…4 Jahren: Frankreich brennt
Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 26.10.2009
Der Auslöser war der Unfalltod zweier Jugendlicher, die im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois vor der Polizei auf der Flucht waren. Es ist der Funken im Pulverfass der aufgestauten Wut der Migrantenkinder Frankreichs. Die gewalttätigen Unruhen, die in der Folge ausbrechen, werden zum Protest gegen die soziale Ausgrenzung der Jugendlichen aus den Vorstädten, den sogenannten Banlieues. Autos und öffentliche Gebäude werden in Brand gesteckt Bushaltestellen und Telefonzellen zerstört. Wie ein Lauffeuer breiten sich die Randalen im ganzen Land aus.
Erst nach dem Tod eines 61-jährigen Franzosen meldet sich der damalige Präsident Jacques Chirac zu Wort. Hilflos versucht er die Lage zu beruhigen. Unterdessen giesst der damalige Innenminister Nicolas Sarkozy Öl ins Feuer, indem er die Jugendlichen als «Gesindel» und «Abschaum» bezeichnet, die man mit «einem Hochdruckreiniger wegspritzen» müsse. Sarkozy, der eine Nulltoleranzpolitik führt, wird zur Hassfigur der Jugendlichen der Vorstädte.
Schwarzer Herbst
Am 8. November 2005 sieht sich Premierminister Dominique de Villepin gezwungen, den Ausnahmezustand über die betroffenen Gebiete und Grossstädte zu verhängen. Erst gegen Mitte November flauen die Unruhen langsam ab. In Herbst 2005 werden fast 3'000 Menschen vorübergehend verhaftet und über 9'000 Autos zerstört. Die Lage der Banlieue-Kinder hat sich bis heute nicht spürbar verbessert. Nicolas Sarkozy ist unterdessen ihr Präsident. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.10.2009, 16:11 Uhr

