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Brüche à discrétion

Glücksformeln gibt es viele. Man wünscht seinen Mitmenschen alles Gute, viel Erfolg oder – etwas bizarrer – Hals- und Beinbruch. Eine Spurensuche.

«Hals- und Beinbruch!», wünscht Margrit ihrer Mitstreiterin Monika vor dem gemeinsamen Auftritt beim jährlichen Dorftheater.

Darf eine gute Freundin das sagen? Sie darf. Schliesslich tun das selbst berühmte Schauspieler vor der Premiere, und auch Bergsteiger wünschen sich vor der Besteigung eines Gipfels Hals- und Beinbruch. Die sprichwörtlichen Knochenbrüche sollen allerdings keinen Sturz – sei es von der Bühne oder ins Seil – heraufbeschwören, sondern bedeuten im Gegenteil viel Glück und viel Segen.

Zu Zeiten, als die Menschheit noch vom Aberglauben gegeisselt wurde, ging man davon aus, dass böse Geister gern mit den Menschen ihre Spässe trieben. Mit Vorliebe schienen sie gute Wünsche ins Gegenteil umzukehren.

Um den Schicksalsmächten ein Schnippchen zu schlagen, bestellte man beim Universum von vornherein das Gegenteil des eigentlich Gewollten. Statt Glück und Segen also einen Genickbruch. Der Beinbruch bezog sich nicht nur auf die Extremitäten. In früheren Zeiten war Bein, abgeleitet vom germanischen Wort «banja», ein Synonym für Knochen.

Analog zur Glücksformel «Hals und Beinbruch» wünschen sich Seeleute übrigens einen «Mast und Schotbruch», bevor sie über die Meere segeln oder fahren. Beim Militär heisst es gar «Kopf und Bauchschuss».

Aus dem Jiddischen entlehnt

Trotz des alten Volksglaubens stammt die Redensart aber ursprünglich aus dem Hebräischen. «Hazlóche un bróche» heisst so viel wie «Glück und Segen» und wird heutzutage sowohl im Hebräischen wie auch im Jiddischen verwendet. Gut möglich, dass deutschsprachige Zuhörer den Ausdruck falsch verstanden oder sich aber einen Scherz daraus machten, ihn zu verballhornen.

Aus der Übersetzung von «Hals- und Beinbruch» leitet sich wohl auch das englische «Break a leg!» ab. Das klingt zwar ungleich bestimmter, ist aber immerhin nicht lebensgefährlich. Die Engländer waren eben schon immer vernünftiger als unsereins. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2009, 09:49 Uhr

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