Neuer Zuschlag für Onlineshopping

Die Kosten für Kreditkarten steigen stetig. Nun erheben die ersten Anbieter Gebühren für Frankenzahlungen im Ausland.

Durch Gebühren generieren Kreditkartenanbieter zusätzliche Einnahmen. Foto: Keystone

Durch Gebühren generieren Kreditkartenanbieter zusätzliche Einnahmen. Foto: Keystone

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Der Titel des Buchs hört sich interessant an, der Preis stimmt, und mit wenigen Mausklicks ist das Werk bestellt. Ob der Titel beim Onlinehändler Amazon in Franken oder Euro bezahlt wird, lässt der Anbieter dem Kunden offen. Standardmässig wird Schweizer Kunden das Bezahlen in Franken vorgeschlagen. Entscheidet sich der Kunde dafür, hat er Klarheit darüber, wie viel ihn das Buch kostet. Bislang. Denn nun muss er mit einem weiteren Zuschlag rechnen.

Der Schweizer Kreditkartenanbieter Cornèrcard teilt derzeit seinen Kunden mit, dass ab April ein neuer Gebührenkatalog gilt. Neu bezahlen die Kunden der Bank eine Gebühr von 1,2 Prozent, wenn sie mit ihrer Kreditkarte im Ausland einen Frankenbetrag bezahlen – wie also bei der Bestellung bei Amazon. Die Gebühr fällt bei allen Transaktionen im Ausland an, wenn der Kunde die Währung auswählen kann, wie Cornèrcard auf Anfrage erläutert. Das heisst sowohl für Einkäufe in Geschäften als auch beim Internetshoppen. Mit der Gebühr wird es für Konsumenten noch schwieriger, die Übersicht über die verschiedenen Kreditkartenkosten zu wahren.

Einnahmen brechen weg

Der Zuschlag für Frankentransaktionen im Ausland ist in der Branche kein ganz neues Phänomen, doch wurde er bislang fast ausschliesslich bei Kreditkarten ohne Jahresgebühr erhoben. So etwa bei den Migros-Cumulus-Kreditkarten, die von Cembra Bank herausgegeben werden. Dort liegt der Zuschlag derzeit bei 2 Prozent des Einkaufsbetrags. Die Coop Supercard plus, die von Swisscard herausgegeben wird, erhebt einen Aufschlag von 1,5 Prozent.

Die meisten anderen Anbieter erheben keine zusätzliche Gebühr für Frankentransaktionen im Ausland. So fällt sie beispielsweise bei den Standard-Kreditkarten von CS, UBS, Raiffeisen oder Postfinance nicht an. Zwar schliessen viele Banken nicht aus, dass sie dereinst eine solche Gebühr erheben könnten. Aktuell steht eine Einführung nicht an.

Es könnte aber durchaus sein, dass das Beispiel von Cornèrcard in der Branche Schule macht. Denn die Gebühren und Zusatzkosten der Kreditkartenanbieter gleichen sich oftmals an. Preisüberwacher Stefan Meierhans sagt daher: «Es ist entscheidend, dass der Wettbewerb zwischen den Anbietern spielt.» Mache er das nicht, könne dies ein Hinweis auf mangelnde Wettbewerbsintensität sein.

Die neue Gebühr hat einen einfachen Hintergrund: Die Kreditkartenindustrie versucht derzeit, neue Einnahmequellen zu erschliessen. Denn ihre Einnahmen sinken. Um sie zu ersetzen, werden für Kunden immer neue Zuschläge erfunden. Die Kreditkartenanbieter sind derzeit in einer unangenehmen Situation.

Um die Ausfälle auszugleichen, lassen sich Kartenanbieter neue Zuschlä­ge einfallen.

Vor rund einem Jahr hat die Wettbewerbskommission (Weko) entschieden, dass die Gebühren, die sie von Händlern verlangen können, sinken müssen. Aktuell belaufen sie sich auf 0,7 Prozent des Einkaufsbetrags. 2017 sollen sie auf 0,44 Prozent sinken. Doch die Einnahmen geraten noch an einer anderen Stelle unter Druck. Das neue Gesetz zu den Klein­krediten schreibt einen tieferen Höchstzinssatz für ausstehende Kreditkarten-Rechnungsbeträge vor. Das bedeutet, dass Kartenbesitzer, die ihre Rechnung verzögert bezahlen, ab dem 1. Juli noch mit maximal 12 Prozent und nicht mehr mit bis zu 15 Prozent Verzugszins rechnen müssen.

Um die Ausfälle auszugleichen, lassen sich Kartenanbieter neue Zuschlä­ge einfallen. Kreditkartenanbieter wür­- den die Gebühren laufend erhöhen, vielen Kunden falle das gar nicht auf, sagt Benjamin Manz vom Vergleichsdienst Moneyland.ch. Das kommt daher, dass viele zusätzliche Kosten der Kreditkarte für den Kunden nicht offensichtlich sind. In letzter Zeit wurden bei manchen Kreditkarten unter anderem Fremdwährungs-, Bargeldbezugs- und Rechnungsgebühren verteuert. Schweizer Konsumentenschutzorganisationen kritisieren den Gebührendschungel bei Kreditkarten. Sie raten daher den Konsumenten, wenn möglich andere Zahlungsmittel zu verwenden. Vielerorts haben die Kunden aber keine Wahl.

Auch Amazon profitiert

Doch die Frankentransaktionen lohnen sich nicht nur für die Kreditkartenanbieter, auch für die Händler ist die Umrechnung ein gutes Geschäft. Ein Händler erhält vom Zahlungsabwickler eine Prämie, wenn eine Kunde seine Waren in seiner Heimatwährung bestellt. Das ist zwar transparent, weil der Kunde den Betrag nicht umrechnen muss, hat aber den Nachteil, dass die Gesamtkosten für den Konsumenten meist deutlich höher ausfallen. Experten raten daher von dieser Bezahlvariante ab.

Verschiedene Onlineshops oder Zahlungsanbieter aus dem Ausland werten das Bezahlverfahren in Franken auf, darunter ist auch Amazon. Weshalb, bleibt offen. Der Internethändler kommentierte eine Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu diesem Thema nicht.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 09.03.2016, 22:49 Uhr)

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Wann ein Kunde mehr bezahlt

Landeswährung lohnt sich

Nehmen wir an, ein Kunde hat sich in diesen Tagen ein Buch bei Amazon.de bestellt. Der Preis des Titels liegt bei 9.30 Euro.

Wenn der Kunde in Euro bezahlt, fallen folgende Kosten an: Die Bank rechnet den Betrag zum Interbanken-Wechselkurs um. Hinzu kommt ein Bearbeitungszuschlag (ca. 0,9 bis 2 Prozent). Damit kostet das Buch den Kunden etwa 10.30 Franken.

Wenn der Kunde in Franken bezahlt, rechnet Amazon.de den Betrag zu einem unvorteilhafteren Kurs um. Einzelne Kreditkartenanbieter, wie bald auch Cornèrcard, erheben zusätzlich eine Gebühr. Das Buch kostet am Schluss rund 10.80 Franken.

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