Das Hirnvögelchen
Von Bettina Hübschen-Leinenbach. Aktualisiert am 23.02.2009
Frau Müller liess ihrem Ärger freien Lauf und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Dieser Autofahrer, der ihr gerade so frech die Vorfahrt genommen hatte, hatte wohl einen Vogel.
Besagte Geste, die übrigens auch auf internationaler Ebene verstanden wird, ist vermutlich sehr alt. Verhielt sich ein Mensch seltsam oder war gar unzurechnungsfähig, führte man das nach altem Volksglauben auf nistende Vögel in seinem Kopf zurück.
Die Menschen deuteten klassische Psychose-Symptome wie Halluzinationen, Desorientiertheit oder Wahnvorstellungen als Zeichen, dass der Vogel im Kopf des Kranken umherflatterte und Schaden anrichtete. Wer damals «einen Vogel hatte», war von einem Krankheitsdämon besessen.
Heutige «Vogelbesitzer» sind nicht automatisch geisteskrank. sie verhalten sich einfach nur sonderbar oder provozieren andere mit ihrem Verhalten. Die Redensart «Bei dir piepts wohl» lässt sich analog dazu erklären. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.02.2009, 12:56 Uhr





