«Ist es die Schweinegrippe oder nur eine Erkältung?»

Von Maria Rodriguez. Aktualisiert am 03.08.2009 18 Kommentare

Da Spitäler und Hausärzte nur bei schweren Fällen einen Test durchführen, sind viele Patienten verunsichert. Wer die Schweinegrippe hat, erfährt es unter Umständen nie.

Seltenes Bild : Laborresultat eines Schweinegrippe-Patienten.

Seltenes Bild : Laborresultat eines Schweinegrippe-Patienten.
Bild: Marzial Trezzini/Keystone

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Aktuelle Situation

Gemäss BAG gibt es in der Schweiz 484 laborbestätigte Fälle der Schweinegrippe. Davon haben sich 297 Personen im Ausland, 93 in der Schweiz angesteckt. Weitere 94 Fälle sind in Abklärung.

Im Kanton Zürich wurden 26 Fälle gemeldet. Im Vergleich zu anderen Kantonen ist dies wenig. Zum Vergleich: Im Wallis sind es 78, im Kanton Genf 65 Fälle. (Stand: 31. Juli 2009)

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Romina Graf* weist typische Grippesymptome wie Gliederschmerzen und erhöhte Temperatur auf. Ihr Zustand verschlechtert sich im Laufe des Tages, ihr Mann André Graf* ist besorgt und beschliesst am Abend die Notfallstation des Universitätsspitals aufzusuchen: «Wir wollten wissen, ob es die Schweinegrippe oder nur eine Erkältung ist», schildert André Graf die Situation gegenüber Tagesanzeiger.ch. Im Spital angekommen, wird Romina Graf gefragt, ob sie in einem Hochriskogebiet auf Reisen war: «Diese Frage haben wir verneint, Rominas Chef aber reist um die halbe Welt und hätte sie angesteckt haben können», so Graf weiter.

Daraufhin erhält das Ehepaar einen Mundschutz. Kurz darauf kommt ein Arzt und misst Fieber. Da dieses nicht besorgniserregend hoch ist, verzichtet der Arzt auf einen Test und schlägt der Kranken vor sich auszukurieren und nicht zur Arbeit zu gehen. Die Grafs fühlen sich nicht ernst genommen: «Nach allen Warnungen vom Bund dachte ich, ich verhalte mich wie ein guter Bürger und mache das Richtige. Falls sich meine Frau mit der Schweinegrippe angesteckt hätte, hätten wir das gerne gewusst», so André Graf weiter. Bei einem positiven Befund hätte der selbstständige Unternehmer befürchtet, nicht nur selber angesteckt zu werden, sondern auch noch sein Team ausser Gefecht zu setzen.

Nur schwerwiegende Fälle werden getestet

In der Notfallstation des Universitätsspital erscheinen täglich bis zu fünf Patienten mit Verdacht auf Schweinegrippe. Doch getestet werden längst nicht alle. Man halte man sich an die Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit, so Christian Ruef, Leiter Spitalhygiene und Infektiologie: «Wir testen Schwangere, Leute mit Grundkrankheiten, wie zum Beispiel Diabetes, und schwere Grippefälle.» Ausserdem würden die Krankenkassen nur solche Tests zahlen, welche gemäss den BAG-Richtlinien durchgeführt würden: «Ein Test kostet 360 Franken. Zudem hätten die Labore Kapazitätsprobleme, wenn wir jeden Patienten testen würden. Bei der normalen Grippe führen wir ja auch keine Tests durch», so Ruef weiter.

Beim Kantonsspital Winterthur laufen wegen der Schweinegrippe die Drähte heiss. Vor allem die Dienstärzte der Medizin und Kinderklinik erhalten viele telefonische Anfragen: «Es wird versucht, Konsultationen in den Notfallstationen und Arztpraxen nur bei schwerer Erkrankung oder in speziellen Risikosituationen durchzuführen», sagt Jacques Gubler, Chefarzt Medizinische Poliklinik am Kantonsspital Winterthur. Patienten, welche ambulant betreut werden, würden nach der Untersuchung wieder nach Hause geschickt. Sei im Verlauf der Krankheit ein weiterer Arztbesuch nötig, sollte dieser beim Hausarzt erfolgen.

Wer bezahlt den Test?

Auch die Hausärzte halten sich an die Weisung des BAG und testen nur bei schweren Fällen. Gemäss Marcella Siegrist, Präsidentin des Vereins Hausärzte der Stadt Zürich machen Labortest bei sämtlichen Verdachtsfällen wenig Sinn. Den Patienten empfehle man bereits am Telefon zuhause zu bleiben: «Sobald der Arzt aber entscheidet, dass es einen Test braucht, zahlt die Krankenkasse. Das ist aber auch bei anderen Krankheiten so», erklärt Siegrist. Romina Graf* geht es mittlerweile wieder gut. Ob sie die Schweinegrippe hatte, oder einfach nur eine Erkältung hatte, wird sie nie erfahren.

* Name der Redaktion bekannt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.08.2009, 16:11 Uhr

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18 Kommentare

Rolf Schumacher

03.08.2009, 18:04 Uhr
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@Hofer. Tamiflu nützt nur wenn es innerhalb 24h nach Auftreten von Symptomen eingenommen wird. Tamiflu verkürzt laut Studien die Krankheitsdauer lediglich um wenige Tage. Bei chronisch Kranken und Imunsupprimierten ist dieser Effekt nicht erwiesen. Ob die Mortalität (Sterblichkeitsrate) gesenkt wird ist nicht klar. Das Geld für den Test kann man sich getrost sparen. Antworten


Thomas Baer

03.08.2009, 17:40 Uhr
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Seit Monaten schon ziert die Schweinegrippe alle Titelblätter, mit zum Teil sehr kontroversen Beiträgen und zum Teil reisserischen Titeln, die mit dem, was die Schweinegrippe eigentlich ist, kaum etwas zu tun hat! In unserer Welt vergessen wir oft, dass es schon viele andere Pandemien gegeben hat. Ob da ein "so grosses Theater" gemacht wurde, wage ich zu bezweifeln. Was war mit der Vogelgrippe? Antworten



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