Was kostet die Milch?
Von Bettina Hübschen-Leinenbach. Aktualisiert am 25.02.2009
Der Bankberater räusperte sich: «Liebe Frau Schwarz, das ist eine Milchmädchenrechnung, die sie da machen. Für Ihre Pläne reicht das Geld vorne und hinten nicht.» Immer dann, wenn eine finanzielle Unternehmung und die damit verbundene Gewinnerwartung unrealistisch ist, spricht man von einer Milchmädchenrechnung.
Zwei Deutungsvarianten
Es gibt verschiedene Erklärungsansätze zur Herkunft des Sprichworts. Am gängigsten ist diese: In einer Fabel des Dichters Jean de la Fontaine mit dem Titel «La laitière et le pot au lait» geht es um eine junge Magd, die einen Krug Milch auf den Wochenmarkt trägt. Das Mädchen träumt bereits von dem grossen Reibach, den es machen wird, und verplant im Geiste sämtliche Einnahmen aus dem Milchverkauf. Plötzlich stolpert das Milchmädchen, der Krug zerbricht und die schöne Milch ist dahin. Seine hochtrabenden Zukunftspläne ebenfalls.
Hier die zweite Deutungsvariante: Früher verkauften die Bauern den Teil der Milch, den sie aus Kapazitätsgründen nicht selbst verwerten konnten, an die Menschen in der Stadt. Auch hier kommt eine Magd ins Spiel, die die Milch veräussern soll. Sie streckt die Milch mit Wasser, erhöht so die Handelsmenge und streicht den Gewinn ein. Die Käufer sind sich oft nicht bewusst, dass sie eine Milchmädchenrechnung bezahlt haben. Denkbar ist auch, dass die Städtern den Betrug nicht bemerken, da sie gar nicht wissen, wie unverwässerte Milch schmeckt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.02.2009, 15:53 Uhr





