Wie ich tippe, so denke ich

Wie die Buchstaben auf der Tastatur angeordnet sind, beeinflusst unsere Vorlieben im Leben – eine neue ETH-Studie bestätigt den Qwerty-Effekt.

Qwerty oder Qwertz: Die Anordnung der Buchstaben auf der Tastatur prägt unsere Vorlieben.

Qwerty oder Qwertz: Die Anordnung der Buchstaben auf der Tastatur prägt unsere Vorlieben. Bild: Bogdan Cristel/Reuters

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Tagein, tagaus tippen wir auf der Tastatur unserer Computer. Wie die Buchstaben auf dem Keyboard angeordnet sind, hat dabei einen grösseren Einfluss auf uns, als viele meinen. Das Buchstaben-Layout beeinflusst sogar gewisse Vorlieben. Diesen sogenannten Qwerty-Effekt untersuchen Forscher schon länger. Qwerty steht für die obere Reihe links auf der englischen Tastatur, im Deutschen: Qwertz. Eine neue ETH-Studie zeigt nun, dass der Qwerty-Effekt noch weiter geht als bisher angenommen.

Der Qwerty-Effekt besagt, dass die meisten Menschen Wörter bevorzugen, die sie mehrheitlich mit Buchstaben auf der rechten Seite der Tastatur tippen. In der Studie «The Qwerty Effect on the Web» untersuchte der ETH-Forscher David Garcia, in wieweit sich diese Vorlieben auch im Web niederschlagen. Dafür analysierte er zusammen mit Markus Strohmaier vom Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Mannheim elf Webdienste wie Youtube, Amazon, Yelp, Rotten Tomatoes, Redtube oder Dooyoo. Die Forscher wiesen mit statistischen Methoden nach, dass sich der Qwerty-Effekt auch auf den untersuchten Websites deutlich niederschlägt.

Bei Amazon, Yelp oder Dooyoo zeigte die Analyse beispielsweise, dass positive Reviews mehr Buchstaben von der rechten Tastaturseite beinhalten, negative mehr von der linken. Auf Youtube und der Filmbewertungsseite Rotten Tomatoes bekamen Filmtitel mit Buchstaben von rechts deutlich mehr Likes. Als Beispiel führt Garcia den Film «Fantastic Four» (2015) an, der aus nur drei Buchstaben von rechts besteht und deutlich durchfiel. Die einzige Ausnahme in dem Datensatz war die Pornoseite Redtube. Ihre Kunden scheinen lieber mit der linken Hand zu tippen.

Warum die Buchstaben von der rechten Seite der Tastatur viel populärer sind, wissen die Forscher noch nicht genau. Als Haupterklärung für den Qwerty-Effekt gilt, dass rund 90 Prozent der Menschen Rechtshänder sind und ihnen das Tippen rechts einfach leichter falle. Eine andere Erklärung besagt, dass rechts mehr Vokale liegen, die für unsere Sprache eine grössere Bedeutung hätten als die Konsonanten.

Die Qwerty-Tastatur geht zurück auf die alten Remington-Schreibmaschinen. Damit sich die Tasten weniger miteinander verhakten, führte der US-Hersteller 1878 die erste Schreibmaschine mit dem Qwerty-Layout ein. Buchstaben, die man häufig tippt, sollten dabei möglichst nicht nebeneinanderliegen. Die Anordnung der Buchstaben hat sich seither gehalten und mit der Computerrevolution in die Köpfe der Menschen geschlichen.

Eine amerikanische Studie zeigte 2014, dass sich der Qwerty-Effekt in den letzten Jahrzehnten sogar bei den Namen zeigt, die Eltern ihren Kindern geben. Ein Blick auf die Schweizer Namenshitparade aus dem Jahr 2015 scheint das zu bestätigen. Auf Platz eins bei den Mädchen steht Mia, bei den Jungen ist es Noah. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2016, 14:07 Uhr

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