Wie teuer darf ein iPhone sein?

Apple steht und fällt mit seinen kaufkräftigen Kunden. Deren Treue wird mit dem Jubiläums-iPhone aber hart auf die Probe gestellt.

Künftig bedienen sie wohl luxuriösere Geräte: Smartphone-Nutzerinnen bei der Berlin Fashion Week. Foto: DPA, Keystone

Künftig bedienen sie wohl luxuriösere Geräte: Smartphone-Nutzerinnen bei der Berlin Fashion Week. Foto: DPA, Keystone

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«Wir erfinden das Telefon neu», versprach Steve Jobs im Januar 2007 seiner Fangemeinde im Moscone-Konferenzzentrum in San Francisco. «Wir machen einen Quantensprung; und wir nennen es das iPhone.» Acht Monate später bringt Apple die erste Generation des iPhone auf den Markt, drängt Konkurrenten wie Nokia und Blackberry ins Abseits und wird rasch zur profitabelsten Hightechfirma. Bis heute blieb das iPhone das wichtigste und unverzichtbare Produkt des Konzerns. Es trägt 68 Prozent zum Gewinn bei.

Für den kommenden Herbst ist ein neues, zum ersten Mal in drei (statt wie üblich zwei) Versionen erhältliches iPhone geplant, und dabei nähert sich Apple mit der Luxusausführung erstmals der Schwelle von 1000 Dollar. So teuer also wie ein starker Laptop oder Computer der Konkurrenz. Dies aber könnte der letzte Versuch sein, den Preis bis ans Limit auszuweiten, muss Apple doch zusehends mit einem gesättigten Markt rechnen. Dies dürfte den Konzern zwingen, Umsatz und Gewinn zunehmend auch mit Dienstleistungen statt mit Geräten sicherzustellen. Selbst die Übernahme eines anderen Konzerns – was für Steve Jobs nicht infrage kam – liegt im Bereich des Möglichen.

Die Lebensdauer steigt an

Jobs war in Hochform, und seine Fan­gemeinde feuerte ihn mit Applaus im ­Minutentakt an. Was bisher an Smartphones erhältlich sei, so der Apple-Gründer, sei minderwertig, schwerfällig und unbrauchbar für künftige Entwicklungen, sagte er im Januar 2007. Er hatte drei Jahre zuvor die Entwicklung eines Tablet, des späteren iPad, abgebrochen und sich voll auf das iPhone konzentriert. Das Resultat begeisterte ihn sichtlich. «Es funktioniert wie Magie, es ist ein revolutionäres Produkt.»

Das Gerät ist bis heute so profitabel wie kein anderes Smartphone. Und noch wichtiger: Kein anderes Hightechgerät hat eine treuere und zugleich kaufkräftigere Kundschaft. Dies gilt selbst für China, wo Apple heute 20 Prozent des Umsatzes macht. Dortige iPhone-Käufer sind genau so gut betucht wie jene in den USA und Europa, wie eine Marktstudie der UBS zeigt. Ihr Jahreseinkommen liegt bei durchschnittlich 25'000 Dollar – verglichen mit 17'000 Dollar, die Besitzer anderer Smartphones verdienen.

Die Zeichen einer Marktsättigung sind deutlich zu sehen.

Doch mit dem 10-Jahre-Jubiläum des iPhone steht Apple-Chef Tim Cook nun vor einer ähnlich folgenschweren Entscheidung wie damals Steve Jobs. Wie teuer kann das iPhone 8 im kommenden Herbst verkauft werden? Wie lange ist es noch der stärkste Gewinnpfeiler? Und was kann es ersetzen? Die Zeichen einer Marktsättigung sind nämlich deutlich zu sehen, auch dadurch, dass die Kunden ihre iPhones nicht mehr so oft gegen neue Geräte eintauschen wie früher. Der Lebenszyklus eines iPhone lag vor vier Jahren noch bei 32 Monaten, heute sind es bereits 37 Monate – und die Tendenz hält an. Statt 50 Prozent wechseln noch 40 Prozent der Nutzer ihr Gerät innert zweier Jahre aus. Obwohl Cook eine Rekordzahl von Android-Nutzern auf seine Seite ziehen konnte, räumt er ein, dass dies durch die tiefe Austauschrate mehr als vernichtet wurde.

Dieser Abwärtstrend dürfte Cook in der Preisfrage vorsichtig machen, meint UBS-Analyst Steve Milunovich. Den Gerüchten, wonach die Schwelle von 1000 Dollar geknackt werde, hält er entgegen, dass Apple nur immer leicht teurer sein wolle als Samsung. Er geht deshalb von einem Maximalpreis von 950 Dollar aus. Dafür werde Apple dem iPhone mit einer neuen Gesichtserkennung, der Oled-Technik (organische Leuchtdioden) sowie einem Glasgehäuse «neues Leben einhauchen».

Cooks Zukunftspläne

Mehr als 90 Prozent der Apple-Kunden bleiben dem Unternehmen lange Jahre treu. Diese Loyalität dürfte Cook für den nächsten Ausbauschritt nach dem iPhone nutzen. So machte er vor kurzem klar, den Umsatz der Dienstleistung von 24 Milliarden Dollar in Kürze verdoppeln zu wollen. 2020 sollen Apple Pay, Apple Music, iCloud und möglicherweise Videostreaming bereits 30 Prozent der Einnahmen generieren und den Rückgang des iPhones ausgleichen.

Ob dieses Ziel zu erreichen ist, hängt nicht nur von Cook ab. Vielmehr setzt er darauf, dass die Regierung Trump eine Steuerreform durchsetzt, die ihm erlaubt, den im Ausland gelagerten Gewinn von 232 Milliarden Dollar günstig in die USA zurückzuschaffen. Mit diesen Mitteln könnte er nicht nur in futuristische Projekte wie ein selbstfahrendes Auto investieren, er könnte auch einen Film-, Fernseh- oder Streaming-Konzern kaufen und so den Umsatz auf digitale Inhalte ausweiten.

Man habe bisher versuchsweise nur «die Füsse ins Wasser gesteckt», so Cook, aber nun liege auch ein grosser Deal drin. «Es gibt keine Grösse, die wir nicht schaffen könnten.» Ein solche Übernahme wäre ein Novum für Apple, hat der Konzern doch bisher nur einmal drei Milliarden Dollar für den Kauf des Kopfhörerherstellers Beats ausgegeben. Im Vergleich zu Microsofts 26 Milliarden für Linkedin ein Klacks. Eine Grossübernahme wäre der ultimative Beweis dafür, dass Apple nicht mehr länger der bestaunte Überflieger ist, sondern ein ganz normaler Konzern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.04.2017, 23:29 Uhr

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