«Ich zähle das Geld nicht jeden Tag»

12 Milliarden Franken soll das Vermögen von Hansjörg Wyss betragen. Was er zum SNB-Coup sagt. Und: Hat er Geld verloren?

«Die meisten Leute reagieren viel zu schnell»: Hansjörg Wyss äussert sich am Rand der «Struggle for survival»-Simulation in Davos zum SNB-Coup vom letzten Donnerstag.

«Die meisten Leute reagieren viel zu schnell»: Hansjörg Wyss äussert sich am Rand der «Struggle for survival»-Simulation in Davos zum SNB-Coup vom letzten Donnerstag. Bild: cpm

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Und plötzlich taucht er da auf, am WEF in Davos. Das ist für ihn und das Forum eine Premiere. Obwohl er zu den Top Ten der reichsten Schweizer gehört, ein Unternehmen (den Medizinaltechnikkonzern Synthes) an die Weltspitze führte und sein Alter gegen die 80 Jahre geht, nimmt er zum ersten Mal den Weg an den Wirtschafts- und Polit-Gipfel in den Schweizer Bergen auf sich.

Der Berner, der inzwischen in den USA lebt, nahm am Dienstag an einer Veranstaltung mit Nachwuchskräften teil. Die Förderung der Jungen ist ihm ein Anliegen. Erst jüngst spendete er 120 Millionen Franken für ein neues Forschungsinstitut an der Uni und der ETH in Zürich. Am Rand einer Armutssimulation in Davos (wir berichteten) spricht Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit Wyss über den SNB-Coup vom letzten Donnerstag.

Hat er Geld verloren?

«Es ist ja nichts passiert», sagt Wyss mit Blick auf die wilden Ausschläge an den Finanzmärkten schmunzelnd. «Die SNB hat einfach einen Entscheid gefällt.» Macht ihm das als ehemaligem Unternehmer keine Sorgen, gerade ihm als früherem Werkplatzvertreter? Es sei jetzt noch zu früh, um die Folgen abschätzen zu können. «Wir sehen dann in sechs bis neun Monaten, was das für die Wirtschaft bedeutet.» Hier liegt er mit anderen Beobachtern auf der gleichen Linie.

Wo allenfalls konkrete Folgen unmittelbar abzusehen sind, ist bei den eigenen Anlagen. Immerhin rauschte der SMI in den letzten Tagen um rund 15 Prozent in die Tiefe, der Franken wertete sich zu Euro und Dollar zwischenzeitlich um 10 bis 20 Prozent auf. Direkt gefragt, hat Wyss Geld verloren? «Erstens einmal habe ich das gar nicht kontrolliert – ich zähle das Geld nicht jeden Tag wie andere Leute. Und zweitens ist das gar nicht so wichtig.»

Kein Verständnis für rasches Handeln

Die wilden Ausschläge an den Märkten nimmt er zur Kenntnis – allerdings mit einem gewissen Unverständnis. «Die meisten Leute reagieren viel zu schnell. Die Börse stürzt am einen Tag ab und am nächsten werden die Verluste wieder wettgemacht.» Hierauf zu reagieren, ist offenbar nichts für ihn. «Wenn die Kurse runtergehen, sind das ja nur Papierverluste. Aber das spielt doch keine Rolle.»

Wyss will sein Geld offensichtlich anders als an den Finanzmärkten einsetzen. Neben seiner Grossspende für Uni und ETH in Zürich wurde im letzten Sommer bekannt, dass er die Hälfte seines Vermögens der wohltätigen US-Kampagne The Giving Pledge von Bill Gates und Warren Buffett spenden will. Zudem unterstützt er zusammen mit Ernesto Bertarelli die Pläne für ein neues Forschungszentrum am ehemaligen Serono-Sitz in Genf.

Wyss verkaufte 2011 sein Lebenswerk, den Konzern Synthes, für 21 Milliarden Dollar an den US-Riesen Johnson & Johnson. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.01.2015, 17:42 Uhr

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