«Diese hohe Anzahl wird nicht ohne Kündigungen machbar sein»

Zurich streicht rund 750 Stellen in der Schweiz. Die Reaktion der Sozialpartner kommt prompt – und scharf.

Ein Abbau von 750 Stellen sei nur mit Kündigungen möglich, sagen die Sozialpartner: Hauptsitz der Zurich Versicherung. (Archivbild)

Ein Abbau von 750 Stellen sei nur mit Kündigungen möglich, sagen die Sozialpartner: Hauptsitz der Zurich Versicherung. (Archivbild) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 liegt dem Versicherungskonzern Zurich schwer auf. Gewinn und Umsatz gingen drastisch zurück. Der Konzern konkretisiert darum sein bereits angekündigtes Sparprogramm. 8000 Stellen sind betroffen. Dies beinhalte Stellenverlagerungen von der Schweiz ins Ausland, Zusammenlegungen von Standorten und den Abbau von Jobs, wie ein Sprecher auf Anfrage zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt. In der Schweiz beschäftigt das Unternehmen rund 5000 Mitarbeiter. Vom Sparprogramm sind davon rund 750 Stellen betroffen.

Auch an der Schweizer Börse reagierten die Aktien auf die Ankündigung. Die Titel der Schweizer Versicherungsgruppe gaben in einem schwachen Gesamtmarkt gleich zu Handelsbeginn um 4,2 Prozent nach. Danach erholten sich die Aktien wieder leicht. Bis 10 Uhr betrug das Minus noch 3,4 Prozent.

«Neue Führung in die Pflicht nehmen»

Die Reaktionen auf diese Ankündigung liessen natürlich nicht lange auf sich warten. Die Personalvertreter gehen mit dem Versicherungskonzern Zurich hart ins Gericht. «Wir sind bestürzt. Die Aktionäre werden mit einer Dividende belohnt, während die Angestellten um ihre Stelle fürchten müssen», sagt Karin Oberlin, Leiterin Sozialpartnerschaft beim Kaufmännischen Verband Schweiz. Sie sei erstaunt über die grosse Anzahl Stellen, welche abgebaut werden. «Diese hohe Anzahl wird nicht ohne Kündigungen machbar sein», sagt sie.

Zudem kritisiert der Kaufmännische Verband den Zeitpunkt. «Kurz bevor der neue Chef Mario Greco anfängt, werden noch Massnahmen ergriffen und Stellen abgebaut», sagt Oberlin. «Wir nehmen die neue Führung in die Pflicht und erwarten, dass die Massnahmen sozialverträglich und unter Anwendung des Sozialplans umgesetzt werden», sagt Oberlin.

Greco kommt früher als geplant

Nach diesem Abschluss besteht beim Versicherungskonzern der Bedarf, nach einem neuen CEO, der aufräumt. Wohl deshalb wird Mario Greco sein Amt bereits am 7. März antreten und nicht wie erwartet Anfang Mai. Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass Greco bei seinem bisherigen Arbeitgeber Generali per sofort abtrat.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Zurich angekündigt, bis 2018 bis zu einer Milliarde einsparen zu wollen. In der Mitteilung vom Donnerstag spricht Zurich nun von 8000 Positionen. Ob es zu Kündigungen kommen wird, konnte ein Sprecher auf Anfrage gegenüber der Nachrichtenagentur sda nicht sagen. Bereits früher hatte Zurich in einzelnen Ländern Stellenzahlen genannt, die dem Rotstift zum Opfer fallen sollen.

Betriebsgewinn um 37 Prozent eingebrochen

Die massiven Einbrüche bei Betriebs- und Reingewinn bestätigen, was die Gewinnwarnung der Zurich Versicherung Ende Januar bereits ahnen liess. Am Donnerstag meldete der Versicherungskonzern einen Betriebsgewinn von 2,9 Milliarden Dollar (-37 Prozent) und einen Reingewinn von 1,8 Milliarden Dollar, der sich mit einem Minus von 53 Prozent mehr als halbierte. Basierend auf dem Betriebsgewinn lag die Eigenkapitalrendite bei 6,4 Prozent, im Vergleich zu 11,2 Prozent im Vorjahr.

Um die Aktionäre weiter bei der Stange zu halten, schlägt die Zurich Versicherung vor, die Dividende bei 17 Franken pro Aktie zu belassen. In Analystenkreisen war erwartet worden, dass diese gesenkt werden könnte. Doch so bleibt die Zürich ihrem Ruf treu, für Investoren vor allem wegen der Dividende interessant zu sein. (dia/ofi/sda)

(Erstellt: 11.02.2016, 06:58 Uhr)

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