Die Selbstdarsteller am WEF

Davos ist auch ein Schaulaufen der Mächtigen – und eine Tribüne für alle jene, die ein Selfie mit ihnen wollen.

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Das Bild, das vom diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos in Erinnerung bleiben wird, ist geschossen. Das Bild von Keystone-Fotograf Jean-Christophe Bott zeigt, wie Bundesrat Didier Burkhalter vom amerikanischen Aussenminister John Kerry hinterrücks ... nun ja, was genau: gepackt, gewürgt, massiert wird? Jedenfalls scheinen sich die beiden nach all ihren Gesprächen über drei der grössten politischen Konflikte der jüngeren Zeit – Ukraine, Syrien, Iran – gut zu verstehen, wie die ganze Bildfolge des Agenturfotografen zeigt. Damit ist auch belegt, was Burkhalter der «Nordwestschweiz» sagte: «Auf Englisch würde man vielleicht sagen, wir sind ‹close›».

Bilder: Jean-Christophe Bott/Keystone

Das Bild des Amerikaners ohne Berührungsängste und des geschmeichelten Schweizers hat es gar auf die Titelseite der «Neuen Luzerner Zeitung» geschafft und ist von «Le Temps» mit einem eigenen Artikel bedacht worden.

Ansonsten zeigen die Bilder vom WEF wie immer dasselbe: Menschen, die sich freuen, dass sie auf demselben Bild sind (oder so tun müssen). Spannend an den Bildern ist das Machtgefälle zwischen den Protagonisten und der Grad an Zuneigung, den sie erkennen lassen.

Noch eher steif fiel die Begrüssung zwischen dem neuen Bundesrat Guy Parmelin und US-Verteidigungsminister Ashton Carter aus:

Es mag sein, dass früher nicht weniger Erinnerungsbilder mit wichtigen Persönlichkeiten geschossen wurden. Doch seit alle Welt auf Facebook und Twitter ist, kann jeder seine Trophäe ins Internet stellen. Hier hat es Facebook-COO Sheryl Sandberg erwischt:

Während die mächtigsten Akteure selten wirken, als ob es ihre Idee gewesen wäre, scheinen die weniger wichtigen Politiker und Wirtschaftsleute keine Gelegenheit zum gemeinsamen Bild auszulassen. Ob Selfie oder von einem Dritten aufgenommen: Auf Twitter lässt sich zeigen, dass man da war – und wen man da traf. So nutzte der frühere deutsche Wirtschaftsminister und heutige WEF-Vorstand Philipp Rösler die Gelegenheit, sich mit dem deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck zu zeigen:

Ebenso demonstrierte Rösler seine Sympathien für den 29-jährigen österreichischen Aussenminister Sebastian Kurz:

Während viele Schnappschüsse vom WEF die wacklige Selfie-Ästhetik haben, gehen nicht alle so weit wie der kanadische Premier Justin Trudeau: Er griff gleich zum Selfie-Stick:

Wie man ein ordentliches Selfie macht, weiss auch die amerikanische Botschafterin in der Schweiz, Suzi LeVine. Sie nahm Bundespräsident Johann Schneider-Ammann mit aufs Bild, als die beiden in Kloten auf US-Vizepräsident Joe Biden warteten. Umgekehrt irgendwie nur schwer vorstellbar.

Kräftig an der Verbreitung von WEF-Schnappschüssen sind auch die zahllosen PR-Abteilungen beteiligt. Hier hat jene der UNO abgedrückt, als Generalsekretär Ban Ki-moon mit Popstar Bono sprach:

Der Verlockung, sich mit den Mächtigen der Welt zu zeigen, können auch viele Journalisten nicht widerstehen. Auf Twitter wirken mehr als beste Freunde der Mächtigen denn als Wachhunde der Demokratie. Hier ein amerikanischer Journalist mit dem britischen Premier David Cameron.

Philipp Mäder, Nachrichtenchef der «Schweizer Illustrierten», wo die Nähe zu den Berühmten zum Geschäft gehört, rief gleich die «allseits beliebte Serie: Der Star und ich» aus. Man mag sich allerdings fragen, ob «Bild»-Herausgeber Kai Diekmann wirklich ein Star ist.

Geschlagen wurde Mäder in der Kategorie «Der Star und ich» sowieso von SRF-Moderator Reto Lipp. Dieser schmiegte sich gleich an eine ganze Reihe seiner Gäste:

Auch den besten Selfie-Jägern gelingt aber nicht alles. Bei den wirklichen Stars hilft nur noch einfach draufhalten: Bei Leonardo diCaprio ...

... und bei Frank Underwood, äh, Kevin Spacey.

(mw)

(Erstellt: 22.01.2016, 15:32 Uhr)

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