CS-Präsident Rohners Kopf gefordert

Ethos will die Abwahl des VR-Präsidenten. Und auch die Amerikaner machen Druck auf seine Bank.

Zehn Jahre als Ziel: Urs Rohner will noch bis 2021 die Credit Suisse steuern.

Zehn Jahre als Ziel: Urs Rohner will noch bis 2021 die Credit Suisse steuern. Bild: Nicola Pitaro

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Zwei Eigenschaften zeichnen Urs Rohner aus. Er ist überaus zäh und überaus ehrgeizig. Beide Wesenszüge werden in diesen Tagen auf Äusserste getestet. Der Präsident der Credit Suisse stand noch nie so unter Druck wie jetzt. Rohner verkörpere die Bank, bemängelte Ethos-Direktor Vincent Kaufmann in der «SonntagsZeitung». Seine «Bilanz ist schlecht», so der Kritiker weiter, der mit seiner Stimmrechtsberatungsfirma die Abwahl des CS-Präsidenten fordert.

Ethos moniert vor allem die hohen Rückstellungen für Rechtskosten, deren Ursprung teilweise in Rohners Zeit als Chefjurist der Bank zurückreichen. Zudem hat sich der Kurs der Credit-Suisse-Aktien halbiert, seit der Zürcher vor sechs Jahren das Präsidium der Grossbank übernommen hat. Ein weiterer Grund für Ethos, dem 58-Jährigen das Vertrauen zu entziehen.

Zu den finanziellen Mängeln kommt eine Fehleinschätzung über die Stimmung unter den Aktionären hinzu. Der CS-Verwaltungsrat sah sich aufgrund eines breiten Widerstands am Gründonnerstag gezwungen, eine rückwirkende «freiwillige» Kürzung der Boni für die Geschäftsleitung bekannt zu geben. Für 2016 werden die kurzfristigen Boni um 40 Prozent oder 9 Millionen Franken gekürzt. In den Tagen zuvor hatte sich gezeigt, dass ein Festhalten am alten Bonusplan für Rohner & Co. hätte gefährlich werden können. An der Generalversammlung der CS am 28. April drohte eine Niederlage vor den Aktionären.

Die Kürzung klingt einschneidender, als sie ist

Der Schritt, der in der Schweizer Bankengeschichte einmalig ist, hat nicht alle beruhigt. Zwei amerikanische Stimmrechtsberater machten gestern klar, dass sie trotz Bonuskorrektur an ihrer Nein-Empfehlung für den Vergütungsbericht festhalten. «Zu wenig und zu spät», lautete das Fazit von Glass Lewis. Auch ISS empfiehlt, die Vergütungstraktanden weiterhin abzulehnen. Nur der norwegische Staatsfonds, der 5 Prozent an der CS hält, liess sich umstimmen.

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Ob Rohner und seine Verwaltungsratskollegen am Freitag kommender Woche siegen oder verlieren werden, kann niemand vorhersagen. Die Bank zeigte sich gestern gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet zuversichtlich. Man rechne damit, dass «die Aktionäre den Anträgen zustimmen» würden. Mit den bedeutenden Investoren sei man im Gespräch, und man würde handeln, «wenn dies angezeigt» sei, erklärte ein CS-Sprecher.

Die überraschende 40-prozentige Kürzung der Boni klingt einschneidender, als sie ist. CS-Chef Tidjane Thiam hat mit gut 10 Millionen Franken statt den bisherigen 12 Millionen für 2016 im europäischen Quervergleich immer noch ein stolzes Lohn- und Bonuspaket, seine zwölf Kollegen in der Geschäftsleitung müssen ebenso wenig darben. Jeder erhält im Schnitt über 5 Millionen.

Eine Abwahl des CS-Präsidenten, wie sie Ethos fordert, käme einer Sensation gleich.

Auch wenn die Generalversammlung spannend bleibt, einem zumindest hat die Osteraktion genützt. Rohner selbst dürfte fürs Erste aus dem Schneider sein. Eine Abwahl des CS-Präsidenten, wie sie Ethos fordert, käme einer Sensation gleich. Selbst die ungewohnt scharfen Worte der grossen Stimmrechtsvertreter aus Übersee – Glass Lewis hatte angesichts der Verluste für die Aktionäre die ursprünglichen Boni als «gänzlich unpassend» bezeichnet – zielten ja nicht direkt auf CS-Präsident Rohner oder die übrigen Verantwortungsträger. Es ging nur um die Anträge zur Vergütung. Personelle Konsequenzen forderte einzig Ethos.

Rohner kommt damit seinem persönlichen Ziel einen grossen Schritt näher: ein Jahrzehnt Verweildauer auf der CS-Kommandobrücke. Das wäre auch eine schöne Analogie für ihn, den ehemaligen Schweizer Meister im Hürdenlauf. Seine Spezialität waren 110 Meter. Bei dieser Distanz gilt es zehn Hürden zu überspringen. Rohner will bei der CS weitermachen und selbst bestimmen, wann der Zeitpunkt zum Zieleinlauf gekommen ist: In Gesprächen nannte er wiederholt das Jahr 2021. Dann würde er tatsächlich zehn Jahre an der Spitze der Grossbank gestanden haben.

Wer Rohner kennt, ist über diesen Anspruch nicht überrascht. «Rohner ist extrem widerstandsfähig», sagt einer, der früher mit ihm bei der CS zusammengearbeitet hat. Damit habe er bisher auch Erfolg gehabt, auch dank der Nähe zu den grossen Aktionären. «Sie kennen ihn und vertrauen ihm, umgekehrt weiss er, was sie wollen.» Eine Einschätzung, die nun in einem wichtigen Punkt revidiert werden muss. Rohner und die Mitglieder des Vergütungsausschusses der Credit Suisse haben nicht gemerkt, dass der Wind in Sachen Boni gedreht hat.

Honorar-Anstieg von 25 Prozent

Es müsse ein Fragezeichen hinter Rohners Bodenhaftung gesetzt werde, sagt Rainer Skierka, Analyst bei der Zürcher Firma Research Partners. «Wenn seine Blitzkorrektur von Ostern an der GV durchkommt, kann Rohner CS-Präsident bleiben», meint der Aktienexperte. «Aber er muss dringend lernen, die Stimmung unter den Aktionären richtig einzuschätzen.» Das sieht auch Christopher Wheeler vom US-Brokerhaus Atlantic Equities so. Rohner habe «viel zu spät realisiert, wie stark es im Aktionariat rumort».

Damit stolpert der Zürcher über ein Thema, das für die Zukunft nicht entscheidend ist, dafür umso mehr Emotionen schürt. Entscheidend ist der Turnaround unter seiner Oberaufsicht. Mit ihm als Präsident blieb die CS bis 2015 eine grosse Investmentbank und häufte so auch Risiken an, die bis heute nachwirken. Unter dem von ihm geholten neuen Chef Thiam rückte die Vermögensverwaltung ins Zentrum – wie bei der UBS, nur einfach Jahre später. Die Umkehr sowie Altlasten aus der Subprime-Zeit vor 2007 gehen ins Geld. Die CS schrieb in den zwei letzten Geschäftsjahren 5,6 Milliarden Franken Verlust.

Etwa im gleichen Umfang zahlte die Bank Boni an ihr Management aus. Auf jeden Franken Verlust entfiel ein Franken Bonus: Dass das nicht mehr geht, dies hat Rohner nicht rechtzeitig erkannt. Nicht einmal bei sich selbst. Sein Honorar sprang 2016 um ein Viertel auf 4 Millionen Franken hoch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2017, 23:37 Uhr

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