Jeden Tag werden Viren mit dem Zug transportiert
Aktualisiert am 28.04.2009 45 Kommentare
Solche Boxen werden zum Transport medizinischer Proben verwendet.
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Die Viren waren für das nationale Grippe-Zentrum in Genf bestimmt. Dort sollte im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ein Test zur Diagnose der Schweinegrippe entwickelt werden.
Ein Genfer Angestellter hatte in Zürich acht Fläschchen abgeholt, um sie per Zug nach Genf zu transportieren. Fünf davon enthielten die Schweinegrippe-Viren, in drei weiteren befand sich Nukleinsäure.
Trockeneis falsch platziert
Diese Fläschchen waren luftdicht verpackt und mit Trockeneis - festem Kohlendioxid - gekühlt. Die Viren seien nach den gängigen Regeln verpackt gewesen, sagte Laurent Kaiser, Leiter des Genfer Laboratoriums für Virologie am Montagabend vor den Medien.
Allerdings war das Trockeneis irrtümlicherweise innerhalb statt ausserhalb des Vakuums platziert worden. Es taute auf, und im Innern der Verpackung entstand ein Überdruck. Schliesslich explodierte das Paket. Der Transporteur und eine Frau erlitten leichte Verletzungen.
Nicht das gefährliche Virus
Laut Kaiser handelte es sich bei den Proben zwar um Viren des Schweinegrippe-Stamms H1N1. Mit dem derzeit grassierenden aggressiven Schweinegrippe-Virus seien diese aber nicht identisch.
Auch der Transporteur wusste, dass er keine gefährlichen Viren beförderte. Er informierte umgehend das Zugpersonal. Nach vierzig Minuten wurden auch die SBB und die Behörden über den Zwischenfall informiert.
Nach Auskunft von Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorbereitung im BAG, handelte es sich um Viren rein porzinen Ursprungs. Diese könnten zwar auf den Menschen übertragen werden, lösten aber nur leichte Grippesymptome aus. Die Viren würden bei der Entwicklung des Tests zur Kontrolle gebraucht. Der Transport mitten in einem Passagierzug entsprach laut Mathys den Vorschriften, wie sie für die Sicherheitsstufe 2 gelten. Mir Ausnahme der Trockeneisverpackung sei eigentlich alles richtig gelaufen, sagte der BAG-Experte und sprach von menschlichem Versagen.
Spezialisten ausgesandt
Die Polizei stoppte den Zug vor der Einfahrt in den Bahnhof Lausanne und entsandte Spezialisten zur Abklärung der Situation in den Zug. Dabei habe es sich um Vorsichtsmassnahmen gehandelt, teilte die Waadtländer Kantonspolizei mit.
Er bedaure den Vorfall, sagte Kaiser weiter. Er erinnerte aber daran, dass jeden Tag Viren mit dem Zug transportiert würden. Einige seien sogar per Post unterwegs.
Die gestrige Explosion ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Freiburg. Vor Lausanne wurde der Zug für mehrere Stunden auf ein Abstellgleis gestellt. Die 61 Passagiere, die sich im betroffenen Bahnwagen befanden, wurden während einer Stunde abgesondert, bis eine Ansteckung vollständig ausgeschlossen werden konnte. (sam/sda)
Erstellt: 28.04.2009, 10:34 Uhr
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45 Kommentare
Es ist eine Frechheit, wie der Leiters des Genfer Laboratoriums, die Tatsache, dass ein Virenbehälter explodiert ist, verharmlost & dies zu einer Bagatelle machen will. Nach gängigen Regeln verpackt?! Wenn dies der Fall gewesen wäre, so hätte es keine Explosion gegeben PS& zur Info: A/H1N1= Subtyp der Humaninfluenza, kann sehr leicht in menschliche Körperzellen eindringen & Erbgut einschleusen... Antworten
Ein Skandal erster Güte! Der Verpackungsfehler hätte auch bei hoch toxischem Inhalt passieren können. Dieser leichtsinnige Umgang mit gefährlichem, tödlichem Material muss sofort, sofort unterbunden werden. Die üblichen Entschuldigungen und Herunterspielungen die nun folgen werden zeigen, dass man nichts dazugelernt hat. Antworten





