Wirtschaft
«Bleibt der Franken so hoch, sehe ich schwarz»
Von Rahel Guggisberg. Aktualisiert am 27.08.2011 22 Kommentare
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Andrea Scherz
Die Leitung des Fünfsternhotels Palace hat Andrea Scherz 2001 von seinem Vater Ernst Andrea Scherz übernommen. Er führt es in dritter Generation. Der 42-jährige Gstaader ist mit Laura Scherz verheiratet, einer gebürtigen Genferin. Das Paar hat einen Sohn und eine Tochter. Andrea Scherz absolvierte im Institut Gruyère die Handelsschule und schloss die Hotelfachschule in Lausanne ab. Berufserfahrung holte er sich im Hotel Beau-Rivage in Lausanne, im Hotel Savoy in London, im Intercontinental in Genf sowie in anderen Fünfsternhäusern in Amerika und Italien. Erste Verantwortung im Palace übernahm Andrea Scherz ab Mai 1996, und zwar im Bereich Beherbergung und Reception. Das Palace-Hotels ist zu rund 70 Prozent im Besitze der Familie Scherz. Es hat 104 Zimmer, beschäftigt 250 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz rund 25 Millionen Franken. Das günstigste Einzelzimmer kostet 410 Franken, das günstigste Doppelzimmer 650 Franken. (rag)
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Herr Scherz, wie stark leidet das Palace Gstaad unter dem harten Franken?
Andrea Scherz: Die Krise spüren wir stark, vor allem beim Gruppengeschäft. Seminare und Meetings sind wie vom Erdboden verschwunden. Die Unternehmen treten alle auf die Sparbremse, ihr Buchungsverhalten ist sehr zurückhaltend. Und viele führen ihre Anlässe dieses Jahr im Euroraum durch, wo alles billiger ist. Und zwar sowohl Schweizer wie auch ausländische Firmen.
Wie ist derzeit die Auslastung?
Das Hotel ist zu fast 90 Prozent ausgelastet. Das hängt damit zusammen, dass diese Touristen ihre Sommerferien buchten, als der Wechselkurs noch besser war. Wir haben diesen Sommer Umsatzrückgänge von 5 bis 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Uns fehlen vor allem die Gäste aus Frankreich, Italien und England, aber auch aus den USA.
Aber eine Auslastung von fast 90 Prozent ist doch sehr gut.
Ja, bis Ende August sind die Buchungen noch in Ordnung. Aber nachher sieht es schlecht aus. Wir haben bereits Anfang Sommer die Öffnungszeiten verkürzt.
Wie lange können Sie so das Palace weiterbetreiben?
Momentan geht es noch, wir haben noch Reserven. Doch bleibt der Franken die nächsten vier Jahre so hoch, dann sehe ich schwarz. Wir würden ein ernsthaftes Problem bekommen. Für diesen Winter kalkuliere ich einen Umsatzrückgang von 8 bis 15 Prozent.
Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Gästen aus dem EU-Raum?
Sie jammern, die Schweiz sei für sie wahnsinnig teuer geworden. Man spürt deutlich, dass sie weniger Geld ausgeben.
Haben Sie Beispiele?
Wir haben eine Stammkundin, die kaufte jedes Jahr ein 10er-Abo für Gesichtsbehandlungen à 9900 Franken. Nun sagt sie, sie könne sich das nicht mehr leisten. Oder eine Familie, die jedes Jahr eine grosse Party in einer Berghütte veranstaltete, sagte, dass sie das heuer nicht machen kann, weil der Franken so teuer ist. Auch an der Bar und im Restaurant werden nicht mehr die teuersten Weine konsumiert. Diese Zeiten sind momentan vorbei.
Wie hoch ist Ihr Anteil an Kunden aus dem EU-Raum und aus den USA?
Aus dem EU-Raum kommen 31 Prozent, aus den USA 10 Prozent. Unser wichtigster Markt sind Schweizer mit 47 Prozent.
Ihre Gäste kommen vorwiegend aus drei Wirtschaftsräumen. Warum bearbeiten Sie denn nicht die Wachstumsmärkte wie China, Indien, Russland, Brasilien?
Diese Märkte sind nicht sehr einfach zu bearbeiten. Nach ersten Erkenntnissen machten die Touristen aus diesen Märkten eher Gruppenreisen in die Schweiz. Sie kamen nicht als individuelle Fünfsterngäste. Zusätzlich braucht es Zeit, die richtigen Adressen und Kontakte in diesen Märkten zu gewinnen.
Sie beschäftigen fast 70 Prozent Angestellte aus dem EU-Raum. Warum bezahlen Sie deren Löhne nicht in Euro?
Die Arbeitsverträge sind alle in Schweizer Franken. Wir können das nicht so schnell in Euro umwandeln.
Der Bundesrat sucht derzeit sinnvolle Massnahmen, um die Folgen der Frankenstärke zu mildern. Was fordern Sie vom Bundesrat?
Ich fordere eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes für die Branche von 3,8 auf 2,5 Prozent. Das würde uns schon viel helfen. Der Tourismus ist für die Schweiz ein wichtiger Exportzweig: Er liegt hinter der Chemie und der Maschinenindustrie an dritter Stelle.
Ist es richtig, wenn das Restaurant in Bern ebenfalls vom tieferen Mehrwertsteuersatz profitieren kann und nicht nur das Hotel mit vielen Gästen aus dem EU-Raum?
Ein tieferer Mehrwertsteuersatz wäre sicherlich eine der schnellsten Lösungen, die der Bund vollziehen kann. Damit es rasch geht, sollte man von unterschiedlichen Sätzen absehen.
Gefordert werden in Ihrer Branche Subventionen des Bundes. Was halten Sie davon?
Die Hotellerie braucht keine Almosen aus Bern. Wir brauchen Massnahmen, die nachhaltig helfen, unsere Kosten zu senken. Handelshemmnisse sollen abgebaut werden, das Cassis-de-Dijon-Prinzip soll effektiv durchgesetzt werden. Zudem soll der Bund mit der EU ein Agrarfreihandelsabkommen abschliessen. In Zeiten wie heute werden Hotels und Restaurants gezwungen, ihre Konzepte zu überdenken. Das ist auch gut so. Subventionen des Bundes würden dies nur verhindern.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 27.08.2011, 16:18 Uhr
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22 Kommentare
Grossmehrheitlich sind seine Gäste Leute, die den Fünfer nicht zweimal umdrehen müssen. Von dieser Seite herrscht sicher keine Not. Und was das Personal anbelangt, kann ich annehmen, dass immer noch die selben Hungerlöhne bezahlt werden wie vor 40 und mehr Jahren. Herr Scherz ist sicher kompetent, aber dennoch ein Angestellter und somit einem Gremium verpflichtet. Er ist kein Patron. Antworten
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