Kokain am WEF – fünf Wachleute nach Hause geschickt

Zwölf in Davos stationierte Soldaten haben Drogen konsumiert. Zumindest einer muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Zwölf WEF-Soldaten wurden positiv auf Cannabis und Kokain getestet.

Zwölf WEF-Soldaten wurden positiv auf Cannabis und Kokain getestet. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Mit Helikoptern und Stacheldraht beschützt die Schweizer Armee die Teilnehmer des WEF in Davos. Tausende Schweizer Soldaten sind vor Ort stationiert. Diese verantwortungsvolle Aufgabe erfordert volle Konzentration. Doch heute wurde bekannt, dass zwölf Soldaten während ihres Einsatzes am WEF Drogen konsumiert haben. Dies bestätigt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet Stefan Hofer, der Sprecher der Armee am WEF.

Am Dienstag wurden bei einer Kontrolle zwölf Soldaten positiv auf Betäubungsmittel getestet: Sieben hatten Cannabis geraucht, fünf weitere hatten nicht nur gekifft, sondern auch Kokain konsumiert. Und einer der Soldaten trug sogar drei Gramm Kokain auf sich.

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Die Kontrolle wurde beim Gebirgsinfanterie-Bataillon 30 durchgeführt, nachdem die Militärpolizei eine Meldung mit Verdacht auf Drogenkonsum in dieser Truppe erhalten hatte. Das Bataillon setzt sich vorwiegend aus Soldaten und Kader des Kantons Tessin und der Bündner Südtäler zusammen. Es besteht aus 650 bis 700 Soldaten, die zurzeit am WEF ihren Wiederholungskurs absolvieren.

In solchen Fällen würde man Kontrollen dort durchführen, wo es einen Verdacht gebe. Das sei nur bei einem Standort der Fall gewesen, sagt Hofer. Insgesamt seien 25 verdächtige Personen kontrolliert worden.

Gewehrschuss nur knapp an einem Kollegen vorbei

In der Nacht auf Donnerstag schoss ein Soldat nur knapp an einem Dienstkollegen vorbei. Aus seinem Gewehr löste sich – wohl zufällig und ohne Absicht – ein Schuss. Der Kollege blieb zwar unverletzt, erlitt aber einen Schock und beklagt sich seither über Hörprobleme. Er wird auf Tinnitus untersucht. Ob der Konsum von Betäubungsmitteln etwas mit diesem Vorfall zu tun hat, kann die Armee nicht sagen.

Wegen des gelösten Schusses wurde eine Untersuchung eröffnet, wie Tobias Kühne, Sprecher der Militärjustiz, bestätigt. «Nach bisherigen Erkenntnissen hat sich der Schuss im Zusammenhang mit dem Entladevorgang gelöst.» Es habe sich aber niemand im unmittelbaren Gefahrenbereich befunden. Zu den Umständen kann er wegen der laufenden Untersuchung aber nicht mehr sagen.

Welche Konsequenzen die Soldaten befürchten müssen, die positiv auf Drogen getestet wurden, ist nicht Sache der Militärjustiz. «Bei Besitz und Konsum von geringfügigen Mengen ist der Truppenkommandant zuständig», sagt Kühne. Nicht geringfügig seien über 10 Gramm Cannabis oder über 1 Gramm Kokain: «Für die anderen Fälle ist die zivile Justiz zuständig.»

Die koksenden Soldaten wurden aus dem Militärdienst entlassen

Die kiffenden Soldaten müssen mit disziplinären Strafen rechnen. Der Konsum von leichten Drogen werde durch den jeweiligen Truppenkommandanten geahndet, sagt Kühne. «Das kann bis zehn Tage Arrest bedeuten und Bussen bis zu 500 Franken.»

Die fünf Soldaten, die Kokain konsumiert haben, wurden bereits aus dem Militärdienst entlassen – sprich: nach Hause geschickt. Dies teilt Stefan Hofer, Armeesprecher am WEF auf Anfrage mit: «Alle zwölf Soldaten werden mit Disziplinarstrafen rechnen müssen.»

Insgesamt seien 4500 Soldaten am WEF stationiert, sagt Hofer. «Es ist wichtig, zu sagen, dass der weitaus grosse Teil der Truppe einen sehr guten Job macht.» Die Armee sei ein Abbild der Gesellschaft. Da dürfe es nicht überraschen, wenn auch schwarze Schafe darunter seien. «Die Sicherheit des WEF war zu keinem Zeitpunkt gefährdet», sagt Hofer.

WEF-Teilnehmer nehmen es gelassen

«Das gehört definitiv nicht ans WEF», sagt Marina Hartmann. Die 26-jährige Bündnerin, die diese Woche am Forum jobbt, macht sich aber wenig Sorgen, dass die Sicherheit in der Bergstadt deshalb gefährdet sein könnte. Sollten sich die Informationen tatsächlich bestätigen, handle es sich «vermutlich um ein paar wenige Einzelfälle». Und das bei mehreren Tausend Sicherheitsleuten im Einsatz. Schliesslich komme es auch darauf an, ob diese Leute während ihres Einsatzes oder in ihrer Freizeit Drogen konsumierten.

Was sie eher noch bedenklich findet, ist die Wirkung, welche diese Nachricht vermittelt. «Solche Headlines sind natürlich nicht gut für die Ausstrahlung dieses Anlasses in den Schweizer Bergen.»

Verbreitet in den internationalen Medien haben sich die Drogen-News bisher allerdings noch nicht. Ausländische WEF-Gäste auf der Davoser Promenade zucken auf Nachfrage denn auch nur mit den Schultern. «Really?», sagt eine Frau in amerikanischem Englisch beim Vorbeigehen. Mehr nicht.

Eine Service-Angestellte, die ihren Namen nicht in den Medien lesen will, sagt: «Ich könnte Ihnen noch ganz andere Geschichten erzählen.» Allerdings blockt die Mittvierzigerin dann ab. Ein paar Soldaten, die kiffen, machen ihr wenig Angst. Sie sorgt sich vielmehr um mögliche Anschläge am WEF. «Wenn man sieht, wie extrem dieses Jahr die Sicherheitsvorkehrungen sind, dann muss ich ja davon ausgehen, dass die (die Sicherheitsbehörden) mehr wissen.»

Die Sicherheitskräfte am WEF werden von der Kantonspolizei Graubünden koordiniert. Auf Anfrage teilen die Graubündner Behörden mit, man habe Kenntnis von dem Fall: «Wir müssen jetzt aber zuerst herausfinden, was genau passiert ist, bevor wir Massnahmen treffen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 22.01.2016, 10:01 Uhr)

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