Schweinegrippe: Die Schweiz ändert ihre Impfstrategie
Von Marc Badertscher. Aktualisiert am 21.10.2009 32 Kommentare
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In zwölf Tagen startet das landesweite Impfen gegen die Schweinegrippe. «Am Zeitplan hat sich nichts geändert», sagt Jean-Louis Zurcher vom Bundesamt für Gesundheit. Verändern wird sich bis dahin allerdings der Stoff, der geimpft werden soll. Zumindest für Schwangere und Kinder.
Bis anhin war geplant gewesen, allen Impfwilligen einen Impfstoff mit Wirkverstärker zu spritzen. Dieser Zusatz hilft, die benötigte Menge an Impfstoff zu reduzieren, und erhöht gleichzeitig die Wirksamkeit der Impfung. Beides war erwünscht, als die Behörden ihre Pandemievorsorge planten: Es gab zu wenig Impfstoff, und man befürchtete eine Pandemie mit hohen Todesraten.
Verheerende Nebenwirkungen
So viel man heute weiss, droht diesen Winter keine ultragefährliche zweite Welle der Schweinegrippe. Und damit rücken die Nebenwirkungen dieser zusätzlichen Wirkstoffe in den Vordergrund. Chefarzt Pietro Vernazza vom Kantonsspital St. Gallen kennt sie. Er hat sich das sogenannte Adjuvans AS03 von GlaxoSmithKline, das in der Schweiz zum Zuge kommen soll, in einer Studie selber gespritzt: «Das spürt man. Der Arm tut weh. Und in der Nacht schläft man schlecht. In einigen Fällen tritt Fieber auf. Und einige wenige Prozent der Geimpften dürften am Tag bei der Arbeit behindert sein», erzählt er. Bisher wurde im Zusammenhang mit dem Impfstoff noch kein Guillain-Barré-Syndrom (Lähmungserscheinungen) beobachtet, doch diese sehr seltene Nebenwirkung kann nie ausgeschlossen werden. Bei Kindern treten die Nebenwirkungen tendenziell stärker auf.
Nun haben die Behörden reagiert. «Weil es bisher für die Impfstoffe erst unzureichende klinische Daten insbesondere für Kinder und Schwangere gibt, werden wir konkrete Impfempfehlungen machen», sagt Joachim Gross von Swissmedic. Die Idee, Impfstoff ohne Wirkverstärker zu verwenden, war gestern auch Thema bei einem Treffen von Personen aus dem Bundesamt für Gesundheit, der Impfkommission und der Zulassungsbehörde.
Zusatz auf Vorrat
Gegenwärtig prüft Swissmedic, ob der Vorschlag umgesetzt werden kann. Die Schweiz könnte neuen Impfstoff kaufen. Oder die Schweiz könnte auf jenen bereits bei Glaxo gekauften Impfstoff setzen, der in den nächsten Tagen in reiner Form geliefert wird. Bisher war geplant, ihn mit Wirkverstärker zu strecken. Den Zusatz hat die Schweiz seit der Vogelgrippe-Vorsorge in grosser Menge vorrätig. Noch ist nicht klar, ob Swissmedic eine höher dosierte Glaxo-Impfung ohne Wirkverstärker in kurzer Zeit bewilligen könnte.
Vernazza begrüsst grundsätzlich die Adjuvans-freie Impfung für Schwangere, weil für diese Risikogruppe bisher zu wenig Erfahrungen gesammelt werden konnten. Auch Christoph Hatz vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich unterstützt «aus psychologischen Gründen» dieses Modell. Aus medizinischer Sicht würde allerdings nichts gegen den Einsatz von Wirkverstärkern sprechen. Er hat in einer Studie den Schweinegrippe-Impfstoff von Novartis getestet, der ebenfalls mit Wirkverstärkern arbeitet und den die Schweiz als Ergänzung zum Glaxo-Mittel gekauft hat. «Der Wirkverstärker bei Novartis ist in anderen Grippe-Impfungen seit 1997 zugelassen», sagt er. «Er ist sehr sicher.» Doch auch Hatz schliesst nicht aus, dass bei einer Massenimpfung einige Fälle mit dem Guillain-Barré-Syndrom auftreten.
Die Kosten werden steigen
Die Strategieänderung der Behörden dürfte einige Probleme mit sich bringen. Was ist, wenn nicht nur Schwangere darauf beharren, ohne Wirkstoff geimpft zu werden? «Das würde die bisherige Planung gefährden», sagt Vernazza. «Wir müssten auf die Leute eingehen, sie beraten.» Das heutige Konzept basiere auf dem Modell «eine Spritze für alle». Der Aufwand und somit die Kosten pro Impfung würden zunehmen.
Wichtig ist beiden Experten, dass sich breite Bevölkerungsschichten trotz aller Diskussionen um Nebenwirkungen impfen lassen. «Jeder, der sich impft, schützt damit die anderen und Schwächeren», sagt Hatz. Und Vernazza schätzt die Gefahr, anders als das Bundesamt für Gesundheit, grösser ein als bei einer saisonalen Grippe: «In der Gruppe der 25- bis 65-Jährigen starben in den USA bisher 1 bis 3 Prozent der an Schweinegrippe Erkrankten.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.10.2009, 04:00 Uhr
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32 Kommentare
Sorry es war nicht Paracelsus, der gegen das Quecksilber wetterte (Paracelsus hat sogar damit gearbeitet) sondern Hahnemann. Hahnemann fand es verantwortungslos mit welchen Methoden die damaligen Mediziner die Menschen behandelten (Arsen, Quecksilber, Aderlässe etc). Er war der Meinung das würde nur schaden. Deshalb praktizierte er einige Zeit kaum mehr und übersetzte Fachliteratur,. Antworten










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