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Schweinegrippe fordert in der Schweiz ein drittes Todesopfer

Das Bundesamt für Gesundheit hat an einer Pressekonferenz in Bern über den neusten Stand in Sachen H1N1 berichtet. Tagesanzeiger.ch/Newsnet war live dabei.

Die Schweinegrippe-Welle breitet sich sehr schnell aus: Ernste Minen an der BAG-Pressekonferenz in Bern.

Die Schweinegrippe-Welle breitet sich sehr schnell aus: Ernste Minen an der BAG-Pressekonferenz in Bern.
Bild: Keystone

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Kein Tamiflu-Engpass absehbar

Beim Grippemittel Tamiflu ist in der Schweiz bisher kein Engpass absehbar. Die Versorgung funktioniere nach wie vor über den freien Markt, sagte Patrick Mathys, Leiter Pandemievorsorge des Bundesamts für Gesundheit (BAG), am Donnerstag. Hier seien sehr grosse Mengen verfügbar. Es gebe damit keinen Grund, die Pflichtlager zu öffnen. Auch für Kinder gibt es laut Mathys genug Tamiflu. Das Medikament kann laut Virginie Masserey, Leiterin der BAG-Sektion Impfungen, auch Kindern unter einem Jahr verabreicht werden. Tamiflu wird zur Behandlung von Grippeerkrankungen eingesetzt und hilft auch gegen H1N1. Es ist allerdings kein Wundermittel, wie Masserey anfügte. Eine schwere virale Lungenentzündung sei nur schwer zu behandeln. Wer einer Risikogruppe angehört, sollte sich bei ersten Krankheitssymptomen deshalb beim Arzt melden, um möglichst früh behandelt werden zu können.

Die Schweinegrippe hat in der Schweiz ein drittes Todesopfer gefordert. Es handelt sich dabei um eine 46-jährige Frau aus dem Kanton Zürich, die ausserdem an einer schweren Herzinsuffizienz litt und auch HIV-positiv war, wie Patrick Mathys, Leiter Pandemievorsorge des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), am Donnerstag vor den Medien in Bern bekannt gab. Zuvor waren bereits der Tod eines Säuglings im Baselbiet und der einer 54-jährigen Frau ebenfalls im Kanton Zürich bekannt geworden.

Waren die beiden Frauen geimpft, will eine Journalistin wissen. Das BAG habe nach den ihnen vorliegenen Information, keine Angaben, dass die beiden Frauen geimpft waren. Ganz sicher sei das aber nicht, die kantonalen Behörden wüssten mehr darüber.

17 Personen in Intensivpflege

Die Schweinegrippe breitet sich laut Mathys weiter rasant aus. Vergangene Woche gingen rund 20'000 Menschen wegen Grippesymptomen zum Arzt, wobei praktisch alle Konsultationen auf die Schweinegrippe zurückzuführen sein dürften. Die Zahl der laborbestätigten Fälle stieg auf über 4500. 85 Personen mussten hospitalisiert werden. 17 befinden sich in Intensivpflege.

In Irland und Island zeichne sich ein Rückgang der Ausbreitung ab. Diese Staaten seien der Schweiz rund drei Wochen voraus. Auch in den USA sei ein leichter Rückgang zu vermelden. In Zentral- und Osteuropa breite sich die Welle der Erkrankungen immer noch aus. Das BAG geht davon aus, das die pandemische Welle 8 bis 12 Wochen dauert.

Nochmals geht BAG-Chef Thomas Zeltner auf die Frage ein, warum Menschen trotz Intensivpflege sterben. Dies laut Zeltner, weil zum Beispiel die Lungenentzündung, die als Komplikation auftreten kann, viraler Natur ist. Und die kann mit Antibiotikum nicht behandelt werden.

Weiterer Impfstoff

In der Schweiz gibt es jetzt einen offiziell einen weiteren zugelassenen Impfstoff für über 60-Jährige. Swissmedic hat die Zulassung des Impfstoffes Pandemrix erweitert, wie das Schweizerische Heilmittelinstitut am Donnerstag mitteilte. Erläutert wurde das auch der Pressekonferenz des BAG. Grundlage für diese Erweiterung der Zulassung seien klinische Daten gewesen, die eine Wirksamkeit des Impfstoffes in dieser Altersgruppe belegten.

Swissmedic werde weiterhin über Anpassungen der bestehenden Zulassungen von Pandemieimpfstoffen informieren, sobald neue Daten vorliegen. Dabei berücksichtige Swissmedic auch die internationalen Entwicklungen in diesem Umfeld.

Das Heilmittelinstitut rief Patientinnen und Patienten dazu auf, sich bei stärkeren oder ungewöhnlichen Symptomen nach der Impfung an ihren Arzt oder Apotheker zu wenden. Für Fachleute wurde ein Online-System zur Meldung vermuteter unerwünschter Wirkungen zur Verfügung gestellt. Damit soll die Sicherheit der A(H1N1)-Impfstoffe laufend überwacht werden.

Zeltner will nicht «Schwarzpeter auszuteilen»

Zeltner zeigt Verständnis für den Unmut der Ärzte im Zusammenhang mit der Impf-Kampagne gegen die Schweinegrippe. «Ich verstehe den Unmut der Ärzte», sagte Zeltner vor den Medien in Bern. In der Schweiz sei man sich aber nicht gewohnt, dass medizinische Güter rationiert seien. Knapp seien die Impfstoffe im Übrigen in allen europäischen Ländern.

Dass es bei der Verteilung der Impf-Dosen teilweise zu Verzögerungen kam, wollte Zeltner nicht im Detail kommentieren. «Ich weigere mich, hier den Schwarzpeter auszuteilen», sagte er. Nach Gründen für Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten solle erst am Ende der Impf-Kampagne gesucht werden.

Kritik am Schwyzer Kantonsarzt

Zeltner machte deutlich, dass er dieses Vorgehen von allen Beteiligten erwartet. Kritik musste in dieser Frage der Schwyzer Kantonsarzt einstecken. Er habe am Mittwoch nicht an der BAG- Telefonkonferenz teilgenommen. Dennoch habe er danach in einer Medienmitteilung Vorwürfe erhoben.

Für Zeltner ist klar, dass die föderale Organisation des Schweizer Gesundheitswesens Vor- aber auch Nachteile hat. Die Weltgesundheitsorganisation habe vor einigen Jahren bereits gesagt, dass die Schweiz wegen dieser Organisation ein Gouvernanz-Problem habe. Die Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Kantonen könne zu Schwierigkeiten führen.

(cpm)

Erstellt: 19.11.2009, 13:39 Uhr

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