CS-Berater prellt Kunden um Millionen

Ein ehemaliger Berater der Credit Suisse hat bei einem Kunden einen Verlust von über 50 Millionen Franken verursacht. Herausgefunden hat man das bei «Aufräumarbeiten».

Logo der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Logo der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Laut gut unterrichteten Quellen hat ein Kundenberater der Credit Suisse (CS) in der Schweiz einen äusserst vermögenden Kunden, wahrscheinlich aus dem Ausland, um einen Betrag von deutlich mehr als 50 Millionen Franken geprellt. Die Bank selber hat auf den Fall in ihrem Finanzbericht zum dritten Quartal 2015 hingewiesen, allerdings ohne Details zu nennen. Unter «Customer Account Matters» schreibt die Credit Suisse darüber auf Seite 165, ein Kundenberater habe seine Investmentkompetenzen beim ­Management von Kundenvermögen deutlich überschritten. Dadurch sei es zu einer exzessiven Konzentration von Risiken und hohen Verlusten gekommen. Weiter schreibt die Bank, die Credit Suisse untersuche den Fall und die Kundentransaktionen. Entscheidungen seien aber noch keine gefallen. Offenbar hat die Bank den Kundenberater mittlerweile entlassen und Strafanzeige gegen ihn eingereicht.

Dass die Bank damals noch von einem Verlust von 50 Millionen Franken durch die Handlungen des Beraters ausging, erschloss sich aus den Unterlagen im vergangenen Oktober noch nicht. Ausgewiesen hat die Bank damals bloss operative Ausgaben von 98 Millionen Franken im Bereich Wealth Management Clients, zu denen neben zusätzlichen Beschäftigten, Investitionen in das digitale Angebot auch Rückstellungen für Rechtskosten zählen würden. Nun wird klar, dass der erwähnte Fall alleine die Hälfte dieser Kosten ausmacht.

Tidjane Thiam räumt auf

Doch das ist noch nicht alles. Laut den Quellen wird die Bank die Rückstellungen für diesen Fall im Abschluss zum vierten Quartal noch einmal namhaft erhöhen müssen. Eine Zahl war allerdings nicht zu erfahren. Unklar bleibt weiter auch, wie genau der Kunde zu Schaden gekommen ist. Offenbar hat der Kundenberater die Verluste zu vertuschen versucht, indem er anderen Kunden Geld gutgeschrieben hat. Auch zu diesem Mechanismus war nichts Genaueres zu erfahren. Noch nicht geklärt ist weiter die Frage, ob sich der Kundenberater mit seinem Fehlverhalten selber bereichert hat. Die CS wollte gestern zum Fall keine Stellung nehmen.

Ans Licht gekommen ist die ganze Sache offenbar im Rahmen der «Aufräumarbeiten» zur Neuaufstellung der Bank durch den neuen Konzernchef Tidjane Thiam. Laut den Quellen war es deshalb auch die Bank selbst, die auf das Fehlverhalten ihres Beraters aufmerksam wurde und nicht der betroffene Kunde.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.01.2016, 23:26 Uhr)

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