Schweinegrippe: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Was ist die Schweinegrippe?
Auch unter Schweinen grassieren verschiedene Grippeviren. Der H1N1-Virensubtyp wurde erstmals im Jahr 1930 bei Schweinen isoliert. Etwa 25 Prozent dieser Tiere weltweit haben eine Infektion mit H1N1 durchgemacht. Dennoch ist der Begriff der Schweinegrippe in Israel auf Kritik gestossen. Bei Juden und Muslimen gelten Schweine als unreine Tiere, ihr Verzehr ist verboten. «Wir sollten lieber von der mexikanischen Grippe sprechen», sagte der israelische Vizegesundheitsminister Jakov Lizmann am Montag.
Wie kommt es zu Infektionen beim Menschen?
Infektionen von Menschen mit Schweinegrippe-Viren kommen gelegentlich vor. Wenn überhaupt, dann infizieren sich meistens Personen, die Kontakt zu Schweinen hatten. Der grösste bisher bekannte Ausbruch von Schweinegrippe betraf 1976 ein US-Militärlager in New Jersey. Dort erkrankten 230 Soldaten, 13 davon schwer, einer starb.
Wie wird das aktuelle H1N1-Schweinegrippevirus übertragen?
Vermutlich genau so wie die Grippeviren, durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen. Auch beim Berühren von Gegenständen, an denen die Viren haften, ist eine Ansteckung möglich, wenn sich die Person anschliessend an die Nase, die Augen oder den Mund fasst.
Wie äussert sich die aktuelle H1N1-Schweinegrippe beim Menschen?
Die Beschwerden gleichen jenen bei der «normalen» Grippe: Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitverlust, Husten. Auch Schnupfen, Halsweh, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sind bei der Schweinegrippe möglich. Möglicherweise gibt es auch milde Verläufe, die nicht als Schweinegrippe erkannt werden.
Wie kann man sich schützen?
Beim Husten oder Niesen sollte man den Mund und die Nase mit einem Taschentuch bedecken und dieses anschliessend wegwerfen. Hände häufig mit Wasser und Seife waschen, vor allem nach dem Husten oder Niesen. Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis sind ebenfalls wirksam. Augen, Nase und Mund möglichst nicht mit den Fingern berühren und den Kontakt mit erkrankten Personen vermeiden. Oberflächen, auf denen sich Grippeviren tummeln könnten, wenn möglich nicht anfassen.
Kann man sonst noch etwas tun?
Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC rät, ausreichend zu schlafen, Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren.
Wie lange ist eine Person ansteckend?
Bei Grippe ist die Ansteckungsgefahr am Tag vor dem Ausbruch der Symptome am grössten. Sie hält während bis zu sieben Tagen an. Kinder können die Viren zehn oder mehr Tage lang ausscheiden. Wie es sich bei der Schweinegrippe genau verhält, ist noch nicht bekannt.
Schützt eine durchgemachte Grippeinfektion oder eine Impfung?
Noch wissen die Behörden nicht, ob die Infektion mit den H1N1-Viren im Winter oder eine Grippeimpfung eine sogenannte Kreuzimmunität verleihen und wie gut die Antikörper auch vor dem Schweinegrippevirus schützen könnten.
Kann man sich durch Schweinfleisch anstecken?
Beim Erhitzen über 70 Grad Celsius werden die Viren abgetötet. Wenn das Fleisch richtig zubereitet wurde, geht keine Gefahr davon aus. Zudem gibt es bisher keine Berichte über eine Ausbreitung des neuartigen Virus unter Schweinen.
Wie gehen die Ärzte bei einem Verdacht vor?
Je nach Verlauf wird die Person zu Hause oder im Spital unter Quarantäne gesetzt, und die nahestehenden Personen erhalten eine vorbeugende Behandlung mit einem Anti-Viren-Medikament.
Soll man Tamiflu oder Relenza vorsorglich nehmen?
Nein. Fachleute raten dringend davon ab. Im Fall einer schweren Epidemie könnte hingegen das Gesundheitspersonal über Wochen prophylaktisch eines der Anti-Viren-Medikamente erhalten.
Wie lange dauert es, bis man einen Impfstoff hat?
Wenn das Virus genau identifiziert ist und die Weltgesundheitsorganisation WHO einwilligt, dauert die Entwicklungs- und Produktionszeit beim üblichen Grippe-Impfstoff zirka sechs Monate.
Ein (nicht mehr aktueller) Ratschlag von 1918:
«Waschen Sie Ihre Nase abends und morgens inwendig mit Wasser und Seife; zwingen Sie sich, abends und morgens kraftvoll zu niesen, atmen Sie danach tief ein und aus. Tragen Sie keinen Schal, unternehmen Sie regelmässig zügige Spaziergänge und laufen Sie von der Arbeit nach Hause; essen Sie viel Haferbrei.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.04.2009, 06:44 Uhr





