«Es herrscht kein dauernder Albtraum»

US-Aussenminister John Kerry hat in seiner Rede am WEF Zuversicht verströmt. Die Welt sei im Wandel, aber nicht nur zum Negativen.

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Das WEF sei eine Gelegenheit, um der Welt auf den Puls zu fühlen, sagte John Kerry, Aussenminister der USA im Kongresszentrum von Davos. Er habe die Überzeugung gespürt, dass die Gesellschaft die Welt verändern könne.

Es gebe so viele Gräuel auf der Welt, so Kerry weiter. Einige Menschen seien sogar bereit, sich aus ideologischer Überzeugung selber zu töten. «Sind wir jetzt in einer unaufhaltbaren Abwärtsspirale? Eine neue Realität, die wir nicht verändern können?»

Die Bevölkerung sei nicht in einem fortwährenden Stillstand, es herrsche «kein dauernder Albtraum». Deshalb wolle er gegen das Gefühl vieler ankämpfen, die Politik würde nur «die Liegestühle an Deck umstellen, während die globale Titanic sinkt».

Lobes-Hymne auf Obama

Was folgte, war eine lange Liste, was sich im vergangen Jahr auf der Welt verbessert habe: Atomabkommen mit dem Iran, das Pariser Klimaabkommen, die Transpazifische Partnerschaft, der Sieg über Ebola, die Annäherung an Kuba – dies alles sei dank Initiativen von US-Präsident Barack Obama geschafft worden.

Und die Bemühungen der USA würden weitergehen: bei der Bildung einer libyschen Regierung, bei den Friedensverhandlungen in Kolumbien, in der Zypernfrage oder bei der Umsetzung des Minsker Abkommens.

«Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei»

Den Kampf gegen gewaltsamen Extremismus bezeichnete Kerry als die grösste Herausforderung der heutigen Gesellschaft. Dabei seien aber zwei Gefahren zu vermeiden: erstens, dass Gewalt nicht zur Normalität werde; und zweitens, dass die Gesellschaft nicht überreagiere.

Man müsse sich aber denen widmen, die die Gewalttaten ausüben. «Es herrscht nicht, wie viele behaupten, ein Kampf zwischen zwei Zivilisationen», sagte Kerry. «Es herrscht bloss ein Kampf zwischen der Zivilisation und der Barbarei.»

Bei jedem Terrorakt gebe es aber auch eine Chance, um die Radikalisierung zu bekämpfen. «Wir wollen, dass der Terror hilft, sich zu vereinen.» So seien Koalitionen von Ländern aus aller Welt entstanden, die sich bemühen, die extremistische Gewalt zu bekämpfen.

Mehr Hilfe für Syrien-Flüchtlinge

Kerry rief weiter dazu auf, die finanziellen Mittel für die Syrien-Hilfe um fast ein Drittel zu erhöhen. Geberländer sollten den UNO-Hilfsorganisationen mindestens 30 Prozent mehr als bisher überweisen, damit sie die Opfer des Krieges versorgen können. Dafür seien insgesamt 10 bis 13 Milliarden Dollar pro Jahr erforderlich.

US-Präsident Barack Obama wirke auch darauf hin, dass sich zehn weitere Länder zur Aufnahme syrischer Kriegsflüchtlinge bereiterklären, sagte er, ohne einzelne Staaten zu nennen. Andere Staaten sollten aufgerufen werden, sich zur Aufnahme von noch deutlich mehr Kriegsflüchtlingen als bisher bereitzuerklären.

Die USA würden sich zudem dafür einsetzen, dass eine Million Flüchtlingskinder mehr als bisher Schulunterricht bekommen. Zugleich solle erreicht werden, dass eine Million mehr Asylsuchende aus Syrien in ihren Aufnahmeländern legal einer Arbeit nachgehen können. (ij/sda)

Erstellt: 22.01.2016, 15:25 Uhr

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