Der unabhängige Haltiner und die UBS-Boni
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 27.01.2009 245 Kommentare
Kontrolleur unter scharfer Beobachtung: Eugen Haltiner, umstrittener Chef der Eidg. Finanzmarktaufsicht Finma. (Bild: Keystone)
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Eugen Haltiner ist ein grauer Mann – von Kopf bis Fuss. Hellgraues Haar, dunkelgrauer Anzug. Selbst das Bordeauxrot der Krawatte deutet nur scheinbar Farbe an. Kombiniert mit den schrägen, hellblauen Streifen ist die Halsbinde so klassisch langweilig, wie Krawatten in diesem Geschäft eben sind.
Wenn da nur der Hauch dieses roten Fadens im Anzug nicht wäre – das Grau leicht irritierend, den Anschein weckend, als ob der Mann vielleicht doch einen Sinn für Farbe oder gar für Verspieltheit hätte.
Haltiner selbst mag das nicht bestätigen. Während fast zwei Stunden Dialog mit Journalisten wurde gestern kaum einmal gelacht. Dazu war vielleicht die Thematik, die anhaltend schlechte Grosswetterlage der Finanzmärkte im Allgemeinen und der Schlingerkurs der UBS im Besonderen, zu ernst. Er sagte aber auch nichts Verblüffendes, nichts Erhellendes, nichts Selbstkritisches und schon gar nichts Intimes über seine Kontakte mit den UBS-Oberen. Haltiner ist sich seiner grossen Verantwortung als Finma-Präsident bewusst und legt deshalb jedes Wort auf die Goldwaage.
Schweigepflicht für Journalisten
Das klingt dann etwa so: «Ich bin überzeugt, –» Das ganze Zitat können wir hier leider nicht abdrucken. Denn die gestrige Veranstaltung im Restaurant Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof war mit dem Stempel «Off the record» versehen – ein reines Hintergrundgespräch. Die 18 anwesenden Journalistinnen und Journalisten wurden angehalten, das Gehörte eben nur zu hören und nicht zu verbreiten.
Aus diesem Grund kann hier nicht darüber berichtet werden, dass der Finma-Präsident voll und ganz hinter dem Entscheid steht, dass den UBS-Bankern auch für das vergangene Jahr Boni zukommen sollen. Die Rede geht von insgesamt 2 bis 2,5 Milliarden Franken. Hätte Haltiner gestern etwas verlauten lassen, was man weitersagen dürfte, wäre es möglicherweise das gewesen, dass der Entscheid der Finma nicht populistisch, sondern sachgerecht sei. Eine ökonomische Notwendigkeit auch, abgesegnet durch eine unabhängige Behörde.
Unabhängig – ein Wort, dass der Finma-Chef öfter fallen lässt, als ihm selbst bewusst sein dürfte. Ganz so, als ob er jeden Zweifel an fehlender Unabhängigkeit ausräumen wollte. Genau diese Unterstellung fehlender Distanz zu den Grossbanken begleitet Haltiner, seit er am 1. Februar 2006 die Funktion als Chef der Eidgenössischen Bankenkommission antrat – einer der Vorgängerorganisationen der Finma. Bis zu diesem Tag stand er in verschiedenen Funktionen im Dienst der Bankgesellschaft beziehungsweise der späteren UBS. Ausgerechnet diese Bank, deren Brötchen er 30 Jahre lang verdient hatte, sollte er in seiner neuen Funktion gewissermassen über Nacht plötzlich beaufsichtigen.
Haltiners Fehleinschätzung
Das wurde schon bei der damaligen Ernennung Haltiners durch den Bundesrat kritisiert. Die Entwicklung scheint die Kritiker nicht ins Unrecht zu versetzen. «Die Aufsicht hat nicht funktioniert», sagt etwa der ehemalige Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel. Wie die UBS-Banker hat auch Haltiner die Situation selbst dann noch falsch eingeschätzt, als die Finanzinstitute längst tief im Schlamassel steckten. So beschwichtigte er am 23. Dezember 2007 gegenüber der «Sonntags-Zeitung»: «Die von der UBS rechtzeitig ergriffenen Massnahmen und die offenbar konservativen Wertberichtigungen haben die Situation nach heutiger Kenntnis wieder in ein Gleichgewicht gebracht.»
Zu grosse Nähe zur UBS, Warnsignale übersehen, Krise falsch eingeschätzt, sagen die Kritiker. Was Eugen Haltiner dazu sagt, darf – siehe oben – nicht verbreitet werden. Möglicherweise würde er aber – rein spekulativ – antworten, dass die Finma Krisen weder voraussehen noch verhindern könne. Und dass die Finma einzig für den Schutz der Einleger, also der Bankkunden, verantwortlich zeichne. Da bleibt die Frage, was die Einleger davon haben, wenn die UBS für das verflossene Verlustjahr über 2 Milliarden Franken Boni auszahlt. Rein theoretisch könnte auch diese Frage an der Hintergrundveranstaltung im Au Premier gestern gestellt und beantwortet worden sein.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.01.2009, 23:02 Uhr
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245 Kommentare
Ich sehe das genau so wie Johansson. Ich jeder anderen Branche würden keine Boni mehr ausgerichtet. Und dies ob ich nun Schuld bin am Debakel der Firma oder eben auch nicht. Massgebend ist der Erfolg der Gesamtfirma. Als die Investmentbanker die massiven Gewinne eingefahren haben, hat auch niemand nach deren Nachhaltigkeit gefragt und alle in der Bank haben davon profitiert. Antworten
Ich möchte mich als ex-HR UBS bei Herrn Johansson für diese Analyse eines ausgewiesenen HR Analysten bedanken. UBS Mitarbeitende sind nun nur zu einem Bruchteil woanders gefragt. Sie müssen bleiben und hoffen, nicht als nächstes gestrichen zu werden. Kurer und Haltiner müssen nun gemeinsam zurücktreten, sie leben in einer anderen, entfernten Welt, ohne gesellschaftliches Gespühr für die Märkte. Antworten
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Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen
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