht Spiliopoulos keine grosse Gefahr für Swisscom. Deren Eigenkapital beläuft sich immerhin auf über 6 Milliarden Franken. Ein Abschreiber wegen Fastweb ist laut dem Vontobel-Analysten in den nächsten drei bis vier Jahren ohnehin zu erwarten – weil bis dann klar werde, dass Fastweb die hohen Wachstumserwartungen auch ohne die neu aufgetretenen Probleme nicht erfüllen kann. Den Abschreiber werde das Unternehmen nun möglicherweise etwas früher vornehmen müssen, glaubt Spiliopoulos. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.02.2010, 17:17 Uhr
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21 Kommentare
Der Deal galt als " Überteuert"! Natürlich, ein ausländischer "Manager" soll Volksgelder (die Swisscom ist mit über 52 % in Volkes Hand) verwalten! Das geht nicht, denn er hat es nie gelernt! Von Rücktritt keine Spur, dies wäre aber Konsequent! Wo sind die Wirtschaftskapitäne welche die Schweiz gross gemacht haben?! Antworten
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