Schweizer Ferienflieger Belair vor dem Aus

Die Wirren bei Air Berlin treffen die Schweizer Angestellten hart. Schon Ende März dürfte die Tochter Belair den Betrieb einstellen.

Warten auf das Ende: Flugzeuge von Belair in Kloten.

Warten auf das Ende: Flugzeuge von Belair in Kloten. Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

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Die Stimmung im Raum war gedrückt. Vorne hatte sich das Management von Belair aufgepflanzt, um über den Stand der Dinge zu informieren. Die Belegschaft stand davor und hörte gespannt zu. Es gebe wenig Hoffnung, so die ebenso klare wie vernichtende Botschaft der Führung der Schweizer Air-Berlin-Tochter. Schon Ende März werde man wohl den Betrieb einstellen. Die Strecken ab Zürich wird dann voraussichtlich die österreichische Schwester Niki übernehmen.

Für die Angestellten von Belair kommt das zwar nicht ganz überraschend, dennoch ist es ein harter Schlag. Vor zwei Jahren mussten sie bereits spürbare Lohnkürzungen von bis zu 30 Prozent akzeptieren. Würden die Sparvorgaben nicht eingehalten, so drohte ihnen die Konzernzentrale in Deutschland, werde die Schweizer Tochter geschlossen. Das Kostenziel wurde erreicht, in Berlin war man zufrieden und dachte bereits über einen Ausbau nach.

280 Jobs gefährdet

Tempi passati. Seit Air Berlin letzten Herbst einen konzernweiten Ab- und Umbau bekannt gab, kippte die Stimmung in Zürich wieder. Plötzlich war unklar, was mit Belair geschehen würde. Zuerst hoffte man, Teil des neuen Ferienfliegers von TUI und Etihad Airways zu werden. Doch schon im Dezember hiess es aus Berlin, dass die Schweizer im neuen Konstrukt nicht dabeisein werden. Von den acht Flugzeugen im Sommerflugplan 2016 werde Belair darum auf nur noch drei schrumpfen.

Auch das gilt nun nicht mehr. Nächste Woche will Air Berlin endgültig über ihre Schweizer Tochter richten. Doch für das lokale Management scheinen die Perspektiven klar zu sein. Den rund 280 Mitarbeitern wurden Jobs innerhalb der Gruppe angeboten – aber in Deutschland und zu schlechteren Konditionen. «Wir sind enttäuscht», erklärte ein langjähriger Angestellter.

Mitarbeiter melden sich krank

Bei Air Berlin will man die Vorgänge noch nicht kommentieren. «Die zukünftigen Rahmenbedingungen unseres Geschäfts in der Schweiz sind noch nicht finalisiert, wir informieren aber unsere Mitarbeiter und unsere Kunden direkt, sobald dies abgeschlossen ist», erklärt eine Sprecherin.

Viele Belair-Angestellte haben bereits die Konsequenzen gezogen. Wie das Fachportal «Aerotelegraph» schreibt, haben sie sich ab heute krankschreiben lassen. Die zwei ersten Flüge am Mittwochmorgen fielen deshalb aus. Für den Rest der heutigen Flüge werden sie durch Personal aus Österreich ersetzt. Air Berlin erklärt denn auch allgemein: «Der veröffentlichte Flugplan in der Schweiz behält bis auf weiteres seine Gültigkeit.» Bis auf weiteres. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2017, 13:12 Uhr

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