«Wir haben keinen Impfstoff für Kinder unter 6 Monaten»
Live aus dem Bundeshaus.
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Wer sich impfen lassen sollte
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die FMH-Ärzte und die Kommission für Impffragen (Ekif) empfehlen Risikogruppen, sich gegen Schweinegrippe impfen zu lassen. Ein Fragebogen im Internet liefert erste Antworten, ob eine Impfung angezeigt ist. Ein Impfzwang besteht nicht. Die Ekif empfiehlt jedoch für folgende Personen eine Impfung:
- Pflegepersonal im Gesundheitswesen und Personen, die in ihrem Beruf unter sechs Monate alte Säuglinge betreuen. Für die Kleinsten gibt es keinen zugelassenen Impfstoff.
- Schwangeren, vorzugsweise ab dem 4. Monat sowie Frauen im Wochenbett. In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten wird von einer Impfung abgeraten.
- Kinder (ab sechs Monate) und Erwachsene (bis 64 Jahre) mit chronischen Herz- und Lungenleiden (darunter Herzinsuffizienz und Asthma), chronischen Stoffwechselkrankheiten mit Auswirkungen auf Herz, Lungen und Nieren (etwa Diabetes), Niereninsuffizienz, Blutkrankheiten oder wenn sie Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinträchtigen (Immunsuppressiva).
- Frühgeborene Kinder, die in der Grippezeit unter 2 Jahre alt sein werden.
- Wer mit Risikopatienten oder sechs Monate alten Säuglingen im gleichen Haushalt lebt oder regelmässigen Kontakt mit diesen Personen hat.
Leidet jemand an einer Krankheit mit Fieber, sollte die Impfung verschoben werden. Menschen mit starker Allergie gegen Eiweiss von Hühnern oder andere Bestandteile des Impfstoffes sollten vor der Impfung einen Arzt konsultieren. Die zugelassenen Impfstoffe werden auf der Basis von Hühnereiern hergestellt.
Impfcheck im Internet
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat einen elektronischen Impfcheck im Internet aufgeschaltet. Anhand von bis zu zwölf Fragen kann man prüfen, ob eine Impfung gegen die Schweinegrippe und die saisonale Grippe angezeigt sein könnte. Den Check gibt es in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.
Eine definitive Empfehlung gibt der Test laut BAG nicht. Die Antworten können aber zum Beratungsgespräch mit dem Arzt mitgenommen werden. Mit einer neuen Serie von Fernseh-Werbespots, Plakaten und Online-Bannern will das BAG erreichen, dass sich möglichst alle Menschen mit der Frage einer Impfung befassen.
Impfcheck auf www.pandemia.ch oder via Telefon-Hotline 031/ 322 21 00
«Wir sollten nicht in die Kakofonie, wie sie in verschiedenen anderen Ländern stattfand, einstimmen», erklärte BAG-Chef Thomas Zeltner die leicht verspätete Information über die Impfkampagne in der Schweiz gegen die Schweinegrippe. Die in den letzten Tagen von Swissmedic zugelassenen Impfstoffe von Novartis und GlaxoSmithKline würden ab nächster Woche an die Kantone ausgeliefert, so Zeltner.
Die Kantone seien für die Feinverteilung der Impfstoffe und die Organisation der Impfungen zuständig. «Am 6. oder 9. November werden die Impfstoffe ausgeliefert», hiess es später von einem Vertreter der Kantone. Zeltner ist von der Sicherheit und dem Nutzen der Impfstoffe gegen die Schweinegrippe überzeugt. «Wir verfügen heute über sichere und getestete Impfstoffe», sagte Zeltner.
Start in 10 bis 14 Tagen
«In 10 bis 14 Tagen können wir mit der Impfung beginnen», so Zeltner vor den Medien in Bern. In einer ersten Phase sollen sich die Personen impfen lassen, die einer Risikogruppe angehören oder im Gesundheitswesen arbeiten. Zu den Risikogruppen gehören insbesondere Kinder sowie Erwachsene mit chronischen Krankheiten. In der zweiten Phase, die etwa 14 Tage später beginnt, können sich laut Zeltner dann alle Personen impfen lassen, die das wünschen. Die Impfstoffe selber könnten keine Grippe auslösen. Die Schweiz habe 13 Millionen Dosen bestellt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 93 Millionen Franken.
