Gebühr macht Raschelsäcken den Garaus

5 Rappen verlangen Migros und Coop pro Tüte und schon ist sie weg. Doch das Design sorgte für Verwirrung: Das Säckli landete am falschen Ort.

Was Kunden in den Läden zur Gebühr für Raschelsäckli sagen.

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Man stritt um Dutzende von Tonnen Plastik, die Jahr für Jahr verbraucht werden. Vier Jahre lang haben Migros, Coop und Co. sich erfolgreich gesträubt. Sie verhinderten mit cleverer Lobbyarbeit, dass der Beschluss des Parlaments zum Verbot von Einwegsäckchen umgesetzt wurde. Doch der Druck stieg, und letzten Herbst lenkte der Detailhandel ein, um die drohende staatliche Regelung abzublocken.

Die Marktführer Coop und Migros führten Ende Oktober im Rahmen einer freiwilligen Branchenvereinbarung eine Gebühr auf den Raschelsäckchen ein, die bis dahin an den Kassen gratis abgegeben worden waren.

Seither verlangen sie 5 Rappen pro Tüte. So niedrig der Preis auch ist – er wirkt. Nach sieben Monaten ist der Verbrauch bei Migros und Coop um 80 Prozent gesunken, wie die beiden Konzerne erklären. Damit haben sie innerhalb kurzer Zeit das Ziel erreicht, welches sie sich gesetzt hatten. Lidl war den beiden voraus. Der Discounter verzichtet seit 2009 auf Raschelsäcke. Lidl schaffte kürzlich auch die dickeren Plastiktüten ab und ersetzte sie mit Papiermodellen.

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Die Einführung der Sackgebühr, gegen die sich die Branche einst so gewehrt hatte, verlief bei Migros und Coop reibungslos. «Die Kunden haben die Umstellung sehr rasch angenommen und mehrheitlich sehr positiv reagiert», sagt ein Sprecher der Migros. Gleich klingt es bei Coop. Auch an den Selbstbedienungskassen habe es keine Probleme gegeben, erklären beide. Es seien nur kleine Anpassungen nötig geworden. «So gibt es heute etwa eine eigene und gut sichtbare Taste auf dem Bildschirm der Self-Check-out-Kasse für die Recyclingplastiksäckli», sagt ein Coop-Sprecher. Bei der Migros ging man gleich vor, damit alle Kunden begreifen, dass sie die Tüten neu nicht mehr einfach so mitnehmen können.

Nicht kompostierbar

Eine Schwierigkeit haben beide Grossverteiler aber nicht vorgesehen. Nach einigen Wochen bekamen sie erboste Anrufe von den Abfallentsorgungsbetrieben einiger Gemeinden. Sie beklagten sich, dass ihre Einwohner die neu gestalteten Raschelsäckli aus 100 Prozent umweltschonendem Recyclingmaterial fälschlicherweise über die Grünabfuhr entsorgen. «Einige Kunden haben den Begriff ‹aus Recyclingplastik hergestellt› mit ‹kompostierbar› verwechselt», sagt der Migros-Sprecher.

Bildstrecke – Tschüss Raschelsäckli:

Die Tüten gehören in den Kehrichtsack, nicht auf den Kompost. «Damit das noch klarer ist, haben wir den Auftrag an den Säckliproduzenten gegeben, zusätzlich den Hinweis ‹nicht kompostierbar› und das Entsorgungspiktogramm aufzudrucken», so der orange Riese. Bei Coop ist dasselbe passiert.

Mit der freiwilligen Vereinbarung rettete sich die Branche vor härteren Massnahmen. So kosten die Säcklein nur an Kassen, an denen hauptsächlich Lebensmittel verkauft werden. Ausgenommen von der Regel sind die boomenden Convenience-Shops. Tankstellenläden, Coop Prontos oder Migrolinos geben Raschelsäcke weiterhin gratis ab. Auch im Offenverkauf – etwa bei den Gemüseauslagen – sind die dünnen Säcke aus hygienischen Gründen weiter erlaubt.

Der Gewinn aus dem Verkauf der Raschelsäckli leiten beide Grossverteiler an wohltätige Organisationen weiter. Dabei geht es durchaus um viel Geld. «Wir rechnen damit, dass wir pro Jahr mehrere Hunderttausend Franken an Umweltprojekte in der Schweiz vergeben können», so der Migros-Sprecher. Die Summe fliesst beim orangen Riesen in Projekte zu Umweltbildung, Abfall und Recycling, bei Coop in den Coop-Fonds für Nachhaltigkeit, der Pionierleistungen im Ökobereich fördert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2017, 06:20 Uhr

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