«Männerfeindliche Artikel» – Kritik am «Migros-Magazin»

Karl Müller, der den Blog «Genderwahn» betreibt, ortet eine feministische Stossrichtung bei der Kundenzeitung des Grossverteilers.

Wie politisch darf ein Kundenmagazin sein? Titelblätter des «Migros Magazin». Foto: PD

Wie politisch darf ein Kundenmagazin sein? Titelblätter des «Migros Magazin». Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Karl Müller ist über einige Artikel im «Migros-Magazin» verärgert. Am Montag hat er einen öffentlichen Brief an Migros-Chef Herbert Bolliger verfasst. Darin listet er sechs Artikel auf, die er wegen ihrer feministischen, teils linken Stossrichtung kritisiert. In einem Artikel wird etwa die Tatsache, dass es in Zürich ein Unisex-WC gibt, als ein Highlight des Jahres 2016 bezeichnet. Ebenfalls ein Höhepunkt sei, dass ein Grüner Bundespräsident Österreichs wurde und eine Frau Premierministerin Grossbritanniens. Das «Migros-Magazin» habe sich «redaktionell dramatisch verändert».

Müller betreibt einen Blog mit dem Titel «Genderwahn». Er will sich nicht als Antifeminist bezeichnen, führt aber einen Feldzug gegen «männerfeindliche Strömungen in Politik und Medien». Ständig werde von Männerprivilegien gesprochen, schreibt er dem «Tages-Anzeiger». Gleichzeitig würden die Sorgen der ­Männer negiert. Seinem Brief an Bolliger hat er eine Grafik beigefügt, die zeigt, dass Männer häufiger durch Suizid, tödliche Arbeitsunfälle, Morde oder im Krieg sterben.

Um andersdenkende Kunden nicht zu verärgern, geben sich Unternehmen politisch meist zurückhaltend. Ihre Magazine pflegen einen unverfänglichen Stil: Rezepte, Reisereportagen und Porträts sind beliebt. Der Leser wird unterhalten, aber kaum mit Meinungen konfrontiert. Das ist auch die Devise bei ­Migros’ Konkurrentin Coop. Sprecher Ramón Gander schreibt, die «Coop-­Zeitung» behandle politische Themen «nur am Rande». Im Zentrum stünden Themen wie Nachhaltigkeit, Kulinarik, Familie und Lifestyle.

«Stärkere politische Tradition»

Und die Migros? Weicht sie bewusst von diesem Credo ab? Immerhin hat politischer Journalismus bei der Migros Tradition. Mit der Zeitung «Die Tat» gründete Gottlieb Duttweiler 1935 eine Publikation, die lange Sprachrohr des Landesrings der Unabhängigen war. Ab 1977 erschien das Blatt als Boulevardzeitung. Chefredaktor war Roger Schawinski. Der Stil war angriffig, teils auch gegenüber der Migros. Dies führte zu Auseinandersetzungen mit der Herausgeberin und schliesslich 1978 zur Einstellung des Blattes. Den «Brückenbauer» – das heutige «Migros-Magazin» – gründete Dutt­weiler 1942. Und auch dort publizierten er selbst und seine Nachfolger politische Kolumnen.

Hans Schneeberger, Chefredaktor des «Migros-Magazins», sagt: «Das ‹Migros-Magazin› hat eine stärkere politische Tradition als andere Kundenmagazine.» Es beschränke sich dabei nicht auf Themen wie die Ladenöffnungszeiten. «Wir greifen die wichtigen gesellschaftspolitischen Themen auf», sagt Schneeberger.

Die Heftigkeit der Reaktion von Karl Müller habe ihn überrascht, sagt Schneeberger. Das «Migros-Magazin» habe «keine feministisch-linke Tendenz». Politische Positionen würden in inner­redaktionellen Auseinandersetzungen gefasst. Dabei bemühe man sich um eine gemässigte Haltung. «Aber bei 2,2 Millionen Lesern in der Deutschschweiz gibt es fast immer jemanden, der ganz anderer Meinung ist.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.04.2017, 09:34 Uhr

Artikel zum Thema

Der jüngste Chef, den die Migros je hatte

Ausserhalb des Grossverteilers ist der Romand Fabrice Zumbrunnen kaum bekannt. Mehr...

Die Migros hat einen neuen Chef gewählt

Herbert Bolliger tritt Ende Jahr ab, jetzt ist klar, wer ihn beerbt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Jetzt neu ab 18.- CHF pro Monat.

Kommentare

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Beliebtestes Verkehrsmittel: Ein Nordkoreaner schiebt sein Fahrrad über den Kim-ll-Sung-Platz in Pyongyang. (24.Juli 2017)
(Bild: AP Photo/Wong Maye-E) Mehr...