Dass innerhalb von sechs Monaten nach dem ersten Auftreten des Grippevirus H1N1 ein sicherer und getesteter Impfstoff vorliege, sei «eine Sensation», erklärte Zeltner. Nun verfüge man in der Schweiz bereits für die erste Pandemiewelle über die Impfstoffe. Gemäss Pandemieplan sei man davon ausgegangen, dass man die erste Welle noch ohne Impfstoff bewältigen müsse.
Gratis und nicht obligatorisch
Die Kosten der Impfung würden von Bund, Kantonen und der Grundversicherung getragen. Für die Geimpften sei das also kostenlos. «Die Impfung ist natürlich nicht obligatorisch», so Zeltner. «Seit Oktober nimmt die Zahl der Schweinegrippe-Fälle rasch zu.» Die Schweiz sei aber noch nicht so schwer betroffen wie andere Länder. Die Schweiz habe bisher 1550 laborbestätigte Fälle und 30 Spitaleinweisungen. 4 benötigten Intensivpflege. Eine Person befinde sich immer noch in kritischem Zustand.
Das BAG beteiligt sich an einem internationalen Programm zur Überwachung der Impfstoffe. Sollten unbekannte Nebenwirkungen auftreten, könne dies gemeldet werden.
Impfskepsis in der Schweiz
Laut einer Umfrage vom August wollen sich in der Schweiz angeblich nur 27 Prozent impfen lassen. Dieser Wert liegt im internationalen Mittel, so Zeltner. Unter www.pandemia.ch kann man sich informieren. «Wir haben keinen Impfstoff für Kinder unter 6 Monate.» Das BAG werde die Impfkampagne mit Werbespots und Plakten begleiten. Wer sich impft, wäre «sehr wahrscheinlich» auch bei einer zweiten Welle der Schweinegrippe immun. Das würde sogar gelten, falls das H1N1-Virus in einem Jahre wieder auftauche.
«Die Geimpften werden keine Versuchskaninchen sein», sagte ein Immunologe auf die Frage eines Journalisten nach den Gefahren über die Nebenwirkungen. Die immunverstärkenden Stoffe seien sehr gut getestet worden.
Was macht Bern mit übrigen Impfstoffen?
Impfverstärker zum GlaxoSmithKline-Medikament würden vom Armeelager genommen und, falls nicht gebraucht, wieder dort zurückgelegt. Nicht gebrauchte Impfstoffe könne das BAG Drittweltländern zur Verfügung stellen. Das sei mit der WHO so abgesprochen. Insgesamt könnten das rund 20 Prozent sein, also zirka 1,6 Millionen.
Bereits am Morgen informierte Swissmedic über die Zulassung für die Pandemie-Impfstoffe. Demnach stehen ab sofort in der Schweiz zwei Impfstoffe gegen die Schweinegrippe A(H1N1) zur Verfügung. Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic hat in den vergangenen Tagen zwei Impfstoffe gegen die Grippe-Pandemie zugelassen. Es handelt sich dabei um die Impfstoffe Focetria vom Schweizer Pharmariesen Novartis und um Pandemrix von GlaxoSmithKline, wie Swissmedic am Freitag mitteilte. Bei beiden Impfstoffen ist der Anwenderkreis eingeschränkt. Focetria ist zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern ab sechs Monaten empfohlen. Bei Schwangeren sowie stillenden Müttern müsse aber deren Arzt die Vor- und Nachteile einer Impfung abwägen.
Bei Pandemrix ist der Anwenderkreis stärker eingeschränkt. Zurzeit würden vor allem Daten für Erwachsene vorliegen, schreibt Swissmedic. Das Institut hat deshalb die Anwendung von Pandemrix für Schwangere, Kinder unter 18 Jahren und Erwachsene über 60 Jahren noch nicht zugelassen. Laut Swissmedic zeigen die vorliegenden Daten, dass eine einmalige Verabreichung des Grippe-Antigens mit dem Adjuvans AS03 zu einem ausreichenden Impfschutz führt. Dieser Zusatzstoff gehört zur Pandemrix-Impfung. Die Wirkung des Novartis-Impstoffs Focetria wird durch das Adjuvans MF59 verstärkt. Von Novartis steht bei Swissmedic zurzeit auch der Impfstoff Celtura in Prüfung. (cpm)
Erstellt: 30.10.2009, 13:41 Uhr



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