Auf der alten Gotthardstrecke fährt künftig die Südostbahn

Der Kampf um die Gotthardstrecke hat ein Ende: Die SBB machen mit der Südostbahn gemeinsame Sache. Die wichtigsten Fragen und die Antworten dazu.

Die Südostbahn überträgt ihr Konzept des «Voralpen-Express» auf die Gotthard-Bergstrecke und die Interregio-Achse Bern-Burgdorf-Zürich-Chur.

Die Südostbahn überträgt ihr Konzept des «Voralpen-Express» auf die Gotthard-Bergstrecke und die Interregio-Achse Bern-Burgdorf-Zürich-Chur. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Die SBB und die Südostbahn arbeiten auf zwei Fernverkehrsstrecken bald zusammen. Der Kampf darum, wer in Zukunft die Gotthardbergstrecke betreiben darf, hat damit ein Ende gefunden.

Die SBB und die Südostbahn (SOB) vermarkten ab 2020 die Bahnstrecke von Zürich respektive Basel über die alte Gotthardstrecke ins Tessin gemeinsam. Das haben die beiden Bahngesellschaften heute an einer Medienkonferenz bekannt gegeben. Die vereinbarte strategische Partnerschaft gilt auch für die Interregio-Linie von Bern via Burgdorf-Langenthal nach Zürich und weiter nach Chur.

Auf den beiden Strecken wird inskünftig die SOB mit ihrem eigenem Rollmaterial unterwegs sein. Dafür wird sie von den SBB abgegolten, wie es am Freitag hiess. Für den Betrieb der Interregio-Züge zwischen Bern und Zürich interessiert sich auch die Berner Regionalbahn BLS.

Weshalb tritt die SBB eigentlich den Betrieb für die beiden Strecken den SOB ab?
Die SBB haben sich offensichtlich eingestehen können, dass ihr Konzept für die alte Gotthardlinie weniger gut ist als die Ideen, welche die SOB für diese Strecke hat. Nachdem letztes Jahr sowohl die SOB als auch die Berner Regionalbahn BLS bekannt gaben, sich um die Konzessionen von einzelnen Fernverkehrsstrecken zu bemühen, hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Bahnen zu Gesprächen aufgefordert. Die SBB und die SOB haben nun offenbar ein Kooperationsmodell gefunden, welches den Interessen beider Unternehmen entspricht.

Ändert sich mit der Kooperation auch etwas für die Kunden?
Definitiv. Einerseit wird es wieder direkte Verbindungen von Zürich und Basel über die Gotthard-Bergstrecke ins Tessin geben. Mit der Eröffnung des Neat-Basistunnels hat sich zwar die Fahrzeit zwischen den grossen Zentren verkürzt, der Fahrplan auf der alten Gotthard-Strecke wurde aber stark ausgedünnt. Passagiere müssen vor allem auch öfter umsteigen. Wer beispielsweise via Göschenen nach Andermatt oder ins Oberwallis will, muss in Erstfeld den Zug wechseln. Anderseits wird die SOB auf diesen Strecken auch modernes Rollmaterial einsetzen - mit ausreichend Platz für Fahrräder und Sportgeräte sowie Automatenzonen, in denen Getränke und Snacks gekauft werden können.

Ab wann genau fahren die SOB-Züge auf den beiden SBB-Linien?
Vorgesehen ist die Kooperation ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020. Voraussetzung für die Übernahme des Betriebs auf diesen Strecken ist allerdings, dass der SOB zu diesem Zeitpunkt ausreichend Rollmaterial zur Verfügung steht. Für die Strecke des Voralpen-Express von St.Gallen über Rapperswil, Pfäffikon, Arth-Goldau nach Luzern hat die Bahngesellschaft bereits bei Stadler Rail elf neue Züge bestellt. Gleichzeitig mit der Bestellung wurde auch eine Option für weitere zwanzig der einstöckigen Züge unterschrieben. Diese würde die SOB einlösen, falls das Bundesamt für Verkehr den SBB die Konzession für die beiden Linien erteilt, auf welchen sie den Betrieb übernehmen soll.

Wie sieht der zukünftige Fahrplan auf der Gotthardstrecke genau aus?
Alle Details des Fahrplans, wie er ab Dezember 2020 gelten soll, sind noch nicht bekannt. Unklar ist etwa, welche Züge schliesslich nach Lugano und welche nach Locarno fahren. Klar ist aber, dass es von Zürich aus wieder alle zwei Stunden einen direkten Interregio-Zug ins Tessin mit Halt an allen grösseren Orten geben wird. In den Stunden dazwischen verkehrt der Zug ab Basel via Zug.

Was ändert sich mit der Kooperation auf der Interregio-Linie Zürich-Bern und Zürich-Chur?
Am Fahrplan ändert sich voraussichtlich nichts. Es kommen aber ebenfalls für Fernverkehrsstrecken besser geeignetere und damit für die Passagiere auch komfortablere Züge zum Einsatz als derzeit auf der Strecke Zürich-Chur. Zudem wird ein SOB-Logo auf den Zügen zu sehen sein. Da sich die beiden Bahnunternehmen aber auf einen gemeinsamen Auftritt geeinigt haben, wird auch das SBB-Logo nicht verschwinden.

Was hat die SOB davon, dass sie für die SBB Interregio-Linien betreibt?
Die SOB wird für den Betrieb der Strecken von den SBB entschädigt. In den Verträgen, die gestern unterzeichnet wurden, ist vorgesehen, dass die SOB - wenn sie es klug anstellt - sogar einen Gewinn erwirtschaften wird. Das unternehmerische Risiko für die beiden Strecken liegt weiterhin bei den SBB. Allerdings glauben SBB und SOB, dass sie die Gotthard-Bergstrecke und die Interregio-Achse Bern-Burgdorf-Zürich-Chur mit der Kooperation effizienter betreiben können als wenn die SBB sie in Eigenregie führt.

Ist bereits sicher, dass die Kooperation der SBB mit der SOB zustande kommt?
Nein. Das BAV muss den SBB zuerst die Konzession für die Linien erteilen. Für die IR-Strecke zwischen Bern und Zürich interessiert sich etwa auch die Berner Regionalbahn BLS. Die Konzessionsgesuche müssen bis Anfang September eingereicht werden, dann können Kantone ihre Meinung dazu äussern. Der Entscheid des BAV soll dann noch vor Dezember fallen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.07.2017, 11:08 Uhr

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