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Panikmache mit der Schweinegrippe: Regierung der Ukraine in der Kritik

Entgegen einer Einschätzung der WHO herrscht in der Ukraine wegen der Schweinegrippe grosse Unruhe – auch aus politischen Gründen, wie Beobachter vermuten.

Maskiert im Alltag: Ein Autobus am 2. November im Zentrum der Stadt Lviv.

Maskiert im Alltag: Ein Autobus am 2. November im Zentrum der Stadt Lviv.
Bild: Reuters

Aus Angst vor einer Ausbreitung der Viruserkrankung wurden Schulen geschlossen, Reisebeschränkungen verhängt und öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Montag allerdings, es gebe derzeit keine Belege dafür, dass der Ausbruch der neuen Grippe in der Ukraine besonders schlimm wäre.

Politische Beobachter äussern den Verdacht, dass einige Politiker die Angst in der Bevölkerung vor der Schweinegrippe angesichts der bevorstehenden Präsidentenwahl im Januar dazu nutzen wollen, um Punkte bei den Wählern zu sammeln.

Gezielter Auftritt der Ministerpräsidentin

«Alle Kandidaten suchen nach einem Wahlkampfthema, und die Grippe ist derzeit ein ganz grosses Thema», sagte Konstantin Bondarenko, der Direktor des Gorschenin-Instituts. Es herrsche Panik, und die Politiker nutzten dies aus, sagte Bondarenko weiter.

Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, die bei der Präsidentenwahl gegen Amtsinhaber Viktor Juschtschenko antreten wird, nahm am Montag auf dem Flughafen von Kiew öffentlichkeitswirksam eine Ladung Impfstoff aus der Schweiz in Empfang.

Angeblich schon 48 Todesopfer

Präsident Juschtschenko hatte am Wochenende erklärt, 48 Menschen im Land seien an Grippe gestorben, davon elf an den Folgen der Schweinegrippe. Zehntausende Menschen hätten sich angesteckt. Das Gesundheitsministerium sprach am Montag von 67 Grippetoten – doch die Behörde machte keine Angaben dazu, wie viele davon an der Schweinegrippe starben.

Auf Bitten der Regierung in Kiew schickte die WHO ein Expertenteam in die Ukraine, um bei der Bewältigung der Grippewelle zu helfen. «Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass die Lage ernst ist», sagte WHO-Sprecherin Liuba Negru. (raa/ap/)

Erstellt: 02.11.2009, 20:37 Uhr

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2 Kommentare

Charles Brunner

03.11.2009, 14:24 Uhr
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Man muss das Ganze nicht nur aus politischem Winkel betrachten. Wir hatten eine Praktikantin aus der Ukraine. Sie schreibt am 1.11., also vor der Radio- und Zeitungsmeldung: Heute ist das Problem Schweinegrippe. Jeden Tag 10 Leute tot, heute schon 53 Leute. Und dann der Satz: "Ich habe Angst ... " Antworten


Heinz Meyer

02.11.2009, 20:09 Uhr
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Wenn es sonst kein wichtiges Wahlkampfthema gibt, ist auch die Schweinegrippe eine Möglichkeit. Wobei es in der Ukraine an wesentlichen Wahlkampfthemen nicht mangeln würde: Wirtschaftskrise, Korruption, HIV-Epidemie (und das ist wirklich eine Epidemie in diesem Land - nur redet niemand darüber). Antworten



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