Als Knöpfe noch ein Zahlungsmittel waren
Von Bettina Hübschen-Leinenbach. Aktualisiert am 23.02.2009
Heute tragen wir unser Erspartes auf die Bank, wo es zu einem imaginären Wert wird. Selbst grössere Konto-bewegungen lassen sich durch wenige Zahlenkolonnen ausführen. Das war nicht immer so. Zu Beginn der Neuzeit gab es weder Girokonten noch Bankautomaten. Die Menschen trugen ihre wenigen Habseligkeiten am Leib, um jederzeit die Kontrolle darüber zu haben. Knöpfe galten damals als beliebte Kapitalanlage. Je edler das Material war, aus dem das Verschlussköpfchen gefertigt war, desto kostbarer war es. Arme Leute verschlossen ihre Kleider mit blechernen Knöpfen oder griffen auf handgeschnitzte Horn- oder Holzmodelle zurück. Wohlhabendere Zeitgenossen leisteten sich silberne Knöpfe, die nicht selten kunstvoll ziseliert waren. Selbstverständlich konnte man auch goldene Varianten mit oder ohne Edelsteineinlage erwerben.
Es gab einen ganzen Berufszweig, der sich auf die Herstellung und Veredlung der kleinen Alltagshelfer spezialisiert hatte: die Knopfmacher. Wenn man sich alte Trachten anschaut, findet man oft eine Vielzahl von Zierknöpfen, die, ihrer eigentlichen Funktion entledigt, als reine Statussymbol ihren Besitzer schmückten.
Kam es zu einem Handelsgeschäft, bezahlte der Käufer die Ware nicht selten mit dieser an-genähten «Barschaft». Wer sich nicht vorsah, dem «knöpfte» ein findiger Kaufmann im Handumdrehen alle Knöpfe ab. Das darf man sich durchaus bildlich vorstellen, denn die kleinen Köpfchen wurden nicht nur aus ihrem Knopfloch befreit, sondern mit einem Messer abgeschnitten.
Knöpfe statt Kohle
Diese Herleitung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Zeitgenossen bettelarm waren. So lässt es sich auch erklären, dass der Begriff «Knopf» in vielen Redensarten negativ besetzt ist. Ein Knopf war in der Regel etwas Minderwertiges.
Wenn der Priester seine Schäfchen dazu aufrief, etwas in den Opferstock der Kirche zu legen, dann landeten nicht selten alte Knöpfe in dem Gefäss. Im un-günstigsten Fall «noch nicht einmal ein einzelner Knopf». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.02.2009, 13:02 Uhr





