Zug will sehr tiefe Steuern für alle Firmen

Ein Verbot von Briefkastenfirmen lehnen die Anwälte und Treuhänder vor Ort ab. Sie fürchten um lukrative Aufträge.

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Viele Zuger Anwälte und Treuhänder sind besorgt, seit der Bundesrat diese Woche bekannt gegeben hat, wie er den Steuerstreit mit der EU entschärfen will. Denn das angekündigte Verbot von Briefkastenfirmen würde das Innerschweizer Steuerparadies härter treffen als alle anderen Kantone. Laut den neusten Erhebungen haben sich in Zug rund 3400 dieser Firmen angesiedelt. Von insgesamt 25'000 Aktiengesellschaften und GmbHs im Kanton wird somit jede siebte als sogenannte Domizil- oder Verwaltungsgesellschaft geführt.

Für die Zuger Anwälte und Treuhänder fallen im Umfeld dieser Firmen sehr viele lukrative Aufträge ab. Die Domizilgesellschaften dürfen sich nur dann in Zug niederlassen, wenn sie mindestens einen Schweizer Bürger oder einen in der Schweiz sesshaften Ausländer als Verwaltungsrat einsetzen. Die 3400 Firmen haben also mindestens eben so viele gut bezahlte VR-Mandate zu vergeben. Zum Zug kommen in vielen Fällen die lokalen Juristen, die die Firmen schon bei der Ansiedlung beraten. Weitere Aufträge kommen hinzu, weil die Briefkastenfirmen Schweizer Spezialisten für die Steuererklärung und die Buchhaltung benötigen. «Viele Treuhänder und Anwälte nehmen Mandate für Domizilgesellschaften wahr», bestätigt Esther Hüsler, Leiterin bei der Innerschweizer Sektion des Schweizerischen Treuhänder-Verbandes.

Diese Pfründe der rund 160 selbstständig tätigen Anwälte und rund 300 eigenständigen Treuhänder in Zug sind durch das Einlenken des Bundesrates im Steuerstreit akut bedroht. Der Vorschlag von Finanzminister Hans-Rudolf Merz sieht vor, die Sonderbehandlung von Briefkastenfirmen zu verbieten und diese künftig gleich hoch zu besteuern wie alle anderen Unternehmen. Heute sind Domizilgesellschaften auf kantonaler Ebene von Steuern weitgehend befreit. Ob sie eine massive Steuererhöhung hinnehmen und weiterhin in Zug bleiben würden, ist mehr als ungewiss.

«Voraussichtlich würde ein Teil der Domizilgesellschaften abwandern», sagt Andreas Huwyler, Anwalt und Präsident der Zuger CVP. Dies hätte für die Kanzleien und Treuhandbüros einschneidende Folgen: «Für einen Teil der Anwälte und Treuhänder würde eine Steueränderung Honorarausfälle nach sich ziehen», ist Huwyler überzeugt. Es erstaunt daher nicht, dass Zuger Juristen ein Verbot der Briefkastenfirmen vehement ablehnen. «Wir stellen uns daher klar gegen die Lösung, wie sie der Bundesrat vorgestellt hat», sagt Huwyler.

Ebenfalls besorgt ist Andreas Schaufelberger, Präsident der Zuger Treuhändervereinigung. Er fordert, dass der Kanton Zug mit eigenen Massnahmen dafür sorgt, dass die Briefkastenfirmen im Kanton bleiben: «Sollte die spezielle Besteuerung nicht mehr möglich sein, muss wohl die Unternehmenssteuer generell stark sinken, damit keine Abwanderungen von Firmen ins Ausland stattfinden und Arbeitsplätze erhalten werden können.» Die Überlegung dahinter: Würde der Kanton die Gewinnsteuern generell auf einen sehr tiefen Satz reduzieren, so könnten die Briefkastenfirmen ein Verbot ihres besonderen Status gut verkraften. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.12.2008, 23:44 Uhr)

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