Wissen

Das arme Ohrläppchen

Von Bettina Hübschen-Leinenbach. Aktualisiert am 23.02.2009

Ist ein Mensch besonders gewieft, bezeichnet man ihn als «Schlitzohr». Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter.

Herr Schmid klopfte seinem Bekannten anerkennend auf die Schulter: «Toll, wie du meine Steuererklärung hinbekommen hast. Du bist ein richtiges Schlitzohr.» Wenn wir heute einen Menschen als Schlitzohr bezeichnen, schwingt immer auch ein gewisses Mass an Anerkennung mit.

Das war nicht immer so. Wer im Mittelalter ein «Schlitzohr» hatte, war stigmatisiert. Damals verstümmelte man Betrüger, in dem man ihnen das Ohrläppchen einritzte. In manchen Gegenden schnitt man den Ganoven sogar die Ohrmuschel ab. Die Redensart lässt sich auch anders erklären: Zimmerleute trugen einen typischen Ohrring. Hatte sich ein Geselle schlecht betragen, riss ihm der Meister den Schmuck aus. Der Gezeichnete hatte nun Mühe, eine neue Anstellung zu finden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.02.2009, 12:55 Uhr

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