Aufstand der Aktionäre bei Schweizer Traditionsfirma

Damit hat wohl kaum einer gerechnet: An der GV von Georg Fischer gibts ein Nein zum Vergütungsbericht. Die Kritik an den Management-Löhnen nimmt zu.

Vergütungsbericht stiess bei der Mehrheit auf taube Ohren: CEO Yves Serra spricht zu den Aktionären. (Bild: Twitter/Georg Fischer)

Vergütungsbericht stiess bei der Mehrheit auf taube Ohren: CEO Yves Serra spricht zu den Aktionären. (Bild: Twitter/Georg Fischer)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Aktionäre des Industriekonzerns Georg Fischer stellen sich gegen das Modell zur Entlöhnung des Managements. Sie lehnten an der heutigen Generalversammlung in einer konsultativen Abstimmung den Vergütungsbericht ab.

Damit folgten sie den Empfehlungen zweier angelsächsischer Stimmrechtsberater, die das Vergütungsmodell im Vorfeld der GV kritisiert hatten, wie Georg Fischer (GF) heute Abend mitteilte. GF werde erneut das Gespräch mit grösseren Aktionären und den Stimmrechtsberatern aufnehmen, um ein Vergütungsmodell zu präsentieren, welches breite Akzeptanz finde, schrieb der Konzern.

Die maximal möglichen Gesamtbeträge für die Vergütung von Verwaltungsrat und Konzernleitung hingegen hiessen die GF-Eigner wie bereits im Vorjahr gut. Auch allen anderen Anträgen wie der Ausschüttung einer um 2 Franken erhöhten Dividende von 20 Franken pro Aktie stimmten sie zu.

Konzernchef Yves Serra erhielt für 2016 gemäss Vergütungsbericht einen Lohn von knapp 3 Millionen Franken. Für die Entlöhnung der gesamten Konzernleitung bezahlte GF 8,3 Millionen Franken. An Verwaltungsratspräsident Andreas Koopmann gingen 543'000 Franken, an den gesamten Verwaltungsrat 2,5 Millionen Franken.

Zu tiefe Messlatte

2015 hatte das Vergütungskomitee von GF ein neues Bonisystem genehmigt. Ein Aktionärsvertreter empfahl daraufhin, den Vergütungsbericht 2015 abzulehnen, wie im Geschäftsbericht 2016 festgehalten ist. Er argumentierte, dass die Ziele für die neu eingeführte Leistungskennzahl Gewinn je Aktie keine ausreichende Herausforderung darstelle. Mit dieser Kennzahl sollte die Zuteilung der leistungsabhängigen Aktien bestimmt werden.

Der Verwaltungsrat hingegen zeigte sich im Jahresbericht überzeugt davon, dass das Modell mit leistungsabhängigen Aktien von GF für einen klaren Zusammenhang zwischen dem Bonus und den Aktionärsinteressen sorge und dabei die Unternehmenssituation bestmöglich berücksichtige.

Die Unmutsbekundungen über die Managementlöhne haben jüngst zugenommen. So hatten etwa jüngst 38 Prozent der ABB-Aktionäre gegen die Vergütung für die Geschäftsleitung votiert. Unter Druck von Stimmrechtsberatern und Aktionären ist insbesondere auch die Credit Suisse geraten. Sie verkündete deshalb jüngst eine Boni-Reduktion um 40 Prozent – für die Aktionärsberater allerdings noch immer zu wenig. Die Generalversammlung findet am 28. April statt. (nag/sda)

Erstellt: 20.04.2017, 06:40 Uhr

Artikel zum Thema

So viel verdient CS-Chef Thiam nach der Bonus-Kürzung

Die Spitze der Grossbank hat freiwillig ihre Boni reduziert. Jetzt sind die genauen Zahlen bekannt. Mehr...

1000 Franken Prämie für die Fleissigen

Schluss mit Sonderschicht: Wie ein Schweizer Konzern den Frankenschock überwindet – und ein Goodie an die Mitarbeiter verteilt. Mehr...

Um den Profit der Hirslanden-Klinik tobt ein Streit

Die Privatklinik schüttet Millionen an die Aktionäre aus. Die Linke will sie von der Spitalliste streichen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Kommentare

Blogs

Mamablog Schule ohne Druck – geht das?
Politblog Realität statt Träumerei!

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Irritierend: Eine Besucherin des Holocaust-Mahnmals in Berlin flaniert mit einem Einhorn-Luftballon zwischen den Stelen hindurch. (24. April 2017)
(Bild: John MacDougall) Mehr